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10.10.2013

Wechseljahre bieten die Chance auf Neues

In afrikanischen oder asiatischen Kulturen gelten Frauen, deren Menstruation ausbleibt, als weise und anbetungswürdig. In unserer westlichen Kultur gilt für solche Frauen der Satz: «Jetzt wird sie etwas seltsam.» Manch eine Frau durchlebt in der Tat eine psychische Achterbahnfahrt. Seltsam ist sie deshalb noch lange nicht.

«Die Wechseljahre zeigen sich bei jeder Frau anders», sagt Christian Albring, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte in Hannover. «Ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren hat starke Beschwerden, ein Drittel leichte, und ein Drittel merkt so gut wie nichts.» Gemeint sind nicht nur körperliche Anzeichen, sondern auch seelische. Manche Frauen fühlen sich dann dünnhäutig, reagieren schnell gereizt, haben nah am Wasser gebaut. Dorli Lechner, zertifizierte Beraterin für Frauen in den Wechseljahren in Hamburg, erinnert sich: «Ich habe an allem gezweifelt, kaum geschlafen. Das Grundgefühl war: Keiner liebt mich.»

Auslöser ist einerseits die hormonelle Umstellung. «Wenn das Östrogen fehlt, kann eine Frau sich von heute auf morgen miserabel fühlen», erklärt Albring. Doch es kommen auch existenzielle Fragen auf, einschneidende Erlebnisse. Meist beginnt es damit, dass sich der 50. Geburtstag nähert - ein Moment, das Leben Revue passieren zu lassen. Manch eine stellt fest, dass sich ihr Alltag nur um Kinder, Ehemann und Eltern gedreht hat oder dass sie oft Konflikten ausgewichen ist. Oder dass die Ehe dahinplätschert, was erst offenbar wird, wenn die Kinder flügge werden. «Man kommt an den Punkt, an dem man schreien will: «Es reicht!»», beschreibt es Entertainerin Gayle Tufts aus Berlin, die die Wechseljahre in ihrer Show und ihrem Buch «Some like it heiß» zum Thema gemacht hat.

Außerdem sieht man seine Eltern älter werden, erkranken - oder muss ihren Tod verkraften. Nicht zuletzt spüren Frauen, dass sie nicht mehr 20 sind. «Die Frage kann einen beschäftigen, ob man nun zum alten Eisen gehört», sagt Albring. Vor allem, wenn im Job jüngere Kolleginnen nachrücken. Mit dem Ende der Periode befürchtet manche Frau, dass sie mit ihrer Fruchtbarkeit auch ihre Weiblichkeit verliert. Tufts: «Es sind zumindest alles Zeichen, dass ich älter werde. Es wird bewusst, dass das Leben nicht endlos ist.»

Gegen diese Erfahrung aber steht das Bild, das die Gesellschaft von einer Frau hat: «Eine Frau hat attraktiv und leistungsfähig zu sein», sagt Lechner. Wechseljahre aber gelten als unsexy, sie sind negativ besetzt und daher ein Tabu.

Im Englischen heißen die Wechseljahre «The Change». Und tatsächlich bietet die Zeit die Möglichkeit, in sich zu gehen und etwas zu verändern. «Es ist ein Signal, sich damit auseinanderzusetzen, wer man ist, wo man im Leben steht und wohin man möchte», findet Tufts. Das kann ein mitunter anstrengendes Unterfangen sein - aber auch ein reinigendes. «Es ist ein Weg der kleinen Schritte», sagt Lechner. Er beginne damit, sich selbst wichtig zu nehmen. «Man sollte darauf schauen, welche positiven Eigenschaften man hat, was man bereits geleistet und erreicht hat. Lobe und feiere dich dafür!», betont Tufts. Das mag nicht immer funktionieren. «Wenn die schlechte Stimmung wie eine dunkle Wolke über mir hängt, dann weine ich eben.» Doch grundsätzlich helfe der Blick auf das Gute statt des Grübelns, was man alles nicht geschafft oder verpasst hat.

Lechner rät, sich zu überlegen, welche Pläne man einst hatte - als Anregung für Neues. Wer Goldschmiedin werden wollte, hat mit Schmuckfertigen nun ein neues Hobby. Der Motorradführerschein war immer ein Traum? Prima, auf geht's. Wichtig sei, sich Zeit für sich zu nehmen, einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Manche nehmen sich einen Tag in der Woche frei von der Familie, holen sich Entlastung bei der Pflege der Eltern, probieren eine neue Sportart aus. Generell tut Bewegung der Seele gut.

Partner und Familie gegenüber sollten Frauen offen mit den Wechseljahren umgehen - allerdings ohne diese als Ausrede für jede Laune zu benutzen. Wer sich kratzbürstig fühlt, sagt den Lieben, dass man jetzt empfindsam sei, dies aber nichts mit ihnen zu tun habe.

Die Experten empfehlen, sich außerdem mit anderen auszutauschen. «Der Frauenarzt hat Adressen», sagt Albring. «Es muss nicht gleich eine tiefe Analyse sein, sondern die Möglichkeit eines Gesprächs.» Auch Beraterinnen, die sich auf Wechseljahrsbeschwerden spezialisiert haben, bieten Einzel- oder Gruppengespräche an. Nicht selten gewinnen Frauen dabei die Erkenntnis, dass sie weder verrückt noch seltsam sind. Im Gegenteil. «Es entsteht durch diesen Prozess eine Klarheit in mir», sagt Tufts und ergänzt aufmunternd: «Die Menopause ist kein Winterschlussverkauf. Jetzt beginnt die Hauptsaison!»

Quelle: dpa



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