Weiblicher Zyklus – Wann sind die fruchtbaren Tage?

Der Zyklus einer Frau unterliegt vielen Schwankungen, die in vielen Informationsmedien hinsichtlich der Bestimmung des Zeitpunktes der Ovulation keine Berücksichtigung finden. Es gibt keine“ Durchschnittsfrau“ mit einem 28 Tage Zyklus und einem Eisprung konkret am 14. Zyklustag. Studien haben gezeigt, dass in der überwiegenden Zahl der Zyklen eine hohe Prozentzahl an Zyklen zwischen 25 und 35 Tagen liegen und zu mehr als 80 % die Zyklen schwanken.

Das Wissen um die fruchtbaren Tage im Zyklus und die Lebensdauer der Spermien im weiblichen Körper sind die Grundlagen für die natürliche Familienplanung NFP. Anhand bestimmter körperlicher Zeichen kann eine Frau feststellen, in welcher Zyklusphase sie sich befindet und ob sie Empfängnis bereit ist. Dafür sind vor allem drei Körpersignale von Bedeutung: Körpertemperatur, die Konsistenz des Schleimes im Gebärmutterhals (Zervixschleim) und der Tastbefund des Muttermundes.

Definition des weiblichen Zyklus

Unter dem weiblichen Zyklus versteht man die wiederkehrenden Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und die gleichzeitig verlaufende Heranreifung einer Eizelle im Eierstock sowie weitere zyklusabhängige Veränderungen des weiblichen Körpers, die durch einen hormonellen Regelkreis gesteuert werden.

Abbildung: Schematische Darstellung des Ovarialzyklus

Zyklusphasen

Der weibliche Zyklus beginnt mit dem 1. Tag der Menstruation und endet mit dem letzten Tag vor der nächsten Blutung. Der dargestellte Zyklus hat eine Länge von 28 Tagen, in dem die Ovulation am 14. Zyklustag stattfindet. Die tatsächliche Zykluslänge variiert von Frau zu Frau bzw. von Zyklus zu Zyklus. Eine Zykluslänge 21 und 35 Tagen gilt als physiologisch, die Ovulation kann entsprechend vor oder nach dem 14. Zyklustag stattfinden. Der Zyklus kann in 4 Phasen eingeteilt werden, wobei sich die Zeitangaben auf den Modellzyklus beziehen.

Desquamationsphase (Menstruationsphase) (1. bis 4. Zyklustag)

In der Desquamationsphase (Menstruationsphase) wird die funktionelle Schicht der Gebärmutterschleimhaut durch den Mangel am Gelbkörperhormon Progesteron synchron abgestoßen und mit ca. 50 ml Blut durch Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur aus dem Gebärmutterkörper über den Gebärmutterkanal entfernt. Aus der zurückbleibenden basalen Schicht der Gebärmutterschleimhaut, die zum Zeitpunkt der Menstruation eine offene Wunde ist, regeneriert sich die funktionelle Schleimhaut in der nächsten Zyklusphase, der Proliferationsphase.

Proliferationsphase (5. bis 14. Zyklustag)

Während der Proliferationsphase bewirkt das follikelstimulierende Hormon FSH die Reifung eines Follikels und der in ihm enthaltenen Eizelle im Eierstock. Gleichzeitig kommt es unter dem Einfluss von Östrogen zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Das Hormon bewirkt außerdem eine Öffnung des Gebärmutterkanals und eine Verflüssigung des Zervixschleims. Zwischen dem 12. und dem 14. Zyklustag wird der Eisprung durch einen Abfall des Östrogenspiegels und einen Anstieg des Follikelstimulierendes Hormons FSH und des Luteotropes Hormons LH  ausgelöst. Der Follikel platzt auf und gibt die Eizelle frei, die dann vom Eierstock in den Eileiter gespült und durch Bewegung der Flimmernhärchen im Eileiter in Richtung Gebärmutter transportiert wird. Durch die gleichzeitige Öffnung des Gebärmutterhalses und durch Verflüssigung des Zervixschleims können Spermien über den Gebärmutterhals und die Gebärmutterhöhle in den Eileiter gelangen. Bei einer Geschwindigkeit von etwa 4 mm/min werden für diesen Weg einige Stunden zum Ort der Befruchtung im Eileiter benötigt.

Findet innerhalb von 24 Stunden keine Befruchtung im Eileiter statt, stirbt die Eizelle ab.

Sekretionsphase (Luteal-oder Gelbkörperphase) (15. bis 28. Zyklustag)

An die Proliferationsphase schließt sich die Sekretionsphase an. Aus dem Follikel, der ehemaligen Hülle der Eizelle entsteht der Gelbkörper, das Corpus luteum. Er produziert unter dem Einfluss von LH das Hormon Progesteron. Dieses führt zum Umbau der Gebärmutterschleimhaut, der Voraussetzung ist, eine befruchtete Eizelle aufzunehmen. Die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut wird durch Bildung von Gefäßen verstärkt, Schleimbläschen und stützende Gewebestrukturen bauen ein“ Bett“ für eine befruchtete Eizelle. Der Gebärmutterskanal (Zervix) verengt sich nach dem Eisprung in der Sekretionsphase, und der Zervixschleim wird fester. Das Gelbkörperhormon Progesteron führt zu einer Erhöhung der Körpertemperatur.

Am Ende der Sekretionsphase kommt es zu einer Rückbildung des Gelbkörpers und dem Abfall des Gelbkörperhormons Progesteron, wenn sich keine befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat.

Autor/Autoren: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Doris Scharrel

Letzte Bearbeitung: 09.07.2018

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