Frauenärzte im Netz


Gewalt gegen Frauen


Das Durchsetzen der eigenen Interessen und Rechte sowie der Schutz der persönlichen Grenzen ist für viele Frauen und Mädchen auch heutzutage nicht selbstverständlich. Dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung stehen oft Ängste, Ohnmachtsgefühle und Unsicherheiten entgegen. Denn nur wenige Frauen haben in ihrer Erziehung gelernt, sich selbst zu behaupten, ihre Rechte wahrzunehmen und ihren Körper gegen sexualisierte Gewalt zu verteidigen. Nicht immer gelingt es, sich davor zu schützen oder sich dagegen zu wehren.

Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und sexuelle Nötigung sind sexualisierte Gewaltstraftaten gegen Mädchen und Frauen. Neben diesen brutalen Gewaltformen existiert zudem die alltägliche Gewalt auf der Straße, in Form von verbaler Anmache, psychischer und physischer Gewalt in Beziehungen oder der Familie, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sowie subtilere Gewaltformen wie Ausgrenzung, Herablassung oder Bevormundung. Das Opfer wird bei der Tat erniedrigt, deshalb ist sexuelle Gewalt kein Ausdruck unkontrollierter Triebe, sondern in erster Linie ein Machtmissbrauch.

Ein selbstbewusstes Auftreten kann ein Stück weit vor diesen Gewaltformen aber auch einer Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen schützen. Daneben zählt das Vermeiden von Risikosituationen zur möglichen Prävention. Die Statistiken belegen jedoch, dass die Mehrzahl der sexualisierten Gewalttaten gegen Mädchen und Frauen von Männern verübt werden, die aus dem sozialen Umfeld der Opfer kommen. Sexualisierte Übergriffe durch Fremdtäter - etwa im dunklen Park oder einer dunklen Gasse - sind demnach eher die Ausnahme. Das beinhaltet, dass für Frauen und Mädchen gerade in jenen Bereichen, in denen die sich vermeintlich sicher fühlen - im Bekanntenkreis, in der Familie, sowie am Arbeitsplatz - die Gefahr der Konfrontation mit männlicher Gewalt am größten ist.

Selbstbehauptung und Selbstverteidigung schafft mehr Sicherheit

Vorteilhaft ist, dass sich jedes Mädchen und jede Frau mit ihren Gefühlen und Wahrnehmungen ernst nimmt und, dass sie in Lage dazu sind, Machtspiele zu erkennen und so damit umzugehen, dass ihr Selbstbewusstsein nicht darunter leidet. Selbstbehauptungskurse und Selbstverteidigungskurse können dazu beitragen, dass Mädchen und Frauen lernen, bedrohliche Situationen besser einzuschätzen und Sicherheit gewinnen, wie sie dann reagieren sollten. Eine massive Gegenwehr bei sexuellen Übergriffen führt beispielsweise in 60 bis 80% der Fälle zu einem Ablassen des Täters, Schreien ist bei jedem zweiten Täter erfolgreich, während verbale Strategien sehr unterschiedlich aufgenommen werden. Ein geringer Widerstand oder Weinen bleiben dagegen meist erfolglos.

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