Kreuzschmerzen bei gynäkologischen Erkrankungen

Kreuzschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins können eine Reihe gynäkologisch bedingter Ursachen haben. Dazu gehören:

Lageveränderungen der Gebärmutter

Die Gebärmutter verändert abhängig von Körpergewicht, der Körperhaltung, beim Pressen sowie durch Volumenänderungen des Blaseninhalts ständig ihre Lage im kleinen Becken. Die häufigste Lage der Gebärmutter im Unterleib ist eine leichte Vorwärtsneigung.

Rückwärtsverlagerung

25 % aller Frauen haben eine angeborene Rückwärtsknickung (Retroreflexio) der Gebärmutter, die häufig zu menstruationsbegleitenden Rückenschmerzen führt. Zu einer Rückwärtsverlagerung (Retroversio) der Gebärmutter kann es beispielsweise in Folge einer Geburt kommen, bei welcher die Mutterbänder der Gebärmutter stark gedehnt wurden.

Bei dem Krankheitsbild Retroversio uteri neigt sich die gesamte Gebärmutter nach hinten in die Kreuzbeinhöhle, ohne dass die Lage von Gebärmutterhals und Gebärmutterkörper zueinander verändert wird. Bei einem Retroflexio uteri ist die Gebärmutter gegen den Gebärmutterhals nach hinten abgeknickt. Meistens verursachen diese Lageveränderungen keine Beschwerden. Bei wenigen Frauen können jedoch Kreuzschmerzen auftreten. Die Schmerzen treten beidseitig im Bereich der Kreuzbeinhöhle und der Lendenwirbelsäule, vorwiegend während der Periode auf. Auch körperliche Anstrengungen und Geschlechtsverkehr können die Schmerzen verstärken.

Gebärmuttersenkung (Descensus uteri)

Eine weitere Form der Lageveränderung ist die Gebärmuttersenkung. Auch bei diesem Krankheitsbild können Frauen unter uncharakteristischen Kreuzschmerzen leiden. Die Gebärmutter senkt sich, meist zusammen mit den Scheidenwänden, nach unten ab. Das Ausmaß kann ganz unterschiedlich sein. Ursache ist eine Schwäche des Beckenbodens ( Beckenbodentraining). Die Schmerzen entstehen durch den Zug, den die abgesenkten Organe am Halteapparat (den Mutterbändern) der Gebärmutter ausüben. Bei einer schweren Senkung beruhen die Rückenschmerzen meist auf einer Änderung der Körperhaltung und des Gangs.

Die Rückenschmerzen treten bei einer Senkung meist zusammen mit anderen Beschwerden auf. Symptome einer Gebärmuttersenkung können sein:

  • Druckgefühl nach unten („Ich habe das Gefühl mir fällt alles heraus.")
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen und Stuhlgang
  • Ausfluss (Fluor)
  • Stuhlverstopfung
  • Harninkontinenz
  • Geh- und Sitzbehinderung

Gynäkologische Tumore

Myome

Myome - gutartige Wucherungen in oder an der Gebärmutter - können abhängig von ihrer Lage Ursache für Kreuzschmerzen sein. Mediziner schätzen, dass bei 20 bis 50% aller Frauen Myome auftreten, die gutartig sind. Etwa die Hälfte der betroffenen Frauen bleibt mit einem Myom beschwerdefrei - bei ihnen ist keine Behandlung nötig. Häufig werden die Myome zufällig bei der Untersuchung beim Frauenarzt entdeckt.

Nur ein Teil der Frauen mit einem Myom leidet unter häufig auch zyklusabhängigen Rückenschmerzen. Dazu kann eine Vielzahl weiterer Beschwerden kommen. Zu diesen können auch abhängig von der Lage der Myome Blutungsstörungen (langanhaltende starke Blutungen, Krämpfe), Beschwerden beim Wasserlassen, Druck auf Blase und Darm gehören.

Bösartige Tumore (Eierstockkrebs) oder gutartige Zysten an den Eierstöcken können ab einer gewissen Größe Kreuzschmerzen verursachen.
Auch bösartige Tumore an der Gebärmutter und im Bereich des Enddarms können Schmerzen verursachen, die - in einem relativ späten Stadium - in das Kreuzbein ausstrahlen.

Endometriose

Bei der Endometriose siedeln sich versprengte Inseln von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter, z. B. an den Eierstöcken oder im Bauchraum an. Die Schleimhautzellen durchlaufen im Zyklus die gleichen Veränderungen wie die Gebärmutterschleimhaut, was zu zyklusabhängigen starken Schmerzen während und vor der Periode führen kann. Die Beschwerden treten je nach Lage der Endometrioseherde im Unterleibbereich, im Vorderbauch oder im Rücken auf.

Chronische Entzündungen

Eine Entzündung der Organe des kleinen Beckens kann zu Rückenschmerzen führen. Diese kann die Eileiter (Salpingitis) und/oder die Eierstöcke (Adnexitis), die Gebärmutterschleimhaut (Endometritis, Gebärmutterentzündung), den Gebärmutterhals (Zervizitis) oder sämtliche Organe zusammen (Pelvic inflammatory disease) betreffen.

 

 

Menstruationsbeschwerden

Rückenschmerzen sind ein mögliches Begleitsymptom krampfartiger Unterleibsschmerzen in den ersten Tage der Menstruation, die bis zum Ende der Menstruationsblutung andauern können. Vor allem junge Frauen und Mädchen leiden unter diesen Beschwerden, die sich oft nach der Geburt des ersten Kindes bessern. Von diesen Regelschmerzen unterscheiden sich Beschwerden, von denen meist etwas ältere Frauen betroffen sind und die ebenfalls von Rückenschmerzen begleitet sein kann. Als mögliche Ursache kommen Myome, Entzündungen im Bereich der Geschlechtsorgane (Gebärmutterentzündung oder Eileiter- / Eierstockentzündung) oder psychische Gründe in Frage. Bei heftigen Schmerzen und starken Blutungen sollte der Frauenarzt aufgesucht werden.

Schmerzentstehung bei gynäkologischen Erkrankungen

Bei den gynäkologisch bedingten Rückenschmerzen wird der Schmerz von den erkrankten weiblichen Geschlechtsorganen auf Wirbelsäule und Rückenmuskulatur übertragen. Man unterscheidet zwischen mechanischer und nervöser Schmerzübertragung.

Mechanische Schmerzübertragung

Die inneren weiblichen Geschlechtsorgane sind an der Wirbelsäule und der hinteren Beckenwand befestigt und aufgehängt. Die Verbindung zwischen dem Halteapparat der inneren Geschlechtsorgane, der Knochenhaut (Periost) der hinteren Beckenwand und den Muskelfasern der Wirbelsäulenmuskulatur ist sehr eng. Auf diese Weise können die inneren weiblichen Geschlechtsorgane auf die Wirbelsäule einen Zug oder Druck ausüben und dadurch die Schmerzsensoren des Nervensystems erregen. Der Reiz kann durch eine Verlagerung der Gebärmutter, Schwellung und Verkürzung des Halteapparates entstehen. Auch Druck durch Tumore, denen es in der Höhle des kleinen Beckens zu eng wird, kann Rückenmarksnerven reizen.

Nervöse Schmerzübertragung

Jeder periphere Nerv im Körper hat einen sensiblen, für eine bestimmte Hautzone verantwortlichen Anteil (Headsche Zone), einen motorischen, für einen bestimmten Muskel verantwortlichen Anteil sowie einen Anteil, der ein inneres Organ versorgt. Diese Nervenanteile sind miteinander verknüpft und können sich gegenseitig stimulieren, sie verlassen das Rückenmark in der Höhe der entsprechenden Bandscheibe. So können Verdrängung oder Beschädigung der Nerven aus dem unteren Sakralbereich zu Schmerzen im Becken, Inkontinenzproblem und ein Taubheitsgefühl im Dammbereich führen oder bei Erkrankungen im kleinen Becken alle Anteile des Nerven reagieren und Impulse an das Gehirn weiterleiten, das nicht in der Lage ist die genaue Lokalisation der Schmerzen  zu bestimmen.

Quellen

 

 

Autor/Autoren: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Doris Scharrel

Letzte Bearbeitung: 11.10.2018

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