Infektionserkrankungen während der Schwangerschaft

Infektionserkrankungen während der Schwangerschaft möglichst vermeiden

Eine Reihe von Krankheitserregern ist in der Lage, die Entwicklung des Ungeborenen zu beeinträchtigen. Grundsätzlich sollte sich eine schwangere Frau von Menschen mit ansteckenden Krankheiten oder Symptomen wie hohem Fieber fernhalten. Besonders, wenn die eigentliche Erkrankung nicht bekannt ist, besteht Grund zur Vorsicht. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar hoch, dass es sich „nur" um eine Erkältung handelt. Dies ist für Schwangere und ihr Ungeborenes in den allermeisten Fällen harmlos. Doch es gibt auch Hinweise, dass bei Müttern, die in der Frühschwangerschaft über längere Zeit hohes Fieber hatten, die Fehlbildungsrate leicht erhöht ist. Weiterhin werden durch Fieber Wehen ausgelöst. Schützen Sie sich deshalb soweit möglich vor einer Ansteckung und stärken Sie durch eine gesunde Lebensführung Ihre Abwehrkräfte. Lassen Sie vor der Schwangerschaft den Impfausweis überprüfen und alle Impflücken schließen.

Röteln

Insbesondere in der embryonalen Phase besteht das Risiko für Fehlbildungen des Herzens oder des Gehirns, Einschränkungen der Seh- oder Hörkraft beim Baby. Bei einer Ansteckung nach der 18. Schwangerschaftswoche ist die Gefahr auf eine Fehlbildung deutlich reduziert. Wenn nicht zwei Rötelnimpfungen oder Röteln-Immunität nachgewiesen werden kann, wird zu Beginn der Schwangerschaft der Röteln-Titer durch eine Blutuntersuchung geprüft.

Grippe

Eine Influenza ist eine schwere Erkrankung, vor allem für Menschen mit einer abgeschwächten Immunabwehr wie Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, Menschen, die an Krankheiten leiden oder Arzneimittel einnehmen, die das Immunsystem schwächen, und für Ältere. Ausführliche Informationen im Artikel „Impfung gegen Grippe (Influenza) in der Schwangerschaft“.
Schwangeren soll nach Mutterschaftsrichtlinien die Impfung gegen Influenza empfohlen werden.

Windpocken

Bei Erkrankung im ersten Schwangerschaftsdrittel kann eine Windpockeninfektion in seltenen Fällen zum sogenannten angeborenen Varizellensyndrom (CVS) führen. Es kommt zu charakteristischen Fehlbildungen der Gliedmaßen, der Augen, des Gehirns und der Haut.

Parvovirus B19 (Ringelröteln)

Bei Verdacht auf Infektion muss das Baby zur Erkennung eines Hydrops fetalis engmaschig untersucht werden. Ein Hinweis auf eine akute Erkrankung kann bei Erhöhung des AFP-Wertes bei der Mutter bestehen. Die Erkrankung ist während des zweiten Schwangerschaftsdrittel besonders problematisch, da sich in dieser Zeit die fetalen roten Blutkörperchen bilden. Bei einer Virämie durch Ringelröteln können sich die roten Blutkörperchen auflösen. Das Kind kann bereits vor der Geburt durch Transfusion von roten Blutkörperchen handelt werden.

Masern

Masern sind eine schwere Infektionskrankheit, die in der Schwangerschaft zu problematischen Komplikationen wie hohem Fieber und schwerer Lungenentzündungen führen kann. Im Rahmen einer Ansteckung mit Masern während der Schwangerschaft kommen bis zu 25% der Babys zu früh zur Welt.
Wenn die Infektion sehr spät in der Schwangerschaft auftritt, so kann das Baby mit Masern geboren werden. Da Neugeborene noch kein ausgereiftes Immunsystem haben, können diese Erkrankungen lebensbedrohlich verlaufen. Fehlbildungen durch eine Maserninfektion sind nicht zu befürchten. Deshalb besteht keine Veranlassung für eine pränatale Diagnostik oder einen Schwangerschaftsabbruch, wenn eine Infektion während der Schwangerschaft auftritt. Das gilt übrigens auch für Masernimpfungen, die versehentlich in einer frühen Phase der Schwangerschaft durchgeführt werden.

Mumps

Die Wahrscheinlichkeit einer Mumpserkrankung in der Schwangerschaft ist gering. Dies liegt daran, dass die meisten Frauen bereits gegen den Erreger immun sind. Erfolgt dennoch eine Ansteckung während des ersten Drittels, kann sich das Fehlgeburtsrisiko leicht erhöhen. Auf Fehlbildungen des Kindes gibt es keine Hinweise.

Hepatitis

Es ist zu unterscheiden zwischen Hepatitis A, B und C. Ansteckung mit einer Hepatitis A erfolgt in der Regel bei Reisen in Gegenden mit schlechten hygienischen Bedingungen durch Schmierinfektion. Besondere Gefahr besteht durch verunreinigtes Trinkwasser, Muscheln und alle Produkte, die mit Wasser und Fäkalien in Kontakt kommen. Bei Reisen in entsprechende Gebiete wird eine kombinierte Impfung gegen A und B empfohlen. Es liegen Hinweise auf eine Erhöhung des Frühgeburtsrisikos vor, insbesondere bei schweren Verläufen von Hepatitis A im letzten Drittel der Schwangerschaft. Die beiden anderen Hepatitis-Formen (B und C) sind durch Austausch von Körperflüssigkeiten (ungeschützter Geschlechtsverkehr; gemeinsam benutzte Injektionsnadeln, Verletzungen) übertragbar. Eine Erkrankung zieht meist eine chronische Erkrankung der Leber nach sich. Es besteht die Gefahr der Ansteckung des ungeborenen Kindes während Schwangerschaft (über die Plazenta) oder der Geburt (Blutaustausch). Fehlbildungen sind nicht zu erwarten. Jedoch geht eine Infektion mit Hepatitis B mit Fehlgeburtsrisiko und niedrigem Geburtsgewicht sowie einer Leberentzündung des Fetus einher. Schwangere werden nach der 32. Woche standardmäßig auf eine Hepatitis-Infektion untersucht. Ist die Mutter erkrankt, wird versucht, das Kind durch Impfung bei der Geburt vor Ansteckung zu schützen. Eventuell wird eine Behandlung des Kindes notwendig, um Schädigungen durch das Virus zu verhindern.

Zytomegalie-Infektion

Erreger ist ein Virus der Herpesfamilie (Zytomegalievirus), das nach einer Erstinfektion in den Körperzellen bleibt. Es handelt sich bei der Zytomegalie um die häufigste übertragene vorgeburtliche Erkrankung.

Herpes-Infektion

Herpes-Viren verursachen eine Vielzahl von Krankheitsbildern. Die bekannteste und weitverbreitetste Form ist der Lippenherpes (durch den Herpes-simplex-Virus Typ I). Auch Windpocken (Varizellen-Zoster-Virus), Gürtelrose (Herpes zoster), Pfeiffersches Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus) und die Zytomegalie gehören zu den durch Herpes-Viren ausgelösten Erkrankungen. Für Schwangerschaftsverlauf und Geburt hat der Lippenherpes praktisch keine Bedeutung. Bei den sexuell übertragbaren Herpesformen (Genitalherpes, Herpes-simplex-Virus Typ II) besteht die Gefahr einer Fehlgeburt oder einer Ansteckung und schweren Erkrankung des Neugeborenen.

Lyme-Borreliose

Eine Ansteckung mit Borrelien erfolgt beispielsweise über einen Zeckenstick. Borrelien sind Bakterien; eine Infektion muss unverzüglich mit Antibiotika (Penicillin; bei Allergie Erythromycin) behandelt werden. Zum Nachweis einer Ansteckung des Ungeborenen dient die Antikörperbestimmung im Nabelschnurblut oder der Nachweis in der Plazenta.

Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME)

Diese Virus-Infektion wird durch Zecken übertragen. In seltenen Fällen kommt es nach der Infektion zu Hirn- und Hirnhautentzündung. Folgeschäden können Lähmungen sein, in schweren Fällen endet die Erkrankung tödlich. Eine Ansteckungsgefahr bei Erkrankung der Mutter scheint für das Kind im Mutterleib nicht zu bestehen.

Geschlechtskrankheiten

Zu den Geschlechtskrankheiten, die für das Baby in der Schwangerschaft und nach der Geburt gefährlich sind, gehören Genitalherpes und Syphilis sowie das HI-Virus (Krankheitsbild AIDS). Infektionen mit Chlamydien können Gründe für eine Fehlgeburt sein.

B-Streptokokken-Infektion

Streptokokken sind Bakterien, die in verschiedene Stämme unterteilt werden. Die jeweiligen Stämme können unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen, wie beispielsweise eine Angina oder Scharlach. Während der Schwangerschaft sind Streptokokken der Gruppe B bedeutsam, da sich das Kind bei der Geburt unter Umständen folgenschwer damit infizieren kann.

Streptokokken der Gruppe B besiedeln den Genital- und Afterbereich und können von dort in die Gebärmutter aufsteigen. Solange sich das Kind in der geschlossenen Fruchtblase befindet, ist es vor den Bakterien geschützt. Öffnet sich jedoch die Fruchtblase im Verlauf der normalen Geburt oder auch infolge einer anderen Infektion, kann sich das Kind mit Streptokokken infizieren. Etwa die Hälfte bis zwei Drittel aller Babys von Müttern, die eine Streptokokken-Infektion im Genital- und Afterbereich haben, infizieren sich ihrer Geburt. Ein bis zwei von 100 dieser Kinder erleiden eine sogenannte Neugeborenensepsis, die unterschiedliche Verläufe haben kann.

Bei der Frühform entwickeln sich beim Kind innerhalb der ersten Lebenswoche (oft bereits am ersten Tag) eine Lungenentzündung und eine Sepsis. In selteneren Fällen können sich die Hirnhäute, das Knochenmark und die Gelenke entzünden und betroffene Babys können auch daran sterben. Auch sind Langzeitfolgen, die das zentrale Nervensystem betreffen, möglich. Bei der Spätform kommt es zwischen der 2. Lebenswoche und dem 3. Lebensmonat meist zu einer Hirnhautentzündung. Diese lässt sich, wenn sie rechtzeitig erkannt wird, relativ gut mit Antibiotika behandeln. Diese Kinder tragen oft keine bleibenden Schäden davon und werden wieder gesund.

Routinemäßiges Screening nicht Bestandteil der Schwangerenvorsorge nach Mutterschaftsrichtlinien
Unter medizinischen Gesichtspunkten kann es sinnvoll sein zu wissen, ob eine Schwangere in den letzten Schwangerschaftswochen mit B-Streptokokken infiziert ist oder nicht. In der gültigen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe wird zu einem Screening aller Schwangeren in der 36. Schwangerschaftswoche geraten. Derzeit ist ein solches Screening aber nicht Teil der Mutterschaftsrichtlinien und daher auch keine Kassenleistung. Nur bei bestimmten Risikokonstellationen (z.B. Frauen, die vor der 37. Woche entbinden, Blasensprung viele Stunden im Vorfeld eigentlichen Geburt) wird der Test als Kassenleistung durchgeführt. Schwangere Frauen ohne besondere Risiken können den Test als so genannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in Anspruch nehmen, müssen ihn dann jedoch selbst bezahlen (ca. 30 Euro).

Schwangere, bei denen eine B-Streptokokken-Besiedelung im Anogenitalbereich nachgewiesen wurde, erhalten unter der Geburt eine single-shot Antibiose, die Mutter und Kind gleichzeitig behandelt. Um auszuschließen, dass sich ein Neugeborenes infiziert hat, wird es nach der Geburt besonders beobachtet, um mögliche Symptome (z.B. Temperaturanstieg, niedriger Blutdruck, außergewöhnliche Herz- oder Atemfrequenz, auffälliger Gesamtzustand, Anstieg von Entzündungsparametern im Blut) festzustellen. Frauen, bei denen während der Schwangerschaft Streptokokken der Gruppe B festgestellt wurden, wird daher eine Entbindung im Krankenhaus empfohlen.

Zika-Virus

Als Hauptüberträger gilt die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die in allen tropischen und einigen subtropischen Gebieten der Welt vorkommt. In einigen Fällen wurde das Virus auch von Mensch zu Mensch auf sexuellem Weg übertragen - meist von Männern auf Frauen.
Typische Symptome einer Zika-Infektion sind Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und mitunter Fieber.
Eine Infektion - insbesondere im ersten Drittel einer Schwangerschaft - kann beim Fötus zu Mikrozephalie und anderen Fehlbildungen des Gehirns führen. Kinder mit Mikrozephalie werden mit einem besonders kleinen Kopf geboren, oft verbunden mit geistiger Behinderung und anderen schwerwiegenden neurologischen Störungen.

Autor/Autoren: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Doris Scharrel

Letzte Bearbeitung: 21.03.2018

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