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Erkrankungen in der Schwangerschaft

Schwangerschaftsspezifische Erkrankungen


Gestose, Präeklampsie,
Präeklampsie ist eine schwangerschaftsspezifische Erkrankung und zählt zu den so genannten Schwangerschaftsvergiftungen (Gestosen). Leitsymptome sind erhöhter Blutdruck (mehr als 140 zu 90 mmHg), erhöhte Ausscheidung von Eiweiß über den Harn und Einlagerung von Flüssigkeit ins Gewebe der Schwangeren (Ödembildung). Die genannten Symptome müssen jedoch nicht zwangsläufig eine Präeklampsie ankündigen. Insbesondere Ödeme sind bei den meisten Schwangeren gegen Ende der Schwangerschaft auch ohne eine weitere zu Grunde liegende Erkrankung festzustellen. Bluthochdruck tritt bei etwa 10% der Schwangeren auf, Präeklampsie bei 2%.


Bluthochdruck in der Schwangerschaft
Bluthochdruck ( ≥ 140/90 mmHg) in der Schwangerschaft bedeutet ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Dennoch bringt die Mehrzahl der Schwangeren, die einen Bluthochdruck hat oder während der Schwangerschaft entwickelt, ihr Kind gesund zur Welt. Man unterscheidet zwischen schwangerschaftsunabhängiger Hypertonie, die schon vor Beginn der Schwangerschaft besteht oder bis zur 20. SSW auftritt (1-5% der Schwangerschaften), und schwangerschaftsbedingter Hypertonie, die sich nach der 20. SSW entwickelt (in 5-10% der Fälle). Letztere Form, der meist unkompliziert verlaufende Schwangerschaftshochdruck, normalisiert sich in der Regel innerhalb von 6 Wochen nach der Geburt.

Ist jedoch der Blutdruckanstieg in der Schwangerschaft mit verstärkter Eiweißausscheidung im Urin (> 300 mg/24 h) vergesellschaftet, kommen ferner schnelle Gewichtszunahme (> 0,5 kg/Woche) und Schwellungen im Gesicht und an den Händen hinzu, spricht man von Präeklampsie, in der schwersten Ausprägung von Eklampsie, d.h. lebensbedrohlichen Zuständen für Mutter und Kind.


Plazentainsuffizienz
Ist die Plazenta, also der Mutterkuchen, in dem der Embryo bzw. Fetus nistet, nicht mehr in der Lage, das Kind ausreichend zu versorgen, spricht man von einer Plazentainsuffizienz. Dazu kann es beispielsweise durch eine Schwangerschaftsvergiftung kommen. Die Unterversorgung führt zu Folgeschäden beim ungeborenen Kind.


Diabetes in der Schwangerschaft (Gestationsdiabetes)
Wird in der Schwangerschaft bei der Mutter eine Störung des Zuckerstoffwechsels festgestellt, spricht man von „Gestationsdiabetes" (Gestation = Schwangerschaft) - unabhängig davon, ob ein Diabetes mellitus dahinter steht, der jetzt erst festgestellt wird oder ob die Zuckerkrankheit erst infolge der Schwangerschaft entstanden ist.

Grundsätzlich handelt es sich mit etwa 2% - 8% Häufigkeit um die häufigste Begleiterkrankung in der Schwangerschaft, welche zu ernsten Komplikationen für die Mutter und vor allem für das Kind vor und bei der Geburt führen kann. Die Erkrankung hat wiederkehrende, kurzzeitig erhöhte Blutzuckerwerte der Mutter und schließlich auch des Kindes zur Folge. Patientinnen haben deswegen ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Bluthochdruck und Frühgeburten. Für das Kind können sich weitere gesundheitliche Risiken ergeben, wie etwa Fehlbildungen oder die so genannte fetale Makrosomie. Hierbei kann ein zuviel am Wachstumshormon Insulin zu Gewichtszunahme und teilweise Vergrößerungen von Schädel und Knochen führen, welche die Entbindung erschweren und zu Geburtsverletzungen führen können. Betroffene Neugeborene werden dann später häufig übergewichtige Kinder und Erwachsene und neigen eher zu Diabetes und den mit der Stoffwechselkrankheit verbundenen Spätschäden. Daher ist es sehr wichtig, dass die Erkrankung möglichst frühzeitig erkannt und behandelt wird.

Bei der Entwicklung eines Gestationsdiabetes spielt das insulin eine entscheidende Rolle. Es ist dafür verantwortlich, dass Zucker (Glukose) vom Blut in die Zellen gelangt und sorgt so für eine Senkung des Blutzuckerspiegels. Während der Schwangerschaft kommt es meist zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels, was einerseits durch verschiedene Schwangerschaftshormone (z.B. Östrogen, humanes Plazentalaktogen (HPL)) und andererseits ernährungsbedingt (Fehl- und Überernährung) verursacht werden kann. Dadurch wächst auch ein erhöhter Bedarf des mütterlichen Organismus an Insulin. Kann die Bauchspeicheldrüse diesen erhöhten Bedarf an Insulin nicht liefern, so entsteht ein Diabetes. Nach der Geburt braucht die Mutter wieder weniger Insulin, weswegen die Erkrankung in dem meisten Fällen wieder verschwindet. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen bleibt der Diabetes auch nach der Schwangerschaft noch bestehen.

Zwischen der 24. und der 28. SSW können alle Schwangeren, die nicht bereits einen diagnostizierten, manifesten Diabetes haben, einen Blutzucker-gestützten Suchtest zur Früherkennung von Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes, kurz GDM) bekommen.

Risikofaktoren für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes sind unter anderem:

  • Fehlernährung und daraus resultierendes Übergewicht bzw. Adipositas
  • Diabetes Mellitus Typ 2 in der Familie
  • Gestationsdiabetes während einer früheren Schwangerschaft
  • exzessive Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
  • § gestörte Glukosetoleranz (Vorstufe von Typ-II-Diabetes) vor der Schwangerschaft

Bei Schwangeren, bei denen sich ein erhöhtes Diabetes-Risiko darstellt, kann ein Suchtest auf erhöhte Blutzuckerwerte bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel erfolgen. Er sollte jedoch bei Risiko-Patientinnen mit negativem Befund in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche sowie bei erneut negativem Befund auch in der 32. bis 34. SSW wiederholt werden.

Auch wenn das Kind nach der 20. Woche deutlich größer ist, als es seinem Entwicklungsalter entspricht, sollte überprüft werden, ob möglicherweise eine Schwangerschaftsdiabetes vorliegt.

Eine leichte Form von Schwangerschaftsdiabetes kann man diätetisch behandeln, mit mehreren kleinen kalorienarmen Mahlzeiten pro Tag und ausreichend Bewegung. Vor allem schnell verfügbare Zucker, wie sie beispielsweise in Weismehlprodukten, Süßwaren oder Limonaden stecken, sollten generell vermieden werden, da sie zu einem schnellen Blutzuckeranstieg führen. Stattdessen sollten Vollkorn-Produkte als Kohlenhydrat-Quelle bevorzugt werden. In 85% aller Fälle genügt zur Therapie bereits eine vollwertige, gesunde Ernährung, in 15% der Fälle muss zusätzlich Insulin gegeben werden.

Ist eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte diätetisch nicht möglich, muss eine medikamentöse Behandlung erfolgen. In diesem Fall wird Ihr Frauenarzt Sie zum Diabetologen überweisen, damit dort Ihr Stoffwechsel mit Insulin optimal eingestellt werden kann. Nach der Schwangerschaft bildet sich der Gestationsdiabetes in den meisten Fällen zurück, Betroffene sollten aber auch nach der Entbindung ihre Blutzuckerwerte regelmäßig bei ihrem Frauenarzt kontrollieren lassen.

Wegen der möglichen Komplikationen empfiehlt es sich für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, in einer Klinik mit neonatologischer Intensivbetreuung zu entbinden. Nicht selten haben ihre Babys auch ein erhöhtes Geburtsgewicht von über 4kg, was einen Kaiserschnitt oder eine Zangen- bzw. Saugglockengeburt erforderlich machen kann.

Zur Sicherheit sollte auch nach der Geburt der Blutzuckerspiegel erneut kontrolliert werden - am besten auch zukünftig in regelmäßigen Abständen. Studien haben gezeigt, dass mehr als die Hälfte aller Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes innerhalb von 10 Jahren einen Diabetes entwickeln. Bei Schwangeren, die an einem Diabetes erkranken, der das Spritzen von Insulin notwenig macht, sind die Prognosen noch schlechter - von ihnen bekommen 61% innerhalb der nächsten drei Jahre einen Typ-II-Diabetes. Bei werdenden Müttern, die allein durch eine Ernährungsumstellung ausreichend behandelt wurden, erkrankten später nur 15%. Mittels medikamentöser Behandlung und Ernährungsumstellung kann auch diese Diabetesform gut eingestellt werden.


Thrombose
Das Risiko für eine tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose ist bei Schwangeren und Wöchnerinnen etwa um das 6-Fache höher als bei Nichtschwangeren. Ursache sind die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft: Die Zusammensetzung des Blutes und der Hormonhaushalt verändern sich, die Venenwände werden durch das vermehrt gebildete Gelbkörperhormon Progesteron elastischer und weiten sich. Dadurch wird der Blutfluss verlangsamt. Zudem begünstigen veränderte Druckverhältnisse in den Venen - insbesondere in den letzten Schwangerschaftsmonaten, wenn der heranwachsende Fötus und die Gebärmutter zunehmend auf die Venen im Bauchraum drücken - die Bildung von Blutgerinnseln.

Bei einer Thrombose bildet sich in einem gesunden oder vorgeschädigten Blutgefäß ein Blutgerinnsel (Thrombus) und verengt oder verstopft das Gefäß. Solche Blutgerinnsel können entstehen, wenn „verbrauchtes", sauerstoffarmes Blut nicht mehr ausreichend in Richtung Herz strömt.
Am häufigsten bilden sich Thrombosen in den Venen und hier bevorzugt in den Venen der unteren Körperhälfte (tiefe Beinvenen, nicht selten auch Beckenvenen). Grundsätzlich ist die Thrombosehäufigkeit in den Venen deutlich größer als in den Arterien. Hierfür sind der zartere anatomische Aufbau der Venenwände und die im Vergleich mit den Arterien geringere Fließgeschwindigkeit des venösen Blutes verantwortlich.

Wenn in einer vorangegangenen Schwangerschaft bereits eine Thrombose aufgetreten ist, ist das Risiko einer neuerlichen Thrombose erheblich erhöht. Kommen weitere Risikofaktoren hinzu, multiplizieren sich diese miteinander und lassen das Thromboserisiko dramatisch ansteigen. Außerdem ist die Gefahr einer Thrombose nach einem Kaiserschnitt deutlich höher ist als nach einer vaginalen Entbindung. Hier hilft nur eine konsequente Thrombosevorbeugung. Um die Venenfunktion zu unterstützen und Folgeerkrankungen vorzubeugen, kann das Tragen von gut angepassten Kompressionsstrümpfen hilfreich sein.

Werdende Mütter sollten immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn ein Bein schmerzhaft anschwillt, sich bläulich verfärbt und die oberflächlichen Venen stärker mit Blut gefüllt sind. Der Arzt ist in der Lage Thrombosen mit Hilfe von Ultraschall oder Kernspintomografie nachzuweisen und gegebenenfalls mit blutverdünnenden Medikamenten zu behandeln.


Eileiterschwangerschaft
Nistet sich ein befruchtetes Ei nicht in der Gebärmutter sondern außerhalb (extrauterin) ein, spricht man von einer Eileiterschwangerschaft. In diesem Fall wäre die schwangerschaftstypische Hormonwirkung vorhanden, jedoch kein Fruchtsack oder Embryo in der Gebärmutter zu sehen. Die meisten Eileiterschwangerschaften enden komplikationslos von selbst. Ist das nicht der Fall, muss mittels Medikamenten oder Operation (schonende Schlüsselloch-Chirurgie) eingegriffen werden, damit es zu keinem Durchbruch der Eileiter kommt.


Gebärmuttersenkung
Eine Gebärmuttersenkung ist ein Tiefertreten der Gebärmutter und der Vagina, ohne dass Teile davon aus den Geschlechtsorganen austreten. Das Tiefertreten bewirkt eine Aussackung der Scheidenwand. Zugrund liegt oftmals eine Beckenbodeninsuffizienz (zum Beispiel nach Geburten) oder eine Erschlaffung des Band- und Halteapparates. Bei der Betroffenen entsteht ein Druck- oder Fremdkörpergefühl. Die Blasenfunktion, und u. U. auch die Stuhlentleerung, sind beeinträchtigt. Kommt es bei einer leichten Gebärmuttersenkung zu einer (erneuten) Schwangerschaft, kann es zu einer Verstärkung der Symptome - vor allem zu Harninkontinenz - kommen. Eine Gefahr für das Kind oder die Mutter bei der Geburt besteht nicht. Im Gegenteil, die Lockerung des Beckenbodens kommt den Bedürfnissen bei einer Geburt entgegen. Es sollten jedoch bereits in der Schwangerschaft Beckenbodenübungen erlernt werden. Fragen sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme, bzw. sprechen Sie die Problematik im Geburtsvorbereitungskurs an.


Rückenschmerzen in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft können Kreuzschmerzen im Bereich des Unterleibs auftreten. Die Ursachen dafür sind verschieden und abhängig vom Fortschritt der Schwangerschaft. Die Schmerzen geben sich meist im Laufe der Schwangerschaft oder spätestens nach der Geburt. Zum Schutz des Kindes sollte deshalb auf Röntgenuntersuchungen möglichst verzichtet werden. Die Ursache für die Schmerzen müssen aber unbedingt abgeklärt werden. Kreuzschmerzen sind im ersten Drittel der Schwangerschaft ein Hinweis für

  • eine schnell wachsende Gebärmutter,
  • Einklemmungserscheinung bei einer gegen den Gebärmutterhals nach hinten abgeknickten Gebärmutter (Retroflexio uteri) oder
  • eine Störung der Frühschwangerschaft (Abbruch, Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter).

Im späteren Verlauf der Schwangerschaft können Rückenschmerzen aus folgenden Gründen auftreten:

  • Schmerzhafte Gebärmutterkontraktionen
  • Nierenerkrankungen
  • Druck des kindlichen Kopfes und der Gebärmutter auf die sensiblen Nervenendigungen des kleinen Beckens
  • Veränderung der Körperhaltung durch die Schwangerschaft
  • Auflockerung des Beckenrings durch die Schwangerschaftshormone, der Gelenke, Bandverbindungen und Muskulatur als Vorbereitung auf die Geburt

Wochenbettdepression
So genannte Heultage nach der Geburt, die vermutlich auf den Abfall des Hormonspiegels durch den Ausstoß des Kindes aus der Gebärmutter zurück zu führen sind. Die Wochenbettdepression kann sich in ausgeprägter Verstimmung mit Weinerlichkeit, Energielosigkeit, Apathie, Unruhe, Konzentrationsschwäche und Überempfindlichkeit ausdrücken. Die Betroffene kann meist nicht richtig schlafen. An einer Wochenbettdepression leidet ungefähr die Hälfte der Wöchnerinnen. Eine begleitende Psychotherapie kann unterstützen.


Wochenbettpsychose
Bei 1 bis 2 von 1000 Geburten tritt eine Psychose im Wochenbett auf. Die Bezeichnung wird für alle Fälle, die im Puerperium auftreten angewandt, ohne nach Ursache zu unterscheiden. Die Wochenbettpsychose beginnt meist 2 Wochen nach der Geburt, seltener nach 6 bis 12 Wochen. Symptome sind unterschiedlich und wechseln oft auch plötzlich. Es kann zu depressiven oder manischen Verstimmungen kommen. Ebenso kann starke Unruhe, Verwirrtheit, Angst, Halluzinationen und Wahn auftreten. Betroffene leiden häufig unter Schlafstörungen. Die Aussicht auf Heilung ist kurzfristig gut, es kann jedoch zu Rückfällen kommen. Behandlung wie „normale" Psychose.

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