Wechseljahresbeschwerden / klimakterische Beschwerden

Wechseljahresbeschwerden können in Hitzewallungen, trockenen Schleimhäuten aber auch Inkontinenz oder psychischen Beschwerden bestehen.

Viele Frauen erleben die Wechseljahre ohne jegliche Beschwerden gut gelaunt leistungsfähig, sportlich aktiv mental auf der Höhe. Aber es gibt typische klimakterischen Beschwerden und Beschwerden in der Zeit danach, die in unterschiedlicher Form und stärker auftreten können und im folgenden erklärt werden.

Hitzewallungen und Schweißausbrüche (vasomotorische Beschwerden)

Meist kündigen sich die Hitzewallungen durch leichten Kopfdruck und Unbehagen an, die sogenannte aufsteigende Hitze. Danach breitet sich in kürzester Zeit eine Hitzewelle über Gesicht, Hals und Oberkörper aus. Das Gesicht rötet sich und es folgt ein Schweißausbruch. Viele Frauen fühlen sich durch diesen Schweißausbruch entlastet, bei anderen entsteht das Gefühl von Hitzestau. Manchmal kann dem Schweißausbruch ein Frösteln folgen. Typischerweise dauert das Phänomen eine halbe bis mehrere Minuten an. Es kann nur einige Male pro Woche fast unbemerkt vorkommen, aber auch sehr viel häufiger auftreten. Hitzewallungen mit oder ohne Schweißausbruch äußern sich oft auch nachts und können dadurch die Tiefschlafzeit verkürzen. Bei einem Teil der Frauen kann dadurch der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört werden.

Bis zu 85% der Frauen in den Wechseljahren berichten von Hitzewallungen - 55% bereits schon vor dem Beginn der Menstruationsstörungen, die den Eintritt in die Perimenopause ankündigen. Später gehen diese Beschwerden allmählich zurück, jedoch bei manchen Frauen nie. Die durchschnittliche Dauer des Zeitraums der Hitzewallungen beträgt ca. 5,2 Jahre. Die Ursachen der Hitzewallungen sind noch nicht vollständig verstanden. Eine Theorie nimmt Veränderungen des Thermoregulationssystems in Verbindung mit Schwankungen der Östrogen-Produktion an(1).

Gewebeschwund der Schleimhaut (Atrophie) mit Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex und Inkontinenz-Problemen

Bedingt durch den Östrogenmangel, wird die Schleimhautdicke der Scheide, Harnröhre und Blase – aber auch des Mundes und der Augen nicht mehr so hoch aufgebaut. Dadurch kann sich die Scheide trockener anfühlen als vor den Wechseljahren und ist leichter verletzlich. Es kann häufiger zu Juckreiz oder Brennen kommen. Diese Trockenheit kann sich beim Geschlechtsverkehr bemerkbar machen. Es gibt viele freiverkäufliche Gleitmittel, die das Problem in der Situation lösen können.

Die Scheidenflora kann durch den veränderten Aufbau der Haut aus dem Gleichgewicht geraten. Häufig kommt es zu Störungen der pH-Wertes in der Scheide durch Fehlen der schützenden Milchsäurebakterien, was die Scheide dann anfälliger für bakterielle Infektionen macht.

Da der Aufbau der Haut der Scheide auch ein Polster für die Harnröhre ist, kann es bei geringerer Dicke der Haut auch zur Blasenschwäche (Inkontinenz) kommen, weil die Verschlussmechanismen von Harnröhre und Blase beeinträchtigt sind. Die Beckenbodenmuskulatur kann in höherem Alter altersbedingt erschlaffen. Dadurch können Entzündungen der Harnwege sowie vermehrter Harndrang oder Harninkontinenz verstärkt werden.

Hormonhaltige Vaginalcreme oder Vaginaltabletten können den Hormonmangel im Genitalbereich ausgleichen. Die Haut wird stärker aufgebaut und besser durchblutet, und damit elastischer, feuchter und tragfähiger. Sprechen Sie Ihre Frauenärztin/Ihren Frauenarzt auf diese Beschwerden an, die/der dann diese verschreibungspflichtigen Präparate verordnen kann.

Zwischenblutungen

Eine Folge der geringen Östrogenproduktion im höheren Alter ist die Verkleinerung der Gebärmutter und damit häufig auch der Myome. Die Gebärmutterschleimhaut wird weniger stark aufgebaut, ist dünner und die Wände der Blutgefäße sind labiler. Manchmal macht sich das durch leichte Zwischenblutungen bemerkbar, die in jedem Fall durch ihre/n Frauenärztin/ihrem Frauenarzt abgeklärt werden sollten.

Müdigkeit und Schlafstörungen

Abnehmende Östrogenaktivität in den Wechseljahren verkürzt die Tiefschlafphase auf vier Stunden. Viele Frauen werden um diese Zeit gegen drei bis vier Uhr morgens teilweise durch Schweißausbrüche wach und können nicht wieder einschlafen. Üblicherweise kommt nach der Zeit der Tiefschlafphase die ca. zweistündige Traumphase mit flacher werdender Schlaftiefe.

Einschlafstörungen sind hingegen nicht hormonell bedingt. Man nimmt einfach zu viel Sorgen und Gedanken mit ins Bett, die das Einschlafen verhindern. Ein verkürzter Schlaf kann sich auf die Konzentration und Leistungsfähigkeit des nächsten Tages auswirken.

 

Weitere Beschwerden, die mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht werden:

Psychische Beschwerden wie depressive Verstimmung, Reizbarkeit und Nervosität

Im Allgemeinen haben Östrogene eine stimmungsaufhellende Wirkung und aktivieren das zentrale Nervensystem. In Folge der hormonellen Umstellung der Wechseljahre kann bei wenigen Frauen das seelische Gleichgewicht zuweilen ins Wanken geraten. Sie unterliegen dann einer ausgeprägten Gemütslabilität (affektlabil) mit Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Auch sind in sehr wenigen Fällen Weinerlichkeit und Ängstlichkeit bis hin zu ausgeprägten (unbedingt behandlungsbedürftigen) Angstzuständen möglich. Nervosität und schnelle Reizbarkeit sowie Aggressivität sind ebenfalls zu beobachten.

Hormone können eine Rolle bei der Entwicklung psychischer Probleme spielen, wichtiger sind dabei die äußeren Lebensumstände oder andere Einflussfaktoren. Private und berufliche Umbrüche vollziehen sich oft gerade während der Wechseljahre und sind dann von den Beschwerden durch hormonelle Veränderungen schlecht zu trennen. Bei längerfristigen psychischen Beschwerden, die ihren Alltag belasten, sollten sich betroffene Frauen professionelle Unterstützung suchen. Das kann zunächst die Frauenärztin/der Frauenarzt sein.

Kognitive Einschränkungen (Merkfähigkeits-, Gedächtnisstörungen etc.)

60 Prozent der Frauen in den Wechseljahren klagen über Gedächtniseinbußen. Dabei scheint der Östrogenmangel Einwirkung auf bestimmte Hirnregionen zu haben(2).

Kognitive Beeinträchtigungen (Merkfähigkeitsstörungen, Konzentrationsstörungen) können für Frauen belastend sein. Davon abzugrenzen ist die krankhafte Veränderung des Gehirns, auch Demenz genannt, mit ihrer häufigsten Ausprägungsform: der Alzheimer-Erkrankung. Obwohl die Zusammenhänge noch nicht vollständig geklärt sind, hat man festgestellt, dass sich der Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung nach der Menopause beschleunigen kann. Offensichtlich wird das Fortschreiten der Demenz durch einen Östrogenmangel begünstigt.


Frauen berichten zudem über:

Gelenk- und Muskelschmerzen (1)

Bereits ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse bei Frauen ab, wenn nicht durch sportliche Aktivitäten dagegen gearbeitet wird. Mit zunehmendem Alter verstärkt sich dieser Prozess und ist die Hauptursache für Gelenkbeschwerden im ganzen Körper, vor allem Rückenschmerzen.

Außerdem bewirkt der Östrogenmangel eine verminderte Durchblutung der Muskeln und Gelenke sowie eine Abnahme der Kollagenproduktion, mit einem Dünnerwerden des Gelenksknorpel und Abnahme der Gelenksflüssigkeit, was sich durch Schmerzen bei der Bewegung bemerkbar macht.

Mit dem Abfall der Östrogene geht auch eine verminderte Freisetzung von Endorphinen einher, die wichtig für die Schmerzregulierung ist. Dies kann zu einem Absinken der Schmerzgrenze und damit zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen.

Veränderung der Körpersilhouette (1)

Durch die nachlassende Östrogenproduktion, aber gleichbleibende und damit relativ erhöhte Testosteronkonzentration wird in und nach den Wechseljahren bei Frauen vermehrt Fettgewebe am Bauch eingelagert - eine Ursache für ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Viele Frauen klagen zudem allgemein über eine Gewichtszunahme - von ca. fünf Kilo - während der Wechseljahre. Hierbei muss allerdings mit einem Vorurteil aufgeräumt werden, denn die Gewichtszunahme ist durch den altersbedingten sinkenden Grundumsatz zurückzuführen. Da der Energieumsatz überwiegend in den Muskeln stattfindet, die Muskelmasse aber im Alter abnimmt, verbraucht der Körper auch weniger Energie. Gleichbleibende Ernährungsgewohnheiten und zunehmender Bewegungsmangel führen dann zu einem höheren Körpergewicht.

Hautalterung (1) und Vermännlichungserscheinungen

Die Haut wird dünner, trockener und weniger elastisch, da sie nicht mehr so viel Wasser speichert. Nicht selten ist die Haut am Körper rot und juckt. Durch verstärkte Pigmenteinlagerung entsteht eine Neigung zu Altersflecken. Auch die Fähigkeit zur Wundheilung lässt nach.

Die Wechseljahre können durch den Östrogenmangel Anzeichen von Vermännlichung mit sich bringen, die durch den relativen Überschuss an männlichen Hormonen (z. B. Testosteron) hervorgerufen wird. Hierdurch kann sich die Gesichtsbehaarung verstärken und die Kopfbehaarung dünner werden.

Schleimhautveränderung von Mund, Nase und Augen

Wie die Schleimhaut der Scheide werden auch andere Schleimhäute schlechter durchblutet und trockener. Die verminderte Produktion der Tränendrüsen kann gerötete Augen und Bindehautentzündungen nach sich ziehen. Solche Beschwerden können mit Tränenersatzflüssigkeiten gelindert werden - fragen Sie hierzu Ihren Augenarzt.

Knochenschwund - 4 Stadien
Abbildung von vier Knochen mit unterschiedlichen Stadien von Osteoporose

Eine schwerwiegende Erscheinung, deren Risiko sich nach den Wechseljahren erhöht, ist die Osteoporose. Auf Grund des Östrogenmangels kann der tägliche Knochenauf- und Umbau beeinträchtigt werden. Dadurch wird der Knochen instabiler und kann leichter brechen. Zur Diagnose Osteoporose gehört immer eine Vorgeschichte durch familiäre Belastung, Medikamente wie langjährige Cortisoneinnahme oder bestimmte Erkrankungen. Durch Sport, gezielte isometrische Übungen und eine medikamentöse Therapie kann das Knochensystem stabilisiert werden.

Etwa 30 Prozent aller Frauen in der Postmenopause leiden an einer Osteoporose. Durchschnittlich die Hälfte davon erleidet einen Knochenbruch. Auch eine Abnahme der Körpergröße und die dauerhafte Verbiegung eines Wirbelsäulenabschnitts sind typisch. Letzteres wird meist im hohen Alter deutlich sichtbar durch einen Buckel im oberen Bereich des Rückens.

Bereits ab dem 35. Lebensjahr schwindet bei Frauen die Knochenmasse um 0,3 bis 0,5% jährlich. In der Postmenopause sind es zu Beginn 3 - 5%, später dann 1 bis 2% pro Jahr. Seltener sind Frauen, bei denen die Knochenmasse in den ersten 5 bis 10 Jahren nach der Menopause um 3 bis 6% jährlich abnimmt.

Übersicht: Einfluss von Östrogenen und Gestagen (Gelbkörperhormon) auf Gewebe und Organe:

Wirkung auf:        Östrogene Gestagen (Gelbkörperhormon)
Haut fördern die Wassereinlagerung in der Haut und im Gewebe sowie die Bildung bestimmter Eiweißstoffe und somit eine glatte Haut vermindert die Durchblutung der Haut, senkt die Hauttemperatur, und reduziert dadurch die Wärmeabstrahlung
Blutgefäße / Herz-Kreislauf-System erweitern die Blutgefäße und senken damit den Blutdruck. Daraus resultiert während der fruchtbaren Jahre ein geringeres Risiko für Herzinfarkt als nach der Menopause erweitert die Venen und verengt die Arterien (Effekt wird vom Östrogeneffekt überlagert)
Nervensystem wirken stimmungsaufhellend wirkt beruhigend
Fettstoffwechsel stellen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen (dem „guten") HDL- und (dem „schlechten") LDL-Cholesterin her kein Einfluss

Zuckerstoffwechsel haben eine günstige Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. Sie sorgen einerseits dafür, dass die Zellen nicht resistent gegen Insulin werden, andererseits dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit nicht zu stark ansteigt (verbesserte Glukosetoleranz) hat kaum Einflussauf den Zuckerstoffwechsel
Lunge Haben einen positiven Einfluss auf die Lungenfunktion fördert die Atemtiefe und Atemfrequenz
Knochen hemmen die Osteoklastenaktivität und damit den Knochenabbau und stimulieren gleichzeitig die Osteoblasten, die für den Knochenaufbau zuständig sind kein Einfluss
Darm verstärken die Darmbewegungen und fördern somit eine gute Darmfunktion vermindert die Darmbewegungen, kann Verstopfungen fördern

Quellen

  1. Santoro N. et al, Menopausal Symptoms and their Management. Endocrinology & Metabolism Clinics September 2015, Volume 44, Issue 3, Pages 497-515
  2. Widmer V., Stute P., Postmenopausale Hormontherapie und Kognition. Gynäkologische Endokrinologie 2015 · 13:64–68

Autor/Autoren: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Christian Albring

Letzte Bearbeitung: 18.05.2018

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