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1. Schwangerschaftsdrittel

Entwicklung des Embryos


Eine Schwangerschaft wird meist ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung gerechnet. Da der Eisprung und die Befruchtung aber erst etwa 2 Wochen später stattgefunden hat, ist der Embryo oder Fetus immer 2 Wochen jünger, als es die Anzahl der Schwangerschaftswochen (SSW) vermuten lässt.

Nach der Befruchtung (in der 3. SSW) teilt sich die Zygote (befruchtete Eizelle) mehrfach, so dass in kurzer Zeit, ein Zellhaufen entsteht. Die Gebärmutter bereitet sich in dieser Zeit auf die Einnistung des Embryos vor. Ist das Zellpaket (Blastozyste) nach seiner Wanderung durch den Eileiter in der Gebärmutter angekommen, so teilt es sich in zwei getrennte Teile: der eine bildet den so genannte Mutterkuchen (Plazenta), der sich tief in die Gebärmutterwand eingräbt und aus dem sich der Embryo während der gesamten Schwangerschaft ernährt, aus dem anderen Teil entwickelt sich der Embryo. Einige Zellen der Plazenta bilden das Schwangerschaftshormon HCG. Dadurch wird den Eierstöcken und der Hirnanhangdrüse im Gehirn mitgeteilt, dass die Frau schwanger ist und in den nächsten Monaten kein Eisprung stattzufinden hat. Gleichzeitig bewirkt dieses Signal, dass der Eierstock vermehrt Progesteron bildet, das dafür sorgt, dass die Gebärmutterschleimhaut erhalten und nicht für eine Regelblutung abgebaut wird.

Hat die Einnistung stattgefunden, bilden sich aus der Masse an gleichen Zellen in mehreren Schritten drei verschiedene Zelllagen (Keimblätter). Zuerst entsteht das äußere Keimblatt, das Ektoderm, und das innere Keimblatt, das Entoderm. Die Zellkugel streckt sich in die Länge und wird flacher.

Aus dem Ektoderm werden sich nach und nach folgende Strukturen entwickeln:

  • das zentrale Nervensystem
  • das periphere Nervensystem
  • das senorische Epithel (für die Sinnesorgane wie Ohr, Nase, Auge)
  • die Haut und Haaranlagen
  • die Hypophyse
  • die Schweißdrüsen
  • die Milchdrüsen
  • der Zahnschmelz

Aus dem Entoderm werden im Laufe der Zeit diese Strukturen entstehen:

  • die Schilddrüse und Nebenschilddrüse
  • die Leber und Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
  • Mandeln und Thymus
  • die innere Auskleidung des Gastrointestinal- (= Verdauungs-) und Respirationstraktes (=Atmungstrakt) sowie der Harnblase

Sind diese beiden Keimblätter gebildet, gestaltet sich der bestehende Embryoblast durch Einstülpung von Ektodermzellen entlang der Mittellinie nach innen zu einem dreischichtigen Gebilde um: Zwischen dem Ekto- und dem Entoderm entsteht das dritte, mittlere Keimblatt, das Mesoderm.

Nun kann die Bildung der Organe (Organogenese) beginnen. Entlang der Längsachse des Embryos (Kopf-Schwanz-Richtung) sinkt der mittlere Punkt des Ektoderms etwas ab. Von den Seiten schieben Zellen nach, so dass ein geschlossenes Rohr, das Neuralrohr entsteht. Daraus wird sich der Großteil des Nervensystems und das Gehirn bilden. Gleichzeitig mit der Bildung des Neuralrohres gliedert sich das Mesoderm in gleichmäßig große Zellblöcke, die auf beiden Seiten des Neuralrohres liegen: die so genannten Somiten. Sie sind für die gleichmäßige Segmentierung des Körpers verantwortlich.

Aus ihnen entstehen:

  • die Wirbelsäule mit den einzelnen Wirbelkörpern
  • die Knorpel und Knochen
  • das Herz
  • die quergestreifte Muskulatur
  • das Bindegewebe
  • die Blut- und Lymphgefäße
  • das Urogenitalsystem
  • Teile der meisten inneren Organe

Im ersten Drittel der Schwangerschaft entwickeln sich bereits alle Organe. Auch die Ohren, Augen und Augenlider sind schon entwickelt. Bereits ab dem 22. Tag, also in der 5. SSW, beginnt das Herz zu schlagen - ab der 8. Woche ist der Herzschlag auch auf dem Ultraschall nachweisbar. In der 12. Woche ist der Fetus etwa 6 cm lang und 15g schwer. Sein Herz schlägt 120- bis 160-mal pro Minute.

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