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Stillen

Stillen - Natur pur für Mutter und Kind


 Säugling stillt an Brust der Mutter
 Stillen - die optimale Ernährung des
Säuglings in den ersten
Lebensmonaten

Stillen, die natürliche Versorgung des Säuglings mit Muttermilch aus der Brust, verbindet zwei elementare Vorzüge: Die bestmögliche Ernährung des Babys in den ersten Lebensmonaten mit dem Aufbau einer besonders innigen Beziehung zwischen Mutter und Kind. Stillen soll nicht nur „den Hunger stillen", sondern außerdem das Bedürfnis nach Wärme und Zuneigung.

Eine Mutter ist mit dem Stillen räumlich und zeitlich ungebunden. Die Muttermilch ist kostenlos, immer richtig temperiert und dem Nahrungsbedarf des Kindes angepasst. Die notwendigen hygienischen Vorkehrungen, die bei einer Herstellung und Lagerung von Flaschenmilch erforderlich sind, entfallen, was insbesondere in warmen Ländern von größter Bedeutung ist. Das Schlafen wird durch das Stillen weniger gestört.

Das Baby wird mit dem Stillen vor Krankheitserregern und späteren Allergien geschützt. Es erhält die Chance auf eine optimale Gewichtsentwicklung, die den Grundstein für das ganze Leben legt.

Weder die Figur einer Frau noch die Größe ihrer Brust hat Einfluss auf die Stillfähigkeit, sondern allein die Beschaffenheit des Brustgewebes. Lediglich stark unterernährte Frauen können unter einer geringeren Milchproduktion leiden.

Obwohl die Natur das Stillen vorgesehen hat, ist es keineswegs selbstverständlich. Stillen unterlag zu allen Zeiten Trends. In vielen Kulturen übernahmen Ammen die mütterlichen Aufgaben in den sozial höher gestellten Gesellschaftsschichten. Im 20. Jahrhundert wurde sogar eine gewisse Stillmüdigkeit festgestellt. Obwohl etwa 97% der entbundenen Frauen stillfähig sind, haben beispielsweise 1975 nur etwa 60% in der ersten Lebenswoche und davon ein Drittel durchgehend gestillt.

Seit Beginn der 1990ger-Jahre bis heute ist ein deutlicher Anstieg der stillenden Mütter zu verzeichnen, was insbesondere einer großen Initiative der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und der UNICEF zu verdanken ist. Allerdings nimmt die Zahl der stillenden Mütter schon weit vor dem 7. Lebensmonat wieder ab. In Deutschland nimmt sich seit 1994 die Nationale Stillkommission des Themas an. Die Kommission, die beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin angesiedelt ist, besteht aus Mitgliedern verschiedener medizinischer und sozialer Bereiche. Mit ihren Empfehlungen und Richtlinien an die Politik, die betroffenen Berufsgruppen sowie die Öffentlichkeit soll die „Stillkultur" in Deutschland weiterhin gefördert werden.

Trotz aller Vorteile muss jede Frau für sich individuell wissen, ob sie stillen möchte. Jede Halbherzigkeit gefährdet das Abenteuer Stillen; gefragt sind ein gutes Selbstwertgefühl, Ruhe, Ausdauer, die Bereitschaft zu einer zeitlich begrenzten Abhängigkeit und ein unterstützendes Umfeld. Belohnt wird man mit einer besonders intensiven Nähe zu seinem Kind, die einzigartig ist, aber nicht von allen Müttern gut ertragen werden kann. Daher sollte man sich bereits während der Schwangerschaft informieren und entscheiden. Eine schnelle Rückkehr in den Beruf bei hohem zeitlichem Engagement kann beispielsweise bei manchen Frauen gegen das Stillen sprechen, muss es aber nicht. 

Möchte eine Mutter absolut nicht stillen, sollte sie rechtzeitig mit ihrer Ärztin/ ihrem Arzt besprechen, wie die Milchbildung unterdrückt werden kann. In den ersten 1 bis 2 Stunden unmittelbar nach der Geburt sind trotzdem neben dem Haut-zu-Haut-Kontakt auf dem Bauch der Mutter auch das Andocken und Saugen des Kindes an der Brust zu empfehlen. Das  Baby kommt damit in den Genuss der wertvollen Vormilch mit ihren vielen Immunstoffen und die  Mutter-Kind-Bindung wird so optimal gefördert, ohne die Unterdrückung der Milchbildung zu beeinträchtigen.

Aktuelle Empfehlung zur Stilldauer

Muttermilch ist die beste Nahrung für nahezu alle Säuglinge. Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten ist für die Mehrzahl der Säuglinge die physiologische Ernährung. Ab wann ein Säugling zusätzlich Beikost benötigt, ergibt sich individuell in Abhängigkeit vom Gedeihen und der Essfähigkeit des Kindes. Beikost sollte in der Regel nicht später als zu Beginn des siebten Lebensmonats und keinesfalls vor dem Beginn des fünften Monats gegeben werden. Einführung von Beikost bedeutet nicht Abstillen, sondern eine langsame Verminderung der Muttermilchmengen und Stillmahlzeiten in individuellem Tempo. Mutter und Kind bestimmen gemeinsam, wann abgestillt wird. Wenn sechsmonatiges ausschließliches Stillen für die Mutter nicht durchführbar ist, sollte dies keinesfalls ein Grund sein, gar nicht erst mit dem Stillen zu beginnen. Auch kürzeres ausschließliches Stillen oder teilweises Stillen nutzen dem Kind und sind erfreulich für Mutter und Kind.

Diese Empfehlungen geben einen Rahmen vor. Sie sollten nicht schematisch angewendet werden.

Die Empfehlungen zur Allergieprävention haben in der Vergangenheit zu Diskussionen und zur Verwirrung geführt, weil sie sich im Laufe der Jahre aufgrund wissenschaftlicher Studienergebnisse teilweise verändert haben.

Nach der 2014 erstellten S3-Leitlinie der wissenschaftlichen Fachgesellschaften zur Allergieprävention ist die oben genannte Empfehlung zur Stilldauer sinnvoll. Hinsichtlich der Prävention von Allergien gilt:

  • Die Mutter muss ihrem Baby, das eine Beikost verlangt, diese nicht verweigern, weil sie glaubt, es so vor Allergien schützen zu können. Dafür gibt es keinen Anhalt. Für Babys von Müttern, die selbst von Allergien betroffen sind, bewirkt die Beikosteinführung zu Beginn des 5. Lebensmonats möglicherweise eine Verringerung des Allergierisikos.
  • Teilstillen während der Beikosteinführung hat einen wichtigen allergieschützenden Effekt.
  • Weder das Meiden bestimmter Lebensmittel im 1. Lebensjahr, noch die gezielte Gabe bestimmter Lebensmittel vor Beginn des 5. Lebensmonats schützt vor Allergien.
  • Fisch soll nicht, wie früher empfohlen, als Beikost im 1. Lebensjahr gemieden werden, sondern im Gegenteil auch als Beikost eingeführt werden, weil es einen allergiepräventiven Effekt hat.

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