Probleme beim Stillen

Stillprobleme können Gründe für ein vorzeitiges Abstillen sein. Betroffene Frauen sollten sich zeitnah an ihren Frauenarzt wenden oder eine Stillberaterin oder Hebamme um Rat fragen.

Milchmangel - zu wenig Milch

Milchmangel ist einer der Hauptgründe, die Frauen dazu bewegen, abzustillen.

Zu wenig Milch für das Kind bilden zu können ist einer der Hauptgründe, die Frauen bewegen, abzustillen. Wenn das Grundbedürfnis des Kindes nicht erfüllt werden kann, fühlen sich Frauen unwohl und inkompetent in ihrer neuen Rolle und geben ohne Unterstützung und Klärung der Ursachen dann das Ziel ihr Kind mit Muttermilch zu ernähren auf. Nicht selten jedoch ist es nur ein scheinbarer Milchmangel, der Frauen zum Abstillen bringt.

Oftmals besteht ein Informationsdefizit hinsichtlich eines normalen Stillverhaltens oder der richtigen Stilltechnik. Ein gutes Gedeihen bei ausreichender Milchproduktion ist erkennbar am häufigen Stillen (mindestens 8 bis 12 Mal in 24 Stunden), daran, dass die Brust nach dem Stillen weicher ist, an mindestens  6 nassen Windeln in 24 Stunden ab dem 4. Tag nach der Geburt, an 3 bis 4 Mal Stuhlgang pro 24 Stunden in den ersten 4 Wochen nach der Geburt und an der ausreichenden Gewichtsentwicklung (s.o.). Außerdem wirkt das Baby aufgeweckt mit gutem Muskeltonus und glatter Haut. Satte Kinder können Unruhe zeigen, Ursache dafür sind häufig Reizüberflutung und keine Möglichkeit, sich an das Leben zu adaptieren.

Zu beachten sind auch die Wachstumsschübe im Alter von etwa 2 bis 3 Wochen, von 6 Wochen und von 3 Monaten. In dieser Zeit stillt das Baby oft plötzlich häufiger als vorher, so dass sich die mütterliche Milchproduktion anpasst. Außerdem stillen Babys manchmal gern häufig in kurzer Zeit („Clusterfeeding"), z.B. wenn das Baby nach der Arbeit bei der Mutter ist, und vor allem abends.
Reglementierte Stillzeiten, kein nächtliches Stillen, zu lange Pausen, zusätzliche Gabe von Flüssigkeiten, Tee oder Säuglingsnahrung, eine falsche Anlegetechnik oder Saugprobleme des Kindes können Ursache für eine zu geringe Milchbildung sein. In manchen Fällen führen anatomische Fehlstellungen im Kieferbereich, z.B. ein stark verkürztes Zungenbändchen, dazu, dass der Säugling nicht richtig saugen kann, so dass das Zungenbänchen durchtrennt werden muss - ein einfacher Eingriff, den in der Regel ein Kinderarzt durchführen kann.

Seltener sind ein komplikationsreicher Geburtsverlauf, ein Ernährungsdefizit der Frau, Medikamenteneinnahme oder eine Krankheit des Kindes der Grund für zu wenig Milch. Auch mangelnde Ruhezeiten oder Lärmbelastung (TV, Familienlärm etc.) während des Stillvorgangs können ursächlich sein.

Zunächst sollte man gemeinsam mit der Gynäkologin/ dem Gynäkologen, der betreuenden Hebamme und der Stillberaterin die Ursache für den Milchmangel ergründen, um gezielt Abhilfe schaffen zu können. Vielleicht hilft bereits die Erhöhung der Stillfrequenz - ggf. mittels Milchpumpe-, die Verlängerung der Stillzeiten oder eine Änderung der Stillposition.

Als milchbildende Mittel gelten Bockshornkleesamen (Phenum Grecum), Malzbier, Geißraute Tee, Nahrung mit hohem Kohlenhydrat- und Vitamin B-Gehalt (z.B. Vollkorngetreideprodukte, Kartoffeln) sowie Oleum Laktagogum zum Einreiben der Brüste. Homöopathische Mittel können ebenfalls helfen.

Initiale Brustdrüsenschwellung

Schmerzhafter Milchstau oder wunde Brustwarzen: Am Anfang können beim Stillen oft Schwierigkeiten auftreten, die sich aber meist gut in den Griff bekommen lassen.

Eine initiale Brustdrüsenschwellung tritt meist in den ersten Tagen nach der Geburt auf. Ursache hierfür ist vermutlich eine Störung im Bildungsprozess zur reifen Muttermilch, auch Galaktogenese II genannt. Fehlendes frühes, zu kurzes (zeitlich begrenztes) und seltenes Anlegen sowie frühes Zufüttern sind als weitere Faktoren bekannt, deren Vermeidung eine wichtige Prophylaxe für Probleme bei der initialen Brustdrüsenschwellung darstellt. Außerdem neigen Mütter mit Brustimplantaten zu diesem Problem.
Wenn die Milchbläschen (Alveolen) nicht entleert werden, kann es zu einem Stau im Brustgewebe kommen, der zu ödematösen Schwellungen der Brustwarze bzw. der gesamten Brust führen kann. Der Warzenhof ist flach ausgezogen, die Brust ist gerötet und es findet kein Milchfluss statt. Gelegentlich tritt kurzzeitig Fieber auf.

Abhilfe schafft eine Kühlung mit Coolpacks (nur mit Unterlage auf die Haut legen!), Quarkauflagen (unter Freihaltung des Warzenhofs) oder Weißkohlauflagen. Mit einer vorsichtigen Lymphmassage in Richtung der Lymphabflusswege (Reverse- Pressure- Softening Methode) kann die Schwellung besonders im Bereich des Warzenvorhofs verringert werden. Dies ist wichtig, weil das Baby sonst nur schlecht an der Brust saugen kann. Die Massagen sollten nur nach Anleitung durch eine darin erfahrene Person erfolgen, da sonst z.B. durch zu viel Druckanwendung Schaden angerichtet werden kann! Die regelmäßige Entleerung der Brust möglichst durch das Baby ist unbedingt erforderlich, um die weitere Milchbildung und die Abschwellung des Brustgewebes zu erreichen.

Milchstau

Milchstau kann während der ganzen Stillzeit auftreten, vor allem aber in den ersten drei Wochen.
Als Ursachen sind bekannt:

  • Ein fehlender Milchspendereflex, beispielsweise durch Stress oder Schlafentzug
  • Eine mechanische Behinderung bei der Entleerung, meist durch Stöße oder Druck auf einzelne Milchgänge bzw. Verstopfung der Milchgänge. Hierfür reicht ein zu enger Still-BH, ein einschnürender Rucksack bzw. einschnürendes Tragetuch.
  • Manchmal wird die Brust durch eine falsche Technik oder zu seltenes / zu kurzes Anlegen nicht vollständig entleert.
  • Äußerst selten: eine übermäßige Milchproduktion.

In Folge des Milchstaus kommt es zu schmerzhaften Schwellungen und Rötungen der Brust, in einzelnen oder mehreren Bereichen, die gelegentlich mit Fieber (Milchfieber) einhergehen.

Auch bei dem Milchstau ist die Vermeidung der eigentlichen Erkrankung die wesentliche Maßnahme. So führen die korrekte Anlegetechnik, das Stillen nach Bedarf sowie das Erlernen von Entspannungstechniken zu einer nachweisbaren Reduktion der Häufigkeit eines Milchstaus.

Die Behandlung hat das Ziel, die Brust möglichst häufig und vollständig zu entleeren. Nach Anwendung von feuchter Wärme wird das Kind angelegt, möglichst mit dem Kinn im Bereich des gestauten Bezirkes. Wenn das nicht möglich ist, wird die Milch abgepumpt 5 bzw. 10 Minuten nach Auslösung des Milchspendereflexes z.B. durch eine Massage nach Plata-Rueda. Der Abfluss der Milch aus dem gestauten Bereich wird nötigenfalls durch Öffnen des verstopften Milchgangs an der Brustwarze mit Hilfe einer sterilen Kanüle ermöglicht oder durch sanftes Ausstreichen. Dies sollte nur eine darin erfahrene Person durchführen, da bei Anwendung von zu viel Druck die Gefahr einer Brustgewebeschädigung mit nachfolgender Abszessbildung besteht! Vorab wird meist ein Schmerzmittel, ggf. mit entzündungshemmender Wirkung, gegeben. Kühlen in den Anlegepausen kann ebenso hilfreich sein wie die Anwendung homöopathischer und pflanzlicher Mittel sowie von Akupunktur.

Infektiöse Brustdrüsenentzündung

Diese Erkrankung tritt zu 98% in den ersten drei Monaten nach der Geburt, vor allem in der zweiten bis dritten Woche auf.

Ganz überwiegend wird die Entzündung durch den bakteriellen Erreger Staphylococcus aureus verursacht, der durch kleinste Verletzungen an den Brustwarzen eintritt. Das Bakterium wird in der Regel aus dem Rachen- oder Nasenraum anderer Personen durch mangelnde Händehygiene übertragen. Die Mutter ist seltener die Überträgerin ihrer Keime, da sie dem Kind vor der Geburt ihre spezifischen Antikörper als Nestschutz überträgt. Außerdem ist dies mit der abwehrstärkenden Eigenschaft der Muttermilch zu erklären.

In seltenen Fällen bieten Pilzinfektionen an den Brustwarzen einen Nährboden für Entzündungen.
Symptome sind schmerzhafte, gerötete und überwärmte Gebiete der Brust, Fieber und Abgeschlagenheit.

Therapiert wird mit Bettruhe, ausreichender Flüssigkeitszufuhr für die Mutter sowie unterstützenden Maßnahmen wie bei einem Milchstau, um die Brust vollständig zu entleeren. Es ist wichtig zu wissen, dass eine Veränderung der Flüssigkeitsmenge, die die Mutter trinkt, nicht die gebildete Milchmenge beeinflusst. Eine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr in der Vorstellung, so die Milchmenge und damit die Brustschwellung zu reduzieren, ist falsch.

Außerdem ist meist die Gabe von (entzündungshemmenden) Schmerzmitteln und Antibiotika, die vor allem gegen Staphylococcen wirksam sind, über mindestens 7 bis 10 Tage angezeigt.
In sehr seltenen Fällen, z.B. bei einer akuten beidseitigen Entzündung, kann eine kurze Stillpause unter Abpumpen und Entsorgen der Muttermilch, erwogen werden. Vollständiges und abruptes Abstillen erhöht dagegen die Gefahr von Stauungen. Die Keime sind in der Regel bei Diagnosestellung bereits auf das Baby übertragen und meist unkritisch. 

Abszess der Brust

Bei etwa 4 bis 11% der Frauen mit einer Mastitis entsteht ein Abszess. Meistens sind diese oberflächlich und in der Nähe der Brustwarze zu finden. Gelegentlich sind tiefer gelegene Bereiche betroffen, was durch eine Sonografie recht gut diagnostizierbar ist.

Therapie der Wahl ist in der Regel die Entleerung der Abszesshöhle mittels einer Punktion unter lokaler Betäubung, die meist mehrfach wiederholt werden muss. Außerdem wird ein staphylococcenwirksames Antibiotikum über mindestens   10 Tage gegeben.

In schweren Fällen erfolgt eine Operation unter Vollnarkose, bei der die Abszesshöhle gespalten und entleert wird, um alle Abszesskammern zu zerstören. Danach erfolgt eine tägliche Spülung mit steriler Kochsalzlösung für kurze Zeit. Eine begleitende Antibiotikatherapie entsprechend der Resistenzprüfung der ursächlichen Keime zur Behandlung des umliegenden Brustdrüsengewebes ist zu empfehlen bis zum Verschwinden der Entzündungszeichen.

Wenn es möglich ist, erfolgen die Eingriffe so, dass weiter gestillt werden kann.

Wunde Brustwarzen

Ein Drittel der stillenden Frauen klagt über wunde Brustwarzen

30% der stillenden Frauen klagen über wunde Brustwarzen. Zu Beginn der Stillzeit sind die Brustwarzen empfindlich, was auf die neue mechanische Belastung des Gewebes zurückzuführen ist. Nach einiger Zeit wird das Gewebe elastischer und der Milchspendereflex setzt rascher ein, so dass die Sensibilität wieder sinkt.

Bestehen Schmerzen zusammen mit Rötungen, Schwellungen, Hautabschürfungen oder anderen kleinen Hautveränderungen, sollte der Ursache auf den Grund gegangen werden, denn Verletzungen der Haut können zu einer infektiösen Brustentzündung führen.

Meist ist falsches Positionieren und nicht korrektes Saugen des Kindes für die Irritation der Brustwarzen verantwortlich. Liegt das Kind falsch, verformt es mit seinem Mund die Brustwarze und klemmt sie im Kiefer ein. Manchmal führen anatomische Besonderheiten bei der Mutter (z.B. Hohlwarzen) oder dem kindlichen Gaumen zu falscher Saugtechnik. Letztlich kann abruptes Lösen des Kindes von der Brust zu einer Schädigung führen.

Sehr selten sind wunde Brustwarzen bei Müttern mit depressiver Stimmung oder unsicherem Stillwunsch zu finden, die auf ein psychosomatisches Problem hindeuten.

Die einzige Vorsorge und Therapie besteht in korrektem Positionieren und Abnehmen des Babys von Anfang an. Häufiges Wechseln der Position belastet das Gewebe gleichmäßig. Stillhütchen sollten nur in sehr begrenzten Fällen eingesetzt werden, beispielsweise wenn die Brustwarze so verletzt ist, dass Stillen anderenfalls überhaupt nicht möglich wäre. Stillhütchen senken die Milchabgabe und können das Saugverhalten des Säuglings irritieren.

  • Wunde Brustwarzen, die mit einer Infektion einhergehen, müssen ggf. medikamentös behandelt werden.
  • Mit einer lokalen Behandlung kann man den Heilungsprozess unterstützen: 
  • Händedesinfektion und Reinigung der Brustwarze mit pH-neutraler Seifenlösung
  • Einen Tropfen Hintermilch auf der Brustwarze antrocknen lassen.
  • Förderung der feuchten Wundheilung durch einen Salbenverband mit hochgereinigtem Lanolin oder Multimam-Kompressen.
  • Keine anderen Salben auftragen. Sie könnten das Brustgewebe oder sogar das Kind schädigen, das gilt besonders für Paraffin haltige Mittel.
  • Trockene saubere Stilleinlagen verwenden.
  • Kühles Wasser kann nach dem Stillvorgang die Beschwerden lindern.

Bei sehr heftigen Schmerzen ist eine Anlegepause auf der betroffenen Seite denkbar. In diesem Fall ist es wichtig, die Brust so häufig - wie sonst gestillt wurde - manuell oder durch Pumpen zu leeren. Bluthaltige Milch ist kein Grund für eine Stillpause. Bei der Verwendung von Pumpen und Stillhilfen ist zu beachten, dass auch diese, unkorrekt positioniert, das Brustwarzen- und Warzenvorhofgewebe beschädigen können. Saugtraining unterstützt das Kind beim korrekten Saugen (z.B. den Mund weit genug zu öffnen und nicht auf der Brustwarze zu kauen).

Pilzinfektion der Brust - Brustsoor in der Stillzeit

Der Pilz Candida albicans kann in der Stillzeit mütterliche Brustwarze und –vorhof befallen und eventuell die kindliche Mundschleimhaut. Diese Infektion ist relativ einfach am Erscheinungsbild zu diagnostizieren. Eine lokale Behandlung der Pilzinfektion ist gut durchführbar, ohne dass das Stillen unterbrochen werden muss.

Deutlich schwieriger ist die Diagnose, wenn Candida die Milchgänge befallen hat. Bis heute gibt es keinen verlässlichen Nachweis des Erregers in der Muttermilch, so dass diese Infektion nur anhand der Beschwerden vermutet werden kann:

  • Brennende, stechende Schmerzen, die von der Brustwarze ausstrahlend durch die Brust und teilweise bis in den Rücken ziehen
  • Die Schmerzen treten besonders in Verbindung mit dem einsetzenden Milchspendereflex auf und können nach dem Stillen Minuten bis Stunden anhalten (die Differentialdiagnose Vasospasmus der Brustwarze ist zu beachten!)
  • Äußerlich oft unauffällige Brustwarze- und -vorhof, manchmal dezente Symptome wie bei oberflächlicher Soor-Infektion

Nach Ausschluss aller anderen Ursachen für die Beschwerden ist eine systemische Behandlung mit einem pilzabtötenden Mittel zu empfehlen, wobei auch während dieser Behandlung weitergestillt werden darf.

Quellen


Autor/Autoren: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Michael Scheele

Letzte Bearbeitung: 23.05.2018

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