Entwicklung & Pubertät

Bereits mit der Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium ist das chromosomale Geschlecht eines Embryos festgelegt. Treffen zwei X-Chromosomen zusammen, entwickelt sich ein Mädchen.

In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten werden alle entscheidenden weiblichen und männlichen Strukturen angelegt. Die Reifung der Geschlechtsorgane und die Entwicklung eines Mädchens zur Frau wird dann durch ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen geregelt, ebenso, wie der Monatszyklus, der in der Pubertät einsetzt und erst mit den Wechseljahren zum Stillstand kommt.

Von der Eizelle zum Mädchen

Die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) steuern nicht erst mit der Herausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale (z.B. Brustwachstum, Schambehaarung) die für alle sichtbare Entwicklung eines Mädchens zur Frau, welche die Geschlechtsreife signalisieren. Sie entfalten ihre Wirkung bereits im Verborgenen, beim wenige Woche alten Embryo im Mutterleib, indem sie zum Beispiel die Reifung von Urkeimzellen zu Eibläschen fördern.

Anlage der Geschlechtsmerkmale

Mit der Befruchtung der Eizelle ist das chromosomale Geschlecht des Kindes festgelegt. Liegt eine 46 XY Konstellation vor, werden unter dem Einfluss des Faktors SRY (Sex Determing Region Y) auf dem Y-Chromosom die zunächst indifferenten bipolaren Keimstränge in Hoden umgewandelt. Fehlt das Y- Chromosom entwickeln sich Eierstöcke (gonadales Geschlecht).

Im Embryo gibt es zunächst 2 Gangstrukturen. Aus den sog. Müller`schen Gängen bilden sich, wenn keine Hormone aus dem embryonalen Hoden vorhanden sind, Eileiter, Gebärmutter und der obere Anteil der Scheide. Bis zur 12. Woche werden aus dem indifferenten Genitalhöcker die weiblichen äußeren Geschlechtsmerkmale gebildet.

Die inneren und äußeren Geschlechtsmerkmale werden als phänotypisches Geschlecht bezeichnet. Normalerweise stimmen chromosomales, gonadales und phänotypisches Geschlecht überein.
Im weiblichen Embryo entstehen bereits in der 5. Entwicklungswoche Urkeimzellen (Ureizellen) in der Wand des Dottersacks, die in der 6. Entwicklungswoche in die Keimleiste (Gonaden-, Genitalleiste) einwandern. Zeitgleich bildet sich das Brustgewebe. In der 7. Woche entwickeln sich aus der Keimleiste und den Keimsträngen die Eierstöcke. Sie schütten das Hormon Östradiol (ein Östrogen) aus und kurbeln damit die weitere Entwicklung zum Mädchen an.

Im weiteren Verlauf vermehren sich Ureizellen (Oozyte) und bilden Eibläschen (Primärfollikel). Diese sammeln sich schließlich in der Eierstockrinde an und gehen dann in den Ruhezustand über.
Der hohe mütterliche Östrogenspiegel in den letzten Schwangerschaftswochen wirkt über die Plazenta auf das ungeborene Kind. Deshalb sind bei der Geburt eines Mädchens häufig körperliche Merkmale entwickelt, die durch Östrogene beeinflusst werden. So ist die Schleimhaut der Scheide bei neugeborenen Mädchen hoch aufgebaut, d. h. einige Millimeter dick, und das Jungfernhäutchen (Hymen) ist weich und reich an Flüssigkeit. Die Brustdrüsen sind bei der Geburt bereits vorgebildet. Es sind einige verzweigte, mit Epithelzellen ausgekleidete Gänge vorhanden. Bei 80 bis 90 Prozent der neugeborenen Mädchen scheidet die Brustdrüse ein milchiges Sekret aus, die so genannte Hexenmilch.

Entwicklung in der Kindheit

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Bei der Geburt ist ein Mädchen im Durchschnitt 50 bis 53cm lang und wiegt 3.500g. Im Verlauf des ersten Lebensjahres verdreifacht sich das Geburtsgewicht und die Körperlänge verdoppelt sich beinahe. Im zweiten Lebensjahr verlangsamt sich das Längenwachstum. Jetzt nehmen Fett- und Muskelmasse zu. Der Kopf ist im Verhältnis zum Rumpf groß (1:5), Arme und Beine sind dagegen verhältnismäßig kurz.

Während des Säuglingsalters kommt es zu einer körpereigenen Bildung von Östrogenen. Sie werden während der so genannten Mini-Pubertät in den Eierstöcken gebildet. Zu diesem Zeitpunkt kann sich auch Ausfluss aus der Vagina zeigen, der mitunter auch blutig sein kann. Auch das Genitale steht in dieser Phase unter Östrogeneinfluss und ist entsprechend stärker durchblutet und reicher an Flüssigkeitseinlagerungen und die Brustdrüse kann leicht angeschwollen sein.

An die Minipubertät des Säuglingsalters schließt sich eine längere hormonelle Ruhephase an, die erst mit dem Einsetzen der Pubertät endet.

Im Grundschulalter haben die Körperproportionen eines Mädchens schon große Ähnlichkeit mit denen einer Frau. Größe und Gewicht nehmen im Grundschulalter relativ gleichmäßig zu: vier bis sechs Zentimeter pro Jahr. Der Entwicklungsstand kann anhand der Knochenbildung festgestellt werden. Die Ausbildung des Handwurzelknochens gibt Auskunft über das Knochenalter (Längenwachstum) und kann zur Feststellung von Groß- oder Kleinwuchs herangezogen werden.

Während der gesamten Kindheit sind die weiblichen Geschlechtsorgane in Ruhepause (hormonelle Ruhephase) – d.h. es findet keine Östrogenbildung statt. Auch das Genitale steht daher in dieser Zeit unter keinem Östrogeneinfluss. Das Gewebe der Scheide und der Schamlippen ist sehr dünn und letztere sind nicht fettunterpolstert. Während der hormonellen Ruhephase ist kein Ausfluss (Fluor vaginalis) vorhanden. Tritt dieser auf oder es kommt zu Blutungen aus der Vagina, muss dies medizinisch abgeklärt werden.

Auch die Größe der Gebärmutter verharrt während der Ruhephase unverändert (2 bis 3cm). Die Eierstöcke, die bei der Geburt eine wurstförmige Gestalt haben, haben sich im Verlauf des 1. Lebensjahrs verkürzt und bleiben dann in diesem Zustand. Bei der Geburt sind in den Eierstöcken 1-2 Mio Eibläschen (Follikel) vorhanden, bis zum Zeitpunkt der Menarche sinkt ihre Zahl auf ca. 400 000. (Quelle: Patricia G. Oppelt/ Helmuth-Günther Dörr (Hrsg.), Kinder- und Jugendgynäkologie)

Weibliche Hormone wirken auf Organe und Gewebe

Der Aufbau der obersten Zellschicht der Scheide (das Scheidenepithel) und ihre Flora (Vaginalflora) hängen von der Konzentration der im Blut zirkulierenden Östrogene ab und verändern sich entsprechend in den verschiedenen Lebens- und Zyklusphasen. Sichtbar wird dies im Abstrich des Scheidenepithels, der unter dem Mikroskop betrachtet werden kann (Im Kindesalter sind Abstrichuntersuchungen jedoch nur bei dringendem Abklärungsbedarf vorgesehen). Da während der Kindheit die hormonelle Ruhepause besteht, ist die Scheidenschleimhaut dünner, verletzlicher und anfälliger für Infekte. Für das Auftreten von Infekten spielt der pH-Wert der Scheidenschleimhaut eine entscheidende Rolle. Er ist während der Kindheit höher (physiologisch neutraler Wert, pH 6,5 - 7) als im Erwachsenenalter, weil in der Vaginalflora von Kindern weniger Laktobazillen vorkommen als in der Vaginalflora von erwachsenen Frauen.

Der unterschiedliche Östrogenspiegel während der verschiedenen Alters- und Entwicklungsstufen des Mädchens wirkt sich auch auf den Zustand des Jungfernhäutchens (Hymen) aus. In der Kindheit ist es gespannt und fest, während es in der Pubertät weich und flüssigkeitsreich ist.

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Pubertät - Entwicklung zur Frau

Mit der Jugendzeit entwickelt sich das Mädchen zur erwachsenen Frau. Während dieser Entwicklungsphase finden starke Veränderungen statt: Der Körper wird umgestaltet, die Persönlichkeit entwickelt sich weiter und auch im Gehirn finden verschiedene Veränderungen statt.

Die psychischen und psychosozialen Entwicklungen werden unter dem Begriff Adoleszenz zusammengefasst. Das der Adoleszenz zugeordnete Alter wird in verschiedenen Kulturen unterschiedlich aufgefasst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert diese Periode als Lebensphase zwischen 10 und 20 Jahren.

Die vielfältigen biologischen Veränderungen samt der Ausbildung der so genannten sekundären Geschlechtsmerkmale, welche die Geschlechtsreife signalisieren, werden als Pubertät bezeichnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die biologischen, die psychischen und die psychosozialen Veränderungen allerdings oft undifferenziert mit dem Begriff „Pubertät“ beschrieben. Die ersten Anzeichen dieser körperlichen Reifung können heutzutage bei Mädchen schon mit acht Jahren auftreten.

Pubertät

Die Geschlechtsreifung, d. h. die Entwicklung vom Mädchen zur geschlechtsreifen Frau, findet in der Pubertät statt. Sie beginnt normalerweise im Alter zwischen 8 und 13,5 Jahren. Gesteuert wird sie von Hormonen, die im Hypothalamus, in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und in den Eierstöcken produziert werden (Hypothalamus-Hypophysen-Eierstock-Regelkreis). Follikel in den Eierstöcken beginnen - angeregt durch das FSH des Hypophysenvorderlappens - Östrogene zu bilden. Die Östrogene werden in das Blut ausgeschüttet und regen das Wachstum und die Reifung der Geschlechtsorgane an. Auf Grund von Störungen des Hypothlamus-Hypophyse- Ovar- Regelkreis kann die Pubertät vorzeitig oder auch verspätet stattfinden.

Verschiedene Faktoren nehmen unterschiedlich starken Einfluss auf Verlauf und Ausprägung der Pubertät - darunter genetische Faktoren, Umweltfaktoren, der Ernährungszustand und Fettanteil des Körpers sowie die körperliche und emotionale Gesundheit.

Die langsam einsetzende Entwicklung der Schambehaarung (Pubarche) sowie die Brustentwicklung (Thelarche) sind oft die ersten Anzeichen einer beginnenden Pubertät und können schon mit acht Jahren auftreten. Ungefähr ein bis eineinhalb Jahre vor der ersten Regelblutung tritt bei Mädchen der sogenannten „Weißfluss“ mehr oder weniger ausgeprägt auf. Östrogenbedingt kommt es zu einer generellen Durchfeuchtung des Gewebes der Scheide und zu einer verstärkten Absonderung eines wässrigen oder weißlich-gelben Fluors vom Muttermund. Dieser Weißfluss hat einen leicht joghurtähnlichen Körpergeruch, riecht also nicht unangenehm. Im Slip zeigt sich meist ein weißlich-brüchiger Film des angetrockneten Ausflusses. 

Es handelt sich beim Weißfluss um ein ganz normales Entwicklungszeichen!

Eine ärztliche Abklärung sollte nur dann erfolgen, wenn es neben Ausfluss gleichzeitig zu einem Jucken oder Brennen in oder an der Scheide kommt, oder der Geruch des Ausflusses als unangenehm empfunden wird. Dies könnten Anzeichen von Entzündungen zeigen – etwa durch Pilze oder Bakterien.

Die erste Regelblutung (Menarche) setzt ungefähr eineinhalb bis zwei Jahre nach der Pubarche/Thelarche ein - durchschnittlich mit 12,8 Jahren. Zwei- bis drei Jahre nach der ersten Regelblutung treten regelmäßige ovulatorische Zyklen auf. Zu diesem Zeitpunkt haben auch die Gebärmutter und die Scheide ihre ausgewachsenen (adulte) Form und Größe erreicht und das Körperwachstum ist zu 98 % abgeschlossen. Das Mädchen hat damit die volle körperliche Geschlechtsreife erreicht, kann Geschlechtsverkehr ausüben und eine Schwangerschaft ohne große Probleme austragen.

Bei früher Geschlechtsreife kann somit ein Mädchen schon mit 12 bis 13 Jahren ausgereift sein und ein Kind austragen.

Eine vorzeitige oder verfrühte Pubertät (Pubertas preacox) liegt vor, wenn sich vor dem 8. Geburtstag die Brust entwickelt oder Schambehaarung auftritt und/oder die Menarche vor dem 9. Geburtstag einsetzt.

Die Psychosexuelle Reife kommt meistens erst zu einem späteren Zeitpunkt als die Geschlechtsreife. Hierfür muss sich eine Jugendliche mit ihren körperlichen Veränderungen auseinandersetzen und diese für sich akzeptieren. Als wichtige Entwicklungsaufgaben gelten die Herausbildung der eigenen sexuellen Identität und die Integration dieser Sexualität in die eigene Persönlichkeit.

Wichtige Aspekte der psychosexuellen Reife sind auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der Sexualität, der Schutz vor ungewollten Schwangerschaften sowie vor sexuell übertragbaren Erkrankungen.

In der Pubertät verändert sich der eigene Körper sehr stark, was bei vielen Teenagern Verunsicherungen entstehen lässt. Schönheitsideale und Wertvorstellungen hinterlassen Mädchen und jungen Frauen oft ein Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Körper oder die Angst nicht „normal" zu sein. Dies kann zu lebenslangen Problemen mit der eigenen Sexualität führen. Umso wichtiger sind daher vertrauliche Gespräche mit den Bezugspersonen oder mit Freundinnen, damit junge Mädchen lernen, ihren eigenen Körper zu verstehen und zu akzeptieren.

Quellen


Autor/Autoren: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Birgit Delisle

Letzte Bearbeitung: 04.04.2018

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