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Wochenbett

Wochenbettdepression


Nach einer von zehn Entbindungen kann es zu einer so genannten Wochenbettdepression bzw. postnatalen Depression kommen. Der Krankheitsverlauf einer Wochenbettdepression ist meist schleichend. Symptome sind häufiges Weinen, Minderwertigkeits- und Schuldgefühle, Unruhe, Antriebslosigkeit und Schwierigkeiten, Gefühle wie Liebe zu empfinden. Oft werden solche Beschwerden von den betroffenen Frauen wie auch ihren Angehörigen lediglich als eine Begleiterscheinung infolge der  Belastung durch die neue Lebenssituation angesehen, aber nicht als Erkrankung wahrgenommen. Problematisch ist auch, dass sich die Mütter schämen, über ihre Ängste und Beschwerden zu sprechen. Daher sollten der Partner oder andere nahe stehenden Menschen auf die Betroffene zugehen, Gespräche anbieten und die Mutter dazu ermutigen und dabei unterstützen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erster Ansprechpartner kann der betreuende Frauenarzt sein. Er kann weiterführende Therapieangebote vermitteln. Auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen sind Begleiterscheinungen einer Depression. Kontakt mit einem Arzt (Gynäkologe, Psychiater oder Psychotherapeuten) sollte unbedingt aufgenommen werden, wenn die Mutter unter den Symptomen leidet oder auch, wenn die Beziehung zum Kind gestört ist.


Depressionen dauern länger als ein Baby-Blues

Wochenbettdepressionen können direkt nach der Entbindung beginnen, sie treten typischerweise jedoch erst sechs bis 12 Wochen später auf. Unterschieden werden muss die postnatale Depression von den so genannten Heultagen beziehungsweise dem „Baby Blues", der meist kurz nach der Entbindung in den ersten 3 bis 5 Tagen auftritt. Heultage sind von raschen Stimmungswechseln, hoher emotionaler Empfindlichkeit und einer Neigung zum Weinen gekennzeichnet, weshalb sie den Symptomen einer echten Depression durchaus ähneln. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass die Beschwerden nach wenigen Tagen vorübergehen und die Beziehung von Mutter und Kind insofern nicht gefährden. Postnatale Depressionen gehen meist mit einer Störung der Mutter-Kind-Beziehung einher, was die Gefahr von langfristigen Entwicklungsstörungen beim Kind birgt. Bei einer Wochenbettsdepression bedarf daher nicht nur die Mutter einer Therapie, sondern auch die gestörte Beziehung zum Kind muss behandelt werden.

Die Therapie von Depressionen nach einer Entbindung ist abhängig von deren Ausprägung und Schweregrad. In Abhängigkeit von der Symptomatik bietet sich eine kombinierte psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung an, wobei für schwere Depressionen der Einsatz von Medikamenten, so genannten Antidepressiva, meist unerlässlich ist. Da viele Arzneistoffe in die Muttermilch übertreten, ist bei der Auswahl des Medikamentes zu berücksichtigen, ob die Mutter weiter stillen möchte. Wir können Betroffenen aber auch mit psychotherapeutischen Maßnahmen in einer Gesprächs-, Psycho- oder Körpertherapie helfen, ihre  Krankheitssymptome besser zu bewältigen. Dabei sollten auch Lebenspartner und Familienangehörige mit einbezogen werden, damit auch sie einen geeigneten Umgang mit der Erkrankung erlernen, mehr Verständnis für die Patientin entwickeln und diese dadurch insgesamt besser unterstützen können.

Nach der Entbindung kann als weitere ernsthafte psychische Erkrankung neben der Wochenbettdepression auch eine so genannte Wochenbettpsychose auftreten.

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