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Myom

Therapie


Solange Myome keine Beschwerden verursachen, müssen sie im Normalfall auch nicht behandelt werden. Das gilt auch bei einer Schwangerschaft. Wenn Myome Beschwerden machen, hängt die Art der Therapie von mehreren Faktoren ab:

  • von dem Alter der Patientin
  • von der Familienplanung
  • von der Symptomatik
  • von der Lage und Größe des Myoms.

Grundsätzlich können Myome medikamentös, chirurgisch oder durch neuere Verfahren wie die Embolisation oder den fokussierten Ultraschall behandelt werden. Bei jungen Patientinnen werden gebärmuttererhaltende Operationen durchgeführt, bei älteren Frauen mit abgeschlossenem Kinderwunsch galt früher die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) als Standard-Therapie. Heute werden zunehmend minimal-invasive Verfahren angewandt, die nur das Myom entfernen. Mögliche Therapieformen sind:

  1. Medikamentöse Behandlung
  2. Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)
  3. Ausschälung des Myoms (Myomenukleation)
  4. Myomverödung (Embolisation)
  5. Fokussierter Ultraschall

1. Medikamentöse Behandlung

Eine andere Möglichkeit ist die medikamentöse Therapie mit weiblichen Hormonen (Gestagenen) oder GnRH-Analoga - das sind zyklussteuernde Hormone aus dem Zwischenhirn (beispielsweise Enantone, Decapeptyl), die die Östrogenproduktion beeinflussen. Da das Myomwachstum vom Hormonhaushalt beeinflusst wird, können Östrogen-Gegenspieler wie die Gestagene oder die zyklussteuernden Hormone (GnRH-Analoga) Myome zum Schrumpfen bringen. Die Behandlung mit GnRH-Analoga ist allerdings sehr teuer.

Durch die Behandlung wird die Frau in eine den Wechseljahren ähnliche Hormonsituation versetzt. Die Therapie wird meist nicht länger als sechs Monate angewandt, da als Nebenwirkungen die typischen Wechseljahrbeschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust oder Knochenschwund (Osteoporose) auftreten. Sie dient daher meist nur zur Überbrückung, entweder bis zum Erreichen des Wechsels oder zur Vorbereitung einer Operation.

Auch die Schwangerschaftsverhütung mittels der Hormonspirale oder eine Langzyklus oder Langzeiteinnahme einer „Pille" kann zu einem Wachstumsstopp oder zur Rückbildung von Myomen führen.

Nach dem Absetzen der Hormone wachsen die Myome manchmal wieder nach, wenn die Frau nicht in die Wechseljahre eingetreten ist oder das Myom nach einer Therapie bei einer Operation entfernt wurde. Bei Patientinnen, die nicht operiert werden können, kann die Hormongabe die Symptome zeitweilig lindern. In einigen Fällen können die Myome so stark schrumpfen, dass sie durch eine Gebärmutterspiegelung entfernt werden können.

Ulipristalacetat - Die sogenannte Myom-Tablette

Eine weitere Möglichkeit zur ursächlichen Behandlung von erwachsenen Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter mit mittleren bis starken Symptomen durch Gebärmutter-Myome ist mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat gegeben. Der Wirkstoff Ulipristalacetat ist ein selektiver Progesteron-Rezeptor-Modulator, der in Tablettenform vorliegt. Der Wirkstoff moduliert die Progesteron-Rezeptoren der Myom-Zellen, wodurch die Aktivität des Hormons Progesteron, das unter anderem für das Wachstum der Myome verantwortlich ist, bei diesen Zellen gehemmt wird. Dadurch reduziert sich die Größe der Myome, die Blutungen werden innerhalb kurzer Zeit vermindert oder gestoppt und die Anzahl an roten Blutkörperchen erhöht sich. Da weiterhin Geschlechtshormone gebildet werden, gibt es keine klimakterischen Ausfallserscheinungen („Wechseljahresbeschwerden") wie es bei den GnRH-Analoga der Fall ist.

Ulipristalacetat kann bei Frauen zum einen im Vorfeld einer Operation (präoperativ) für die Behandlung mittlerer bis starker Symptome (starke oder verlängerte Regelblutungen, Unterbauchbeschwerden, Schmerzen, Erschöpfungszustände etc.) sowie auch in der Langzeit-Intervall-Therapie angewendet werden. Langzeit-Intervall-Therapie bedeutet, dass ein Behandlungszyklus mit täglicher Einnahme einer Tablette über einen Zeitraum von 12 Wochen mehrmalig und unter Einhaltung von Pausen wiederholt wird.

Der Progesteron-Rezeptor-Modulator Ulipristalacetat kann in der Mehrzahl der Fälle die Größe der Myome und die damit verbundenen Symptome so stark reduzieren, dass ein operativer Eingriff anschließend nicht mehr notwendig ist. Die Langzeit-Intervall-Therapie kommt für Frauen mit starken Beschwerden in Frage, die langfristig wirksam kontrolliert werden sollen, für Frauen, die noch einen Kinderwunsch haben und eine Operation vermeiden wollen und für Frauen, die ohne Operation die Menopause erreichen möchten. Nach der Menopause wachsen aufgrund des starken Abfalls der Hormone Östrogen und Progesteron die Myome normalerweise nicht mehr weiter. 

Ulipristalacetat ist ein verschreibungspflichtiges Medikament das von gesetzlichen Krankenkassen übernommen und privaten Krankenversicherungen erstattet wird.

2. Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Die Gebärmutterentfernung wird vor allem dann eingesetzt, wenn die Patientinnen unter großen Schmerzen leiden, starke Regelblutungen und eine dadurch ausgelöste Anämie zeigen oder die Myome rasch wachsen und in großer Zahl vorhanden sind (Uterus myomatosus). Vor allem bei Wucherungen, die auf breiter Basis mit der Gebärmutter verwachsen sind, ist ein Herausschneiden der einzelnen Knoten oft nicht möglich, da eine zu große Wundfläche entstehen würde. Für den Eingriff wird eine abgeschlossene Familienplanung vorausgesetzt. Je nach Größe und Beweglichkeit der Gebärmutter wird entweder ein Bauchschnitt durchgeführt oder die Gebärmutter über den Weg der Scheide oder den Enddarm entfernt. Mögliche Komplikationen der Operation sind die Verletzung anderer Organe wie Blase, Harnleiter und Darm, Nachblutungen und Infektionen sowie Verwachsungen. Nach der Operation bleibt bei einem Bauchschnitt eine Narbe zurück.

Obwohl bei einer Gebärmutterentfernung die Eierstöcke erhalten bleiben, hat diese Operation hormonelle Konsequenzen, da bestimmte Blutgefäße, welche die Eierstöcke versorgen, abgeklemmt werden und dadurch die Hormonproduktion gedrosselt wird. Es treten aber weiterhin zyklische Schwankungen der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen auf, jedoch keine monatliche Blutung mehr. Das Ausbleiben der Regel ist für manche Frauen ein positiver Nebeneffekt. Zudem ist das Risiko einer Gebärmutter-Krebserkrankung ausgeschlossen. Trotzdem ist nach einer Gebärmutterentfernung weiterhin eine frauenärztliche Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs und Brustkrebs notwendig.

Bei Frauen kurz vor den Wechseljahren (Klimakterium) ist eine operative Behandlung nicht immer nötig, da ein Teil der Beschwerden mit der Einstellung der Hormonproduktion verschwindet und sich vorhandene Myome zurückbilden können. Verursachen Myome zu diesem Zeitpunkt große Probleme, kann der Beginn der Wechseljahre durch die Einnahme von Hormonpräparaten beschleunigt werden.

3. Ausschälung des Myoms (Myomenukleation)

Neuere Verfahren setzen auf den Erhalt der Gebärmutter durch Ausschälung des Myoms (Myomenukleation) - auch bei älteren Frauen ohne Kinderwunsch. Der Sitz des Myoms bestimmt, welches Verfahren angewandt wird.

Submuköse Myome können durch eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) entfernt werden. Dabei wird die Gebärmutterhöhle mit einer Spüllösung gedehnt und das Myom mit einer Resektionsschlinge abgetragen. Die Myomstückchen werden über den Arbeitskanal des verwendeten Instruments (Hysteroskop) entfernt.
Mögliche Komplikationen können die Verletzung benachbarter Organe sowie ein Überwässerungssyndrom bei längerer Spülung darstellen.

Subseröse Myome werden durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) entfernt. Liegt das Myom intramural wird meist ein Bauchschnitt (Laparatomie) angewandt. Während die minimal-invasiven Eingriffe (Hysteroskopie und Laparoskopie) nur geringe Risiken wie eine erhöhte Blutungs- und Infektionsgefahr sowie die Belastung durch die Narkose mit sich bringen, bestehen bei einem Bauchschnitt größere Gefahren. Die Operation ist mit größeren Blutverlusten verbunden, es können Verwachsungen entstehen und die Genesung nimmt mehr Zeit in Anspruch.

Unabhängig vom Verfahren sind die Risiken einer Operation:

  • Blutverlust (vor allem bei einer Laparotomie)
  • Gebärmuttermuskelschwäche und Aufreißen der Nahtstelle während einer Schwangerschaft
  • spätere Entwicklung von Narbengewebe (vor allem nach einer Laparotomie)
  • Infektionen
  • Verletzung der Eingeweide oder der Blase (vor allem nach einer Laparotomie)

Die Rückfallrate für ein erneutes Wachstum eines Myoms nach der operativen Entfernung liegt bei circa 10 bis 30%.

4. Myomembolisation

Heute werden bei Frauen mit großen Schmerzen und starken Blutungen auch mit der Myom-Embolisation große Erfolge erzielt. Das Verfahren nutzt die Tatsache, dass Myome für ihr Wachstum von der Blutzufuhr abhängig sind. Stoppt oder vermindert man ihre Blutzufuhr, schrumpfen sie oder gehen ganz zugrunde. Die Methode wurde in Frankreich entwickelt und wird mittlerweile auch in Deutschland seit Jahren eingesetzt. Für den Eingriff ist es von Vorteil, wenn die Familienplanung bereits abgeschlossen ist.

Der behandelnde Radiologe schiebt unter örtlicher Betäubung einen Schlauch in der Blutbahn bis zum Ast der Gebärmutterhauptarterie (Arteria uterina) vor, der auch das Myom versorgt. Über den Katheter spritzt er dann unter Röntgen-Durchleuchtung kleine, biologisch verträgliche Kunststoff-Partikel in die Arterie, die sich in den feineren Verästelungen festsetzen und sie so blockieren. Die Blutversorgung der Gebärmutter gerät dadurch nicht in Gefahr, weil sie noch über andere Gefäße erfolgt. Im Idealfall schrumpfen die Myome innerhalb von sechs Monaten bis maximal einem Jahr und die Symptome lassen nach.

Mögliche Nebenwirkungen dieser Behandlung sind Krämpfe und Schmerzen in den ersten Stunden nach dem Eingriff, sowie Fieber und Infektionen. Eine seltene Gefahr besteht darin, dass bei der Embolisation die Gebärmutter verletzt wird. Ein weiterer Nachteil ist die Belastung durch Röntgen­strahlung, die mit denen anderer Röntgenuntersuchungen vergleichbar ist. Daneben besteht das Risiko, dass einige Kunststoff-Partikel in die Eierstock-Arterie gespült werden und diese blockieren, was zu einer Unfruchtbarkeit führen kann.

5. Fokussierter Ultraschall

Ein noch neueres Verfahren ist die Behandlung von Myomen im Kernspintomographen mittels eines fokussierten Ultraschalls. Die Patientin liegt dabei mit dem Bauch über einer Schallquelle, von der aus hochfrequente Schallwellen wie mit einem Brennglas auf bestimmte Stellen des Myoms gelenkt werden. Durch diese Fokussierung entsteht eine so große Hitze, dass das Myomgewebe abstirbt und vom körpereigenen Immunsystem abgebaut wird. Die Behandlung dauert in etwa drei Stunden, ist jedoch noch sehr kostenintensiv.

Der fokussierte Ultraschall kann nur bei Myomen angewandt werden, die günstig liegen, damit keine anderen Organe geschädigt werden. Da die Methode relativ neu ist, wird sie von den gesetzlichen Krankenkassen bislang in der Regel nicht übernommen.

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