Kindliche und Mütterliche Entwicklung in den Schwangerschaftsdritteln

Eine Schwangerschaft wird in 3 Drittel (Trimena, Einzahl Trimenon), also 3 Abschnitte von etwa 3 Monaten Dauer (je ca. 13 Wochen) eingeteilt. In jedem Trimenon kommt es zu typischen Veränderungen bei Mutter und Kind.
Als Embryonalphase bezeichnet man den Zeitraum bis zur 8. Woche nach der Konzeption (bzw. 10. Woche nach dem ersten Tag der letzten Menstruation). Die Schwangerschaft teilt sich in drei gleichmäßige Drittel auf.

1. Schwangerschaftsdrittel

Entwicklung des Embryos im ersten Schwangerschaftsdrittel

Eine Schwangerschaft wird meist ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung gerechnet. Da der Eisprung und die Befruchtung aber erst etwa 2 Wochen später stattgefunden hat, ist der Embryo oder später der Fetus immer 2 Wochen jünger, als es die Anzahl der Schwangerschaftswochen (SSW) vermuten lässt.

Nach der Befruchtung teilt sich die Zygote (befruchtete Eizelle) mehrfach, so dass in kurzer Zeit, ein Zellhaufen entsteht. Die Gebärmutter bereitet sich in dieser Zeit auf die Einnistung vor. Ist das Zellpaket (Blastozyste) nach seiner Wanderung durch den Eileiter in der Gebärmutter angekommen, so teilt es sich in zwei getrennte Teile: der eine bildet den so genannten Trophoblasten, der sich tief in die Gebärmutterwand eingräbt und die Eihüllen, die Plazenta, das Fruchtwasser und den Dottersack bildet. Aus dem anderen Teil entwickelt sich der Embryo. Einige Zellen bilden das Schwangerschaftshormon HCG. Dadurch wird den Eierstöcken und der Hirnanhangdrüse mitgeteilt, dass die Frau schwanger ist. Gleichzeitig bewirkt dieses Signal, dass der Eierstock vermehrt Progesteron aus der Corpus-Luteum Zyste bildet, das dafür sorgt, dass die Gebärmutterschleimhaut erhalten und nicht für eine Regelblutung abgebaut wird.

Direkt nach der Einnistung differenziert sich der Embryoblast in zwei Zellschichten, die aneinander liegen und zweiblättere Keimscheibe genannt werden und nach Bildung von Amnionhöhle und Dottersack genau dazwischen liegen. Diese zweiblättrige Keimscheibe teilt sich in den Epiblasten (Zellen, die an den Trophoblasten grenzen) und in den Hypoblasten (Zellen, die an die Blastozystenhöhle grenzen). Aus dem Epiblasten entsteht die Amnionhöhle und alle drei Keimblätter (Ektoderm, Mesoderm, Entoderm) und damit alle kindlichen Gewebe.

Aus dem Ektoderm werden sich nach und nach folgende Strukturen entwickeln:

Aus dem Mesoderm entstehen u.a.:

Aus dem Entoderm werden im Laufe der Zeit unter anderem diese Strukturen entstehen:

  • das zentrale Nervensystem
  • das periphere Nervensystem
  • das senorische Epithel (für die Sinnesorgane wie Ohr, Nase, Auge)
  • die Haut und Haaranlagen
  • die Hypophyse
  • die Schweißdrüsen
  • die Milchdrüsen
  • der Zahnschmelz
  • Wirbelkörper und Rippen
  • Hirnhäute des Rückenmarks
  • Haut des Rückens und des Kopfes
  • Skelettmuskulatur
  • Gonaden
  • Teile der Niere
  • Nebennierenrinde
  • Milz
  • Perikard, Pleura und Peritoneum
  • Bindegewebe und glatte Muskulatur
  • Lymphknoten, Herz und Stammzellen
  • Schilddrüse und Nebenschilddrüse, Thymus
  • Tonsillen, Pharynx, Ohrtrompete
  • Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse
  • Harnblase, Prostata, Harnröhre und unterer Teil der Scheide
  • Speiseröhre und innere Auskleidung des Magen-Darm-Trakts

Im ersten Drittel der Schwangerschaft entwickeln sich bereits alle Organe. Auch die Ohren, Augen und Augenlider werden schon angelegt. Bereits ab dem 22. Tag, also in der 5. SSW, beginnt das Herz zu schlagen - ab der 6. Woche ist der Herzschlag auch auf dem Ultraschall nachweisbar. In der 12. Woche ist der Fetus etwa 6 cm lang und 15g schwer. Sein Herz schlägt 120- bis 160-mal pro Minute.

Entwicklungen der Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel

Während des ersten Drittels der Schwangerschaft verändert sich auch der Körper der werdenden Mutter - obwohl von außen noch nichts sichtbar ist. In der 3. bis 4. SSW nistet sich der Embryo in der Gebärmutter ein. Abhängig von der Zyklusdauer wird die Frau ungefähr in der 5. Woche feststellen, dass ihre Periode ausgeblieben ist. Die Frau bemerkt schon jetzt erste körperliche Veränderungen, wie Brustspannen und Übelkeit. Durch den Einfluss der Hormone, wird die Brust der Frau ab der 6. SSW größer und empfindlicher Die Gebärmutter wächst, Muskulatur und Bindegewebe lockern sich, Gefäße werden weiter, alles ist besser durchblutet. Spätestens jetzt (etwa 7. SSW) treten typische Schwangerschaftsanzeichen auf. Der Stoffwechsel verändert sich. Der Haarwechsel wird herabgesetzt, die Haut pigmentiert, Sehnen und Bänder werden weicher und dehnbarer Die wachsende Gebärmutter drückt auf die Harnblase und es tritt vermehrter Harndrang auf. Die Scheide wird stärker durchblutet, vermehrte Sekretbildung kann zu vaginalem Ausfluss führen.

Die Veränderungen des Stoffwechsels führen zur erhöhten Flüssigkeitseinlagerung in den Zellen und zur typischerweise im ersten Trimenon auftretenden Übelkeit, Müdigkeit oder Schwindelgefühlen.
Ein Hormon der Hirnanhangsdrüse, das MSH (Melanozyten stimulierendes Hormon), beeinflusst die Hautpigmentierung; Hautveränderungen können um die Brustwarze, auf der Bauchdecke, im Gesicht und im Schambereich entstehen und beispielsweise bestehende Muttermale und Sommersprossen können dunkler werden. Der Grundumsatz und der Sauerstoffverbrauch des Körpers steigen während der Schwangerschaft.

Das „Essen für zwei“ gehört der Vergangenheit an. Empfohlen wird eine zusätzliche Kalorienaufnahme von 300 Kcal /pro Tag und eine gesamte Gewichtszunahme in der Schwangerschaft bei normalgewichtigen Frauen von ca. 12,5 kg.) Bis zur 20. Schwangerschaftswoche sollten Schwangere nur ein bis drei Kilo zunehmen. Ein Gewichtsverlust durch Übelkeit hat keine nachteilige Auswirkung auf die Schwangerschaft. Bei anhaltender Übelkeit mit starkem Erbrechen, sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt.

2. Schwangerschaftsdrittel

Entwicklung des Fetus im zweiten Schwangerschaftsdrittel

Zu Beginn der 13. SSW sind alle Organe ausgebildet und müssen nun noch an Größe zunehmen und zu ihrer vollen Funktionsfähigkeit gelangen. Der Fetus trägt bereits jetzt menschliche Züge (Gesichtsmerkmale). Langsam beginnen sich die Proportionen anzupassen - der Kopf wächst nicht mehr so schnell, wie der restliche Körper. Ab der 14. SSW sind die äußeren Geschlechtsorgane unterscheidbar. In der 15. bis 18. Woche verstärken sich die Knochen. Dazu wird ausreichend Kalzium benötigt. Auch die Lungen entwickeln sich weiter - der Fetus „atmet" das Fruchtwasser ein und aus. Ab der 17. Woche können Frauen, die schon ein Kind geboren haben, bereits erste Kindsbewegungen wahrnehmen. Schwangere, die ihr erstes Kind bekommen, nehmen die ersten Kindsbewegungen in der 20.-21. Schwangerschaftswoche wahr.

In der 19. bis 22. Woche beginnt das Wachstum des Kopfhaares und es werden die Zahnleisten für die Milchzähne angelegt. Die Haut verliert ihre Durchsichtigkeit. Es kommt zur Ausbildung der Lungenbläschen. Kindliche Leber und Milz beginnen mit der Produktion von weißen Blutkörperchen. Der Fetus ist bisher noch sehr dünn ohne Unterhautfettgewebe. Die kindlichen Bewegungen werden auch für die Mutter bemerkbar. Sie treten aber noch nicht regelmäßig auf. Das Fruchtwasser wird in der Frühschwangerschaft durch Ultrafiltration des mütterlichen Plasmas und Ausscheidung des Amnionepithels gebildet. Ab der zwölften Schwangerschaftswoche bildet der Fetus zusätzlich Fruchtwasser durch Niere und Lunge.

Gegen Ende der 22. Woche ist das Baby ungefähr 500g schwer und 19cm lang.
In der 23. und 24. SSW beginnt der Fetus mit der Produktion der weißen Blutkörperchen. Er lagert nun vermehrt Fett ein, was sich an der Zunahme des Gewichts und der Größe zeigt (ca. 600g, 22cm). Das Innenohr ist komplett ausgebildet, so dass das Ungeborene hören kann und auch auf Geräusche von außen regiert. Die kindlichen Bewegungen trennt man in Massenbewegungen, die schon sehr kräftig zu spüren sind und in feine koordinierende Bewegungen wie das Nuckeln und das Spiel der Hände und Füße.

Ab der 24. Woche kann sich beim Kind ein Schlaf-Wach-Rhythmus mit 30-minütigen Tiefschlafphasen einstellen. Der Fetus beginnt, seine Augen zu öffnen. Die Lunge ist ab etwa der 25. bis 27. Woche nahezu ausgebildet, aber durch fehlende biochemische Stoffe (Surfactants) noch nicht voll funktionsfähig.

 

Entwicklungen der Mutter im zweiten Schwangerschaftsdrittel

Das zweite Drittel der Schwangerschaft wird von der werdenden Mutter meistens als recht beschwerdefrei wahrgenommen Übelkeit und Erbrechen sind in einer normalen Schwangerschaft verschwunden. Die Größe der Gebärmutter und die Gewichtszunahme sind noch nicht hinderlich bei körperlichen Aktivitäten und der Atmung.

Der Kreislauf von Mutter und Kind sind über die Nabelschnur miteinander verbunden. Die Plazenta übernimmt ab der 12. Woche die Ernährung des Fetus und wird über das Blut der Mutter mit den benötigten Nährstoffen versorgt. Durch das erhöhte Blutvolumen von ca. 1,5 l Blut muss das mütterliche Herz mehr arbeiten. Der Puls der werdenden Mutter steigt um 5 bis 10 Schläge pro Minute an. Das Atemvolumen nimmt zu.

Ab der 16. Schwangerschaftswoche kann die die Produktion von Kolostralmilch beginnen, einer farblosen Flüssigkeit, die über die Brustwarzen ausgeschieden wird. Die Gebärmutter nimmt weiter deutlich an Größe zu. In der 18. bis 19. SSW hat sie etwa die Größe einer Melone und fast die Höhe des Nabels erreicht und ist über dem Niveau der Bauchdecke sichtbar. Die Spannung und Dehnung der Bauchhaut nimmt zu. Es können Schwangerschaftsstreifen auftreten. Hierfür besteht bei manchen Frauen eine Veranlagung. Mit bestimmten Zupftechniken und der Pflege der Haut durch Öle oder Cremes soll dem Zerreißen des Gewebes vorgebeugt werden.

Das Gewicht des Bauches verlagert den Schwerpunkt der gesamten Körperhaltung. Während der Bauch sich nach vorne wölbt, geht die Schwanger meist unwillkürlich ins Hohlkreuz. Rückenschmerzen sind eine häufige Folge.

Erwartet die Schwangere ihr erstes Kind, so kann sie etwa ab der 20. SSW die ersten kindlichen Bewegungen spüren. Der Bauch ist nun nicht mehr zu übersehen und die weiter nach oben wachsende Gebärmutter schiebt alle Organe etwas höher. Da die körperliche Entwicklung von Mutter und Kind nicht synchronläuft, gibt es zeitweise Wachstumsschmerzen durch Dehnung der Mutterbänder und Wadenkrämpfe bei der Mutter mit weniger spürbaren Kindsbewegungen, gefolgt von einer Phase des kindlichen Wachstums mit kräftigen Kindsbewegungen und Beschwerdefreiheit der Mutter. Da die Ausscheidungsschwelle für Magnesium in der Niere der Mutter erhöht ist, und es damit leichter zu Krampfbildung der Muskulatur kommt, kann eine Magnesiumzufuhr die Beschwerden lindern.

3. Schwangerschaftsdrittel

Entwicklung des Fetus im dritten Schwangerschaftsdrittel

Zu Beginn des dritten Trimenons ist der Fetus ca. 30 cm groß und wiegt 1500g. Die Körperproportionen ähneln einem Neugeborenen. Obwohl das Ungeborene in der 32. Schwangerschaftswoche schon voll ausgebildet ist, ist es noch sehr mager. In den nächsten Wochen (bis ca. zur 36. Schwangerschaftswoche) lagert der Fetus vermehrt Fett ins Unterhautfettgewebe ein. Dies ist für seine spätere Wärmeregulation außerhalb des Mutterleibes unerlässlich.
Die Kindsbewegungen werden in diesem Drittel regelmäßig und individuell. Der Fetus nimmt häufig die typische Embryonalstellung ein und kann sich hin und her drehen.

Entwicklungen der Mutter im dritten Schwangerschaftsdrittel

Das dritte Trimenon reicht von der 28. bis zur 40. Woche und endet mit der Geburt. Dieses Trimenon ist für die Schwangere meist das beschwerlichste. Die Organe im Bauchraum werden durch die wachsende Gebärmutter langsam eingeengt bzw. verdrängt. Darauf lassen sich typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Sodbrennen, Verstopfung (Obstipation), Kurzatmigkeit) oder der vermehrte Harndrang zurückführen.

Das Schwangerschaftshormon Progesteron bewirkt schon seit Schwangerschaftsbeginn ein Lockern des Bandapparates, was auch die Wirbelsäule stärker belastet und zum Hohlkreuz führt. Dies kann Rückenschmerzen auslösen.

Die Kindsbewegungen sind jetzt regelmäßig und sehr individuell. Jedes Kind hat sein eigenes Bewegungsmuster, das von der Mutter wahrgenommen wird. Das Kind nimmt die so genannte Embryonal-Haltung (angezogene Beine, verschränkte Arme und eingedrehter Kopf) ein.

Für eine normale Geburt sollte das Kind mit dem Kopf nach unten in der Gebärmutter liegen (Schädellage). Viele Kinder liegen von Anfang an in der Schädellage, manche drehen sich erst vier Wochen vor der Geburt, bei einigen wird bis zum Schwangerschaftsende keine Schädellage eingenommen. Diese Kinder (6 %) liegen dann in Beckenend- oder Querlage. Manchmal gelingt eine äußere Wendung über die Bauchdecke der Mutter in der Geburtsklinik in die Schädellage. Ein Kind in Beckenendlage muss nicht zwingend zum Kaiserschnitt führen. Geübte Geburtshelfer können auch ein Kind aus Beckenendlage auf normalem Wege entbinden. Zu einer normalen Schwangerschaft gehören Kontraktionen der Gebärmutter, die sogenannten Übungswehen. Damit trainiert die Gebärmutter für den Ernstfall, die Geburt - ohne dass sich dabei der Muttermund öffnet. Ab der 32. Woche können diese Vorwehen schon viermal pro Stunde auftreten. Senkwehen treten in der Regel vier Wochen vor der Entbindung auf. Damit senkt sich der Leib der Mutter, eine neue hormonelle Phase tritt ein und manchmal senkt sich auch das kindliche Köpfchen in das mütterliche Becken. Vorwehen treten in den letzten 2-3 Wochen vor der Entbindung auf und führen zur Reifung des Muttermundes und des Gebärmutterhalses für die Geburt. Mit dem Geburtsbeginn treten die Eröffnungswehen auf, die zur Eröffnung des Muttermundes führt.

Autor/Autoren: test

Fachliche Unterstützung: Dr. Doris Scharrel

Letzte Bearbeitung: 15.03.2018

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