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Hypothalamische Ovarialinsuffizienz

Allgemeines

Hier liegt eine zentrale Störung in den Bereichen des Gehirns vor, die für die hormonelle Steuerung der Ovarien zuständig sind. Das Hormon GnRH wird normalerweise rhythmisch alle 90 Minuten aus Zellen des Hypothalamus ausgeschüttet. Ist dieser Rhythmus gestört oder aufgehoben, führt das zu einem breiten Spektrum von Störungen der Eierstockfunktion. Dabei sind die Ovarien in ihrer Funktion völlig intakt, werden aber nicht ausreichend stimuliert.

Ursachen

Ursächlich entsteht eine hypothalamische Ovarialinsuffizienz meist durch psychische Belastungen, die den hormonellen Stoffwechsel im Hypothalamus beeinflussen, so dass es zu einer reduzierten Ausschüttung von GnRH kommt. Häufige Auslöser sind Untergewicht auf Grund von Anorexia nervosa (Magersucht) oder Leistungssport. Damit der Taktgeber im Hypothalamus funktioniert und regelmäßig GnRH ausschütten kann, braucht der Körper eine Mindestfettmasse von 22%, bzw. der Body-Mass-Index muss >19 sein. Weitere Ursachen sind Stress, Tumoren, welche die Sekretion der Hormone behindern (z. B. Prolaktinome), Schilddrüsenunterfunktion oder Medikamenteneinnahme.
Eine seltene, genetisch vererbte Ursachen ist das Kallmann-Syndrom. Es ist definiert als ein gleichzeitiges Vorkommen einer Störung des Geruchssinnes und einer fehlenden Steuerung der GnRH-Produktion. Überwiegend ist das männliche Geschlecht davon betroffen (hier äußert es sich in einer fehlenden Hodenanlage), aber es kann auch bei Frauen vorkommen. Da hier die äußeren Geschlechtsorgane normal entwickelt sind, wird die Diagnose oft erst in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter gestellt.

Krankheitsbild

Da der hypothalamischen Ovarialinsuffizienz häufig psychische Ursachen, wie Magersucht oder Bulimie, zu Grunde liegen, können Anzeichen dieser Erkrankungen den Blick auf eine Störung der Eierstockfunktion lenken.

Folgen dieser Erkrankungen sind Symptome wie

Liegt ein Tumor im Gehirn vor, können Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen auftreten.

Erkennung

Damit sich der Frauenarzt einen Überblick verschaffen kann, steht grundsätzlich immer am Anfang der diagnostischen Abklärung eine ausführliche Anamnese. Informieren Sie Ihren Arzt dabei über Veränderungen in Ihrem Menstruationszyklus. Anschließend wird der Gynäkologe eine Betrachtung des äußeren Erscheinungsbildes der Patientin, eine allgemeine körperliche Untersuchung sowie eine gynäkologische vaginale und rektale Untersuchung vornehmen. Sinnvoll ist es, einen Schwangerschaftstest durchzuführen. Da sich eine Schwangerschaft zuerst mit dem Ausbleiben der Menstruationsblutung äußert, könnte fälschlicherweise dahinter auch eine Ovarialinsuffizienz vermutet werden.

Zur weiteren Abklärung sind Analysen der Hormonkonzentrationen im Blut erforderlich. Da die Plasmaspiegel tages- und vor allem zyklusabhängigen Schwankungen unterliegen, sollte dies bei dem Zeitpunkt der Blutentnahme unbedingt berücksichtigt werden. Teilen Sie Ihrem Arzt mit, an welchem Zyklustag Sie sich befinden. Bestimmt werden sollte beim Verdacht auf hypothalamische Ovarialinsuffizienz das FSH, LH, Östradiol und Progesteron. Diese Werte können deutlich erniedrigt sein, oder aber im Normbereich liegen.

Beim Kallmann-Syndrom sind noch weitere Hormonwerte verändert: die Konzentrationen von Gonadotropinen, Prolaktin, Insulin und anderen sind niedriger als normal.

Therapie

Medikamentöse Therapie

Bei Frauen ohne Kinderwunsch, mit Tumoren, Kallmann-Syndrom oder durch Medikamente ausgelöster hypothalamischer Ovarialinsuffizienz, sollten die fehlenden Hormone ersetzt werden. So wird auch das Risiko für eine durch Hormonmangel geförderte Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt.

Psychologische Therapie

Bei Frauen mit Essstörungen (Magersucht, Bulimie) bietet sich an erster Stellte eine Therapie von psychologischer bzw. psychiatrischer Seite an. Der Frauenarzt  sollte allerdings auf Grund der körperlichen Begleitsymptome auf jeden Fall hinzugezogen werden. Normalisiert sich das Gewicht bzw. die Essstörung, stellt sich der Zyklus in der Regel nach einiger Zeit wieder ein und die Ovarien funktionieren regelrecht.

Normalgewichtige Frauen, bei denen Stress als Ursache der Störung vermutet wird, sollten neben der Hormontherapie ebenfalls psychologische Begleitung suchen. Entspannungsübungen zur Stressbewältigung können dazu beitragen, das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren.

Leistungssportlerinnen

Sportlerinnen, die noch nie ihre Regel hatten (primäre Amenorrhö), müssen nicht unbedingt mit Östrogenen behandelt werden. Hier ist das Risiko einer Osteoporose noch nicht gegeben, weil Knochenabbau durch einen Mangel an Östrogen erst entsteht, wenn der Knochen Kontakt mit dem Hormon hatte. Hatte die Frau noch keine Regelblutung, kann auch kein durch Östrogenmangel bedingter Knochenabbau stattfinden. Die Sportlerin sollte jedoch auf eine ausgewogene Ernährung mit hohem Kalziumanteil achten.

Frauen, bei denen sportbedingt die Regel ausbleibt (sekundäre Amenorrhö), sollten eine Hormontherapie durchführen. Eventuell muss mit dem Arzt besprochen werden, wie eine möglicherweise auftretende Wassereinlagerung und damit eine leichte Gewichtserhöhung zu vermeiden ist, um die sportlichen Leistungen nicht negativ zu beeinflussen. Sind bei der Sportlerin bereits Ermüdungs- oder Überlastungsfrakturen aufgetreten, kann eventuell die Einnahme von Bisphosphonaten zur Stabilisierung des Knochens sinnvoll sein.

Andere internistische Erkrankungen

Andere internistische Erkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung müssen ebenfalls behandelt werden, da sich auch dieses hormonelle Ungleichgewicht auf die Funktionsfähigkeit der Eierstöcke auswirken kann.

Autor/Autoren: äin-red

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