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Gestose

Krankheitsbild


Man unterteilt die Gestosen in Früh- und Spätgestosen. Damit beschreibt man den Zeitpunkt, wann in der Schwangerschaft die Erkrankung auftritt. Bis zur 20. Schwangerschaftswoche spricht man von Frühgestosen, danach von Spätgestosen.

 

Frühgestosen

  • Emesis gravidarum
    Die so genannten Morgenübelkeit äußert sich in Übelkeit und Erbrechen, insbesondere in den Morgenstunden. Von diesem Phänomen sind - unabhängig von einer Gestose - 5 bis 20% der schwangeren Frauen betroffen. Vermutlich steckt dahinter der schnelle Anstieg des Schwangerschaftshormons HCG. Meist lässt die Übelkeit mit dem Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels (12. Woche) nach, wenn das von der Plazenta gebildete HCG seinen Höchstwert überschritten hat.

  • Hyperemesis gravidarum
    Die gesteigerte Form der Morgenübelkeit, die Hyperemesis gravidarum tritt bei ca. 2% aller Schwangeren auf. Sie zeichnet sich durch unstillbares Erbrechen aus, das für den Körper wegen des hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust und einer teilweise gestörten Leberfunktion (Gelbfärbung der Haut!) zu einer ernsthaften Bedrohung führen kann.

 

Spätgestosen

  • Bluthochdruck
    Der Bluthochdruck oder Hypertonie zeigt sich in Werten über 140/90 mmHg bzw. bei Anstieg des systolischen (erstgenannten) Wertes um mehr als 30 mmHg und Anstieg es diastolischen (zweiten) Wertes um mehr als 15 mmHg. Ein erhöhter Blutdruck geht mit der Engerstellung der Gefäße einher, was für die betroffenen Organsysteme (z. B. auch die Plazenta) eine verminderte Durchblutung bedeutet.

  • Proteinurie
    Proteinurie bedeutet allgemein eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß über den Urin. Werden mehr als 300mg Eiweiß pro Liter Urin ausgeschieden, spricht man von einer Proteinurie. Sie ist ein Zeichen für eine Störung der Nierenfunktion. Gemessen wird durch das Sammeln des Harns über 24 Stunden.

  • Ödeme
    Ödeme sind Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe („dicke Beine", „geschwollene" Hände oder Beine/Füße). Dies ist in der Schwangerschaft recht häufig zu beobachten und tritt auch unabhängig von einer Gestose-Erkrankung bei 80% der Schwangeren im letzten Schwangerschaftsdrittel auf. Daher liegt auf diesem Symptom für die Feststellung einer Gestose kein Hauptaugenmerk. In Kombination mit weiteren Symptomen (Hypertonie, Proteinurie) kann es jedoch einen Hinweis auf die Ausbildung einer Gestose sein. Ödeme können eine Nierenfunktionsstörung oder Bluthochdruck anzeigen.

  • Präeklampsie
    Die Krankheit ist gekennzeichnet durch einen zu hohen Blutdruck (Hypertonie) und eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß über den Harn (Proteinurie). Meist leiden die Frauen auch unter vermehrter Flüssigkeitseinlagerung und dadurch bedingtes Anschwellen des Gewebes (Ödeme). Viele Schwangere bekommen gegen Ende der Schwangerschaft Ödeme. Bei einer Präeklampsie treten die Ödeme aber zusammen mit einer Erhöhung von Blutdruck und Eiweißausscheidung auf. Nach der Geburt klingen die akuten Beschwerden meist innerhalb von einigen wenigen Tagen ab. Es vergehen in der Regel nicht mehr als vier bis sechs Wochen, bis die Messung von Blutdruck und Harn wieder normal ausfällt.
    Für einen ausführlichen Artikel über Präeklampsie lesen Sie bitte in der Rubrik Krankheiten von A-Z weiter.

  • Eklampsie
    Eine lebensbedrohliche Komplikation der Präeklampsie ist das Auftreten einer Eklampsie. Dabei liegen neurologische Störungen vor, es besteht insbesondere die Gefahr von Krampfanfällen. Die Schwangere muss sofort in ein Krankenhaus gebracht werden. Es kann zu Komplikationen wie akutem Nierenversagen, Hirnödem, Thrombosen, Netzhautschäden, Blutungen und Plazentainsuffizienz kommen. Eine Eklampsie ist für Mutter und Kind lebensbedrohlich.

  • HELLP-Syndrom
    Neben der Eklampsie ist das so genannte HELLP-Syndrom eine der schwersten Formen der Präeklampsie. Ihm liegt eine Störung der Leberfunktion zu Grunde. Das HELLP-Syndrom ist oft mit Gestosen assoziiert. Die Abkürzung setzt sich zusammen aus:
    H für Hämolyse (Blutzerfall)
    EL für erhöhte Leberwerte (englisch: elevated liver function tests)
    LP für niedrige Thrombozytenzahl (englisch: low platelet counts).
    Die Hauptsymptome sind:
    • heftiger Schmerz im Oberbauch
    • Übelkeit/Erbrechen
    • evtl. Durchfal

Ein HELLP-Syndrom kann sich in kürzester Zeit (1 Stunde) voll ausprägen. In manchen Fällen kommt es im Vorfeld zu einem plötzlichen Blutdruckanstieg. Es ist jedoch auch möglich, dass die Symptomatik nicht so deutlich ausgeprägt ist. Aufschluss darüber, ob ein HELLP-Syndrom vorliegt, geben erst Laboruntersuchungen.
Inzwischen weiß man, dass das HELLP-Syndrom auch ohne vorherige Präeklampsie-Symptome auftreten kann. Insbesondere das Auftreten des HELLP-Syndroms vor der 34. Schwangerschaftswoche wird eher auf vorbestehende Erkrankungen oder genetische Einflüsse zurückgeführt. Die Symptome eines HELLP-Syndroms verschwinden im Normalfall schon wenige Tage nach der Geburt, bleibende Schäden sind selten. Manchmal wird von Störungen des Kurzzeitgedächtnisses berichtet.

  • Pfropfgestose
    Liegen bereits vor der Schwangerschaft Symptome einer Gestose vor (z. B. Bluthochdruck, Nierenkrankheit) und kommen dann in der Schwangerschaft weitere Symptome hinzu („pfropfen sich auf") bzw. verstärken diese, spricht man von einer Pfropfgestose.

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