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Geburtsphasen

Als Geburt bezeichnet man den Ausstoß des Kindes aus der Gebärmutter. Dem Beginn der Geburt gehen bestimmte Geburtsanzeichen voraus. Für einen nahen Geburtsbeginn sprechen:

·         Abgehen des Schleimpfropfes vom Gebärmutterhals

·         Blutung

·         Abgang von Fruchtwasser (entweder im Schwall oder tröpfchenweise)

Setzen regelmäßige Wehen ein, spricht man vom Geburtsbeginn. Treten die Wehen alle 5 bis 10 Minuten auf, sollte die werdende Mutter die Einrichtung aufsuchen, in der sie ihr Kind auf die Welt bringen möchte.

Die Spontangeburt ist der naturgegebene Weg eines Kindes, um auf die Welt zu kommen. Die möglichen Risiken einer normalen Geburt sind für das Kind bei der heutigen Schwangerschafts- und Geburtsüberwachung in einer Klinik nur noch sehr gering. Wie eine normale vaginale Geburt verlaufen wird, lässt sich dennoch nie genau vorhersagen. Aufgrund der Geburtsmechanik sind Schädigungen des Beckenbodens, eine Scheiden- oder Gebärmuttersenkung oder auch Verletzungen im Dammbereich im Einzelfall nicht zuverlässig zu vermeiden.

Eine normale Geburt dauert zwischen 4 und 18 Stunden und verläuft in 3 Phasen:

Eröffnungsperiode

Austreibungsperiode mit Pressphase

Nachgeburtsperiode

Eröffnungsperiode

Die Eröffnungsperiode zeichnet sich durch den Beginn regelmäßiger (alle 3 bis 6 Minuten) Wehen aus, welche die Öffnung des Muttermundes bewirken. Das Schmerzempfinden ist individuell sehr unterschiedlich; daher werden auch die Eröffnungswehen unterschiedlich stark schmerzhaft erlebt.

Die Wehen sind koordinierte Kontraktionen der Gebärmutter und werden durch das Hormon Oxytocin gesteuert. Durch die Wehen zieht sich das Muskelgewebe des oberen Gebärmutterhalses immer mehr zusammen, da sich die Muskeln in der Wehenpause nicht wieder auf die ursprüngliche Länge ausdehnen. Diese Kontraktion bewirkt, dass sich die unteren Teile der Gebärmutter immer weiter zurückziehen (Retraktion) und der Muttermund sich öffnet. Der Kopf des Kindes tritt tiefer und Gebärmutterhals (Zervix) und Vagina formen sich zu einem Trichter. Der Gebärmutterhals entfaltet sich (Dilatation) und die Fruchtblase wölbt sich vor. Die Phase endet mit der vollständigen Öffnung des Muttermundes auf etwa 10cm.

Die Eröffnungsphase dauert bei Erstgebärenden zwischen 10 und 12 Stunden, bei Frauen, die bereits Kinder geboren haben (Mehrgebärende) verkürzt sie sich meist auf 6 bis 8 Stunden. Die Zeiten sind aber sehr variabel, viele Frauen empfinden auch die noch unregelmäßigen Wehen als Eröffnungswehen.

Austreibungsperiode

Ist der Muttermund vollständig geöffnet, schließt sich die Austreibungsperiode an. In dieser Phase springt die Fruchtblase, d. h. sie platzt, der so genannte Blasensprung, und das Kind rutscht in den Geburtskanal. Jetzt wird vermehrt das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, was wiederum zu verstärkten Kontraktionen führt. Dieses Übergangsstadium wird meist als der anstrengendste Geburtsabschnitt erlebt.

Die Austreibungsperiode wird in eine frühe Austreibungsphase und eine Pressphase unterteilt. Die frühe Phase dauert bei Erstgebärenden bis zu maximal 2 Stunden, bei Zweitgebärenden bis zu einer Stunde, kann aber auch deutlich kürzer sein.

Die Austreibungsphase beginnt mit dem Eintreten des Kindes in den Beckeneingang. Das Kind vollzieht dann eine Drehung des Kopfes, um - auf dem Weg des geringsten Widerstandes - tiefer in den Geburtskanal zu gelangen. Die letzten Wehen werden als Presswehen bezeichnet. Die Pressphase dauert bei Erstgebärenden in der Regel 30 bis 40 Minuten, bei Zweitgebärenden verkürzt sie sich meist auf 20 bis 30 Minuten. Der Druck, der in der Pressphase durch den Kopf des Kindes auf den Enddarm entsteht, bewirkt bei der Schwangeren natürlicherweise einen Drang zu Pressen. Dieser Drang ist so reflexartig, dass sie sich schwer dagegen wehren kann.

Pressphase

Viele Frauen empfinden es jetzt auch als erleichternd, die Geburt durch aktives Pressen zu unterstützen. Das Köpfchen des Kindes sollte jedoch möglichst bis auf den Beckenboden herunterkommen, bevor die Frau dann - unter Anleitung der Hebamme - zu pressen beginnt. Denn je tiefer der Kopf steht, desto kürzer ist der Weg bis zum Austritt. Das reduziert die Anstrengung der Gebärenden durch allzu viele kraftraubende Presswehen. Zudem sollte die eigentliche Pressphase nicht länger als 30 Minuten dauern, da der Stress für das Kind sonst sehr groß wird. Neuen Studien zufolge scheint das aktive Pressen jedoch keine großen Vorteile zu bringen. Zwar wird die Geburt um durchschnittlich 13 Minuten verkürzt, die Neugeborenen zeigten aber keine besseren Apgar-Werte. Außerdem scheint das aktive Pressen die Wahrscheinlichkeit für eine Schwächung der Beckenbodenmuskulatur und Harninkontinenz  zu erhöhen.

Die Schwangere sollte, wie während der ganzen Geburt, auch in der Pressphase die Möglichkeit haben, sich nach ihren Bedürfnissen zu drehen oder zu bewegen. Optimal ist es allerdings, die Beine an den Körper zu ziehen, um so dem Kopf des Kindes den Durchtritt zu erleichtern. Hebamme oder Arzt wissen, wann der beste Zeitpunkt ist, tief Luft zu holen, die Luft anzuhalten und mitzupressen. Machen Sie sich deren Erfahrung zu Nutze, indem Sie versuchen, den Anweisungen - soweit es geht - zu folgen.

Während der Pressphase kommt es übrigens tatsächlich häufig zum Stuhlgang. Viele Schwangere möchten das nicht und nutzen daher vor dem Geburtsbeginn die Möglichkeit eines Einlaufs zur Darmentleerung. Dagegen spricht sicher nichts, da dies auch die Wehentätigkeit unterstützt und dem Kind Platz macht. Doch sollten Sie auch bedenken, dass dies ein natürlicher Vorgang ist und von den Geburtshelfern, die zudem täglich mit den Vorgängen um die Geburt herum beschäftigt sind, auch so betrachtet wird. Es besteht also kein Grund, sich dafür zu schämen.

Der Kopf erscheint

In der letzten Phase wird das Kind zur Seite gebogen (Deflexion) und mit dem Kopf voran geboren. Den Durchtritt des Kopfes durch den Damm nennt man „Durchschneiden". Hierbei sollte ein ausreichender Dammschutz und evtl. ein Schnitt durch den Arzt erfolgen. Der Dammschnitt wird erforderlich, wenn die mütterlichen Weichteile durch den Kopf so sehr gedehnt werden, dass sie einzureißen drohen. Wird ein Dammschnitt auf der Höhe der schmerzhaften Wehen durchgeführt, nimmt die Frau den Schnittschmerz meist nicht wahr.

Bei der nächsten Wehe erfolgt die Geburt des Kindskörpers nach der Rückdrehung. Das heißt, der Geburtshelfer wird den Kopf, wenn er geboren ist, vorsichtig drehen und senken, sodass die vordere Schulter durchtreten kann. Der Rest des Kindes folgt dann meist problemlos und schnell.

In manchen Kliniken (oder auf Wunsch der Mutter) wird das Kind jetzt direkt auf den Bauch der Mutter gelegt, um ihr den ersten Kontakt zu ermöglichen.

Nachgeburtsperiode

Im Anschluss an die Geburt folgt die Nachgeburtsperiode, nach deren Beendigung die Entbundene Wöchnerin heißt. Eine Geburt ist erst mit der vollständigen Ablösung der Plazenta beendet. Die Plazentageburt oder Nachgeburt erfolgt im Regelfall nach 10 bis 30 Minuten. Dieser Vorgang, einschließlich der Untersuchung der gelösten Plazenta, bedarf wegen möglicher Komplikationen großer Sorgfalt.

Der Mutterkuchen wird auf Vollständigkeit untersucht, da in der Gebärmutter verbleibende Reste unter Umständen zu stärkeren Blutungen, Infektionen oder Wucherungen führen können. Fehlen in der Nachgeburt Zotten oder Eihäute, wird aus diesem Grund unter kurzer Narkose eine Ausschabung (Kürettage) vorgenommen.

Im Anschluss an die Nachgeburt werden mögliche Dammrisse oder ein eventuell durchgeführter Dammschnitt nach lokaler Betäubung genäht. Währenddessen wird das Kind gereinigt und angezogen. Sind Mutter und Kind versorgt, ist es für die Geburtshelfer an der Zeit, sich zurückzuziehen und Eltern und Kind den Raum zu geben, sich in Ruhe kennen zu lernen.

Linderung des Geburtsschmerzes

Für die Schmerzlinderung unter der Geburt stehen heute mehrere Optionen zur Verfügung. Gebärende, die das wünschen, können einerseits während der Geburt intravenös ein Schmerzmittel bekommen. Auch Lachgas (Distickstoffmonoxid), über eine Atemmaske während der Austreibungsphase verabreicht, wird in manchen Kliniken noch verwendet. Beides beeinträchtigt kurzzeitig jedoch das Bewusstsein der Mutter und geht auch auf das Kind über. Deshalb müssen diese Methoden mit Bedacht zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden.

Zum anderen besteht bereits vor der Geburt die Möglichkeit, lokal wirkende Mittel einzusetzen wie etwa eine Periduralanästhesie (PDA) (auch Epiduralanaästhesie (EDA)), eine Spinalanästhäsie oder einen Pudendusblock.

Die Periduralanästhesie (PDA)

Bei einer PDA wird über einen Katheter ein schmerzstillendes Medikament in den Zwischenraum der Wirbel und des Rückenmarkkanals eingebracht. Die Wirkung setzt nach ca. 15 bis 20 Minuten ein. Da der Katheter - einmal gelegt - an Ort und Stelle verbleibt, kann im Verlauf der Geburt nach Bedarf das Medikament in Zeitabständen erneut eingeleitet werden. Es wird meist so nachdosiert, dass die Wirkung des Medikaments zwei Stunden nach der Geburt nachlässt. Muss jedoch ein ungeplanter Kaiserschnitt durchgeführt werden, kann die Dosis so weit erhöht werden, dass keine weitere Narkose mehr notwendig ist und die Gebärende ohne große weitere Vorbereitungen direkt in den OP gefahren werden kann.

Gelegt wird der Katheter im Wirbelsäulenbereich zu Beginn der Geburt. Der Muttermund sollte möglichst bereits 5 cm geöffnet sein. Eine PDA im späteren Verlauf ist problematisch, da die Mutter zum Einführen des Katheters einige Minuten mit gebeugtem Rücken ruhig halten muss. Machen sich die Wehen schon in kurzen Abständen und mit heftigen Schmerzen bemerkbar, kann sich dies als schwierig bis unmöglich erweisen.

Als Nebenwirkung einer PDA kann es zu einem plötzlichen Blutdruckabfall kommen. Vorsorglich kann die Blutmenge durch Infusion vor Einleiten des Schmerzmedikamentes erhöht werden (um ca. 500 bis 1000 ml).

Ein Nachteil der PDA ist, dass die Frau ihre Blasenfunktion nicht mehr willkürlich steuern kann und zusätzlich ein Blasenkatheter gelegt werden muss.

Die Spinalanästhesie

Dieses Verfahren ist der PDA ähnlich. Es wird jedoch direkt in den Rückenmarkskanal gespritzt und die Nadel danach wieder entfernt. Dies hat den Vorteil, dass die schmerzstillende Wirkung sehr schnell eintritt. Angewandt wird die Methode, wenn am Anfang der Geburt keine PDA gelegt wurde und die Schmerzen in der Endphase der Geburt noch gelindert werden sollen oder ein Notkaiserschnitt unabdingbar wird und schnell durchgeführt werden muss. Die Mutter bleibt bei Bewusstsein - auch während des Kaiserschnitts - und kann so ihr Kind hören und sofort in Empfang nehmen.

Als Nebenwirkung wird von manchen Frauen von Kopfschmerzen nach der Geburt berichtet, was sich jedoch mit der Verwendung immer feinerer Spinalnadeln verringert hat.

Der Pudendusblock

Bei dieser Methode wird ein Betäubungsmittel in den Bereich des Sitzhöckers gespritzt und die Schmerzweiterleitung im Dammgewebe und dem äußerem Genital „geblockt". Der Pudendusblock wird vor allem im späten Geburtsverlauf angewandt. Die medikamentöse Wirkung geht nicht auf das Kind über.

Autor/Autoren: äin-red

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