Myome: Krankheitsbild

Bei der Hälfte der Frauen verursachen Myome keine Beschwerden und werden bei einer Routineuntersuchung beim Frauenarzt nur zufällig entdeckt. Meist sind es große Myome bzw. Myome in der unmittelbaren Nähe der Gebärmutterschleimhaut, die Probleme hervorrufen.

Mediziner unterscheiden verschiedene Myomformen danach, ob sie in das Innere der Gebärmutter (Uterus) hinein- oder zur Bauchseite hin wachsen. Im Inneren ist die Gebärmutter mit einer schützenden Schleimhaut (Endometrium) überzogen, auf der Außenseite wird sie durch die Serosa des Bauchfells (Peritoneum) vom Bauchraum getrennt.

Myome können submukös, intramural, subserös, intrazervikal sowie intraligamentär lokalisiert sein und auch gestielt auftreten.

Eine einheitliche Bezeichnung von Myom-Typen wird von der FIGO (Fédération Internationale de Gynécologie et d´Obstrétique) empfohlen. Die FIGO-Klassifikation unterscheidet insgesamt acht Typen:

Klassifikation von Myomen gemäß FIGO

SM - submukös

0 gestielt intrakaviär
1 < 50% intramural
2 ≥ 50% intramural
0 - andere



 

3 Kontakt zum Endometrium, 100% intramural
4 intramural
5 subserös ≥ 50% intramural
6 subserös < 50% intramural
7 subserös gestielt
8 andere (spezifizieren, z. B. zervikal, parasitär)

Hybrid-Myome (betreffen Endometrium und Serosa)

 

 

Angabe von zwei durch Bindestrich getrennten Ziffern. Die erste Ziffer bezeichnet die Lage im Verhältnis zum Endometrium, die zweite die Lage im Verhältnis zur Serosa, z. B.:
2-5 Submukös und subserös, jeweils mit weniger als der Hälfte Durchmesser in der endometrialen bzw. peritonealen Kavität

Abbildung mod. nach John Wiley & Sons, Inc. / Quelle: Wallwiener M. et al., Myome in der Schwangerschaft, Gynäkologische Endokrinologie 2015, 13:115-125

Intramurale Myome

Der häufigste Myomtyp ist der intramurale. Kleine Myome dieses Typs verändern die Form der Gebärmutter nicht, größere können zu kartoffelsackartigen Ausbuchtungen führen. Intramurale Myome lösen häufig Menstruationsbeschwerden wie starke Blutungen aus und können auf Nachbarorgane wie Darm oder Blase drücken. Dabei kann es zu Beschwerden beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang kommen. Drückt ein intramural gelegenes Myom dagegen auf eine Nervenendigung wie den Ischiasnerv, können Schmerzen im unteren Rücken oder in den Beinen auftreten. Sie können ferner für einen unerfüllten Kinderwunsch mitverantwortlich sein.

Quelle: Wallwiener M. et al., Myome in der Schwangerschaft, Gynäkologische Endokrinologie 2015, 13:115-125
Rabe T et al. Myomsprechstunde: Kinderwunsch Neue diagnostische und therapeutische Optionen bei Patientinnen mit Myomen. Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2017; 14 (4): 158-170

Subseröse Myome

Subseröse Myome rufen ähnliche Symptome hervor wie intramurale. Sie lösen aber im Gegensatz zu diesen keine Blutungsstörungen aus, weil sie auf der Außenseite der Gebärmutter sitzen. Daher scheinen sie auch bisherigen Erkenntnissen zu Folge die Fertilität nicht zu beeinträchtigen, sofern sie keinen Einfluss auf die Eierstöcke haben. Während der Wachstumsphase können sie so weit hervortreten, dass sie nur noch über einen Stiel mit der Gebärmutter verbunden sind. Eine Stieldrehung kann zu heftigen Schmerzen führen. Die von subserösen Myomen verursachten Beschwerden reichen von Becken-, Rücken- und Ischiasschmerzen, bis hin zu Verstopfung, verstärktem Harndrang, Blutstau in den Beinen oder einer Blasenentzündung.

Wächst das Myom weiter an, können sich die Symptome verstärken und dauerhaft auftreten. Außerdem ist beim Druck auf den Eileiter eine Beeinflussung der Fruchtbarkeit möglich. Bei gänzlicher Blockade des Eileiters kann eine Frau unfruchtbar werden. Gefährlich werden kann ein subseröses Myom, wenn es durch Stieldrehung und Zerfall zu einem sogenannten akuten Abdomen führt, das durch starke Bauchschmerzen gekennzeichnet ist und sofort behandelt werden muss.

Quelle: Rabe T et al. Myomsprechstunde: Kinderwunsch Neue diagnostische und therapeutische Optionen bei Patientinnen mit Myomen. Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2017; 14 (4): 158-170

Submuköse Myome

Liegt ein Myom in der Gebärmutterschleimhaut (submukös), verursacht es bis zu 95% Blutungsstörungen und kann bei entsprechender Größe wehenartige Schmerzen hervorrufen. Man unterscheidet eine verstärkte Regelblutung (Hypermenorrhoe), eine verstärkte und verlängerte Blutung (Menorrhagie) oder Blutungen außerhalb der normalen Regelblutung (Metrorrhagie). Submuköse Myome kommen mit einem Anteil von etwa 5 % aber sehr selten vor.

Die Blutungsstörungen entstehen dadurch, dass einerseits die Gebärmutterschleimhaut gereizt wird und andererseits der Gebärmutterraum sowie die Bildung von Blutgefäßen verändert ist. Dabei kann es zu Gewebeablösungen kommen, die mit einer Blutung ausgeschieden werden. Außerdem beeinflussen Myome die Kontraktionsfähigkeit des Gebärmuttermuskels, der die Blutzufuhr reguliert. Dauerblutungen können entstehen, wenn wegen eines Myoms ein Blutgefäß nicht gedrosselt werden kann.

Eine Therapie richtet sich nach der Ursache. Allgemein können Mittel verabreicht werden, welche die Kontraktionsfähigkeit des Gebärmuttermuskels beeinflussen.

Die verschiedenen Formen der Blutungsstörungen können zu einer Blutarmut (Anämie) führen und mit Krämpfen einhergehen. Submuköse Myome beeinflussen zudem die Fruchtbarkeit.

Quelle: Rabe T et al. Myomsprechstunde: Kinderwunsch Neue diagnostische und therapeutische Optionen bei Patientinnen mit Myomen. Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2017; 14 (4): 158-170

Zervixmyome und intraligamentäre Myome

Seltener wachsen Myome auch am Gebärmutterhals (Zervix) und an den Bändern, welche die Gebärmutter in ihrer Position im Körper halten. Sie werden dann als Zervixmyome oder intraligamentäre Myome bezeichnet. Erstere rufen Beschwerden durch Druck auf den Harnleiter, die Blase oder den Mastdarm hervor, während intraligamentäre Myome zu einem Harnstau führen können oder auf Beckengefäße und Nerven drücken.

Auswirkungen & Komplikationen

Wie stark die Beschwerden sind, die ein Myom verursacht, hängt neben seiner Lage vor allem von seiner Wachstumsgeschwindigkeit ab. Diese wird durch weibliche Geschlechtshormone beeinflusst. Daher kann eine Schwangerschaft, die Einnahme der „Pille" oder eine Hormonersatztherapie Auswirkungen auf das Myomwachstum haben. Obwohl Myome meist nach dem 20. Lebensjahr zu wachsen beginnen, treten die meisten Symptome erst bei Frauen zwischen dem 30-40 Lebensjahr auf.
Die Wachstumsgeschwindigkeit weist große Unterschiede auf, so dass Vorhersagen über den Verlauf nur sehr schwer getroffen werden können.

Ein Myom kann folgende Erkrankungen und Komplikationen verursachen:

1. Blutarmut (Eisenmangelanämie)

Eine verstärkte Regelblutung mit hohem Blutverlust oder Dauerblutungen, die durch ein Myom ausgelöst werden, können zu einer Blutarmut (Eisenmangelanämie) führen. Typische Kennzeichen einer solchen Erkrankung sind eine blasse Hautfarbe, Herzklopfen und Atemnot bei Belastung, sowie Schwindel und Kopfschmerzen. Die Betroffenen haben Konzentrationsschwierigkeiten, fühlen sich schwach und ermüden leicht. Diese Beschwerden entstehen durch einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Dieser kann durch einen hohen Blutverlust bedingt sein, durch ein frühzeitiges Absterben der roten Blutkörperchen (Hämolyse) oder durch eine verminderte Blutkörper-Produktion. Da die roten Blutkörperchen den Körper mit Sauerstoff versorgen, führt ein Mangel zu einer Unterversorgung von Geweben und Organen.

Eine Anämie macht sich vor allem bei körperlicher Anstrengung bemerkbar. Zur Diagnose ist eine Blutuntersuchung nötig. Bei der Beurteilung des Schweregrades einer Anämie orientiert sich der Arzt in erster Linie am Hämoglobingehalt des Blutes. Für Frauen liegt der Normalwert bei 12 bis 16 Gramm pro Deziliter beziehungsweise 7,4 Millimol pro Liter.

In Europa ist die Eisenmangel-Anämie am weitesten verbreitet. Dabei kommt es neben den Symptomen einer Anämie zusätzlich zu einer Rückbildung der Schleimhäute, eingerissenen Mundwinkeln, brüchigen Haaren und Nägeln, verminderter Leistungs- und Lernfähigkeit, Kälte-Überempfindlichkeit sowie einer verminderten Resistenz gegenüber Infekten.

Quelle: Arastéh K. et al., Innere Medizin. Stuttgart 2013.
Nelson A. L. et al., Severe anemia from heavy menstrual bleeding requires heightened attention. Am J Obstet Gynecol 2015

2. Komplikationen in der Schwangerschaft

Es ist nicht die Regel, dass Myome in der Schwangerschaft Probleme verursachen. Sie können aber durch ihre Lage und Größe zu Komplikationen führen. Kleinere Myome werden während einer Schwangerschaft oft schnell größer, da das erhöhte Vorkommen des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen ihr Wachstum beschleunigt.

Ab einer bestimmten Größe können Myome für vorzeitig auftretende Wehen verantwortlich sein und Lageanomalien des Kindes wie die Steißlage hervorrufen. Dehnt ein Myom das Bauchfell oder kommt es bei einem auf der Bauchseite liegenden Myom (subseröses Myom) zu einer Stieldrehung, kann dies große Schmerzen auslösen. Befindet sich ein Myom am unteren Ende der Gebärmutter, ist eine Blockade des Geburtskanals möglich, so dass ein Kaiserschnitt erforderlich wird. In manchen Fällen werden Myome oder die Plazenta auch erst während der Schwangerschaft nach unten gedrängt und erschweren die Geburt.

Liegt das Myom direkt unter der Gebärmutterschleimhaut (submuköses Myom) oder in der Gebärmutterhöhle, kann es zu Störungen bei der Einnistung eines Embryos kommen. Die Folge kann eine Eileiterschwangerschaft oder eine Fehlgeburt sein. Studien belegen, dass bei Myompatientinnen die Fehl- und Frühgeburtsrate erhöht ist. Auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt werden, wenn ein Myom den Eileiter blockiert. Kinderlosigkeit kann dann die Folge sein. Myome sollten aber nicht leichtfertig als Ursache für Unfruchtbarkeit angenommen werden.

Verläuft die Geburt normal, ist die Ablösung der Plazenta bei großen Myomen in der Gebärmuttermuskelschicht (intramurales Myom) häufig verzögert und mit einem hohen Blutverlust verbunden. Im Wochenbett bilden sich Myome häufig auf ihre Ausgangsgröße zurück. 3-6 Monate nach der Entbindung sind manchmal sogar kleiner als zuvor und zum Teil sogar nicht mehr nachweisbar.

Quellen: Wallwiener M. et al., Myome in der Schwangerschaft, Der Gynäkologe 2014
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3. Harnwegsinfektion und Nierenerkrankung

Große Myome, welche die Harnwege verlegen, verursachen gelegentlich Harnwegsinfektionen. Eine dauerhafte Harnleiterverengung durch ein Myom kann zu einer Schädigung der Nieren führen.

Die Nieren erfüllen für den Körper eine wichtige Filterfunktion - sie reinigen das Blut von "Abfallprodukten" des Körpers, die anschließend über den Urin ausgeschieden werden. Die Symptome einer fortgeschrittenen Nierenschädigung machen sich erst nach einigen Jahren bemerkbar. Dazu gehören beispielsweise Juckreiz, eine veränderte Hautfarbe, Leistungsschwäche, Kopfschmerzen, Blutarmut (Anämie), Gewichtszunahme, Bluthochdruck und vermehrte Wassereinlagerung in den Beinen (Ödeme).

4. Strukturveränderungen des Myoms

Akute Komplikationen sind das Abreißen eines gestielten Myoms oder Stieldrehungen, die starke Schmerzen verursachen können. Wird die Blutzufuhr des Myoms abgeschnitten, sterben die Zellen aufgrund von Sauerstoffmangel ab (Nekrose). Der Vorgang tritt vor allem bei gestielten Myomen auf oder wenn eine große Anzahl an Myomen die Blutversorgung der einzelnen Wucherungen vermindert. Auch die Nekrose ist für die Patientin oft sehr schmerzhaft.

Myome können in dreißig Prozent der Fälle ihre Struktur verändern, z. B. durch Einblutungen oder Kalkeinlagerungen. Diese Veränderungen können entstehen, wenn die Blutzufuhr des Myoms nicht vollständig unterbunden, sondern nur beeinträchtigt ist (Ischämie = Unterversorgung eines Gewebes mit Blut). Häufig ist eine Gewebeveränderung, die eine weichere Konsistenz des Myoms zur Folge hat. Typisch ist auch die Ausbildung von Hohlräumen (Zysten), die gelatineartiges Material enthalten. Gefährlich werden kann eine Entzündung und Vereiterung oberflächlich gelegener Myome durch eingeschleppte Keime. In seltenen Fällen kann es dadurch zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Quelle: Gupta S, Manyonda IT. Acute complications of fibroids. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol. 2009 Oct;23(5):609-17.

5. Bösartiger Tumor (Sarkom)

Früher nahm man an, dass sich aus gutartigen Myomen in seltenen Fällen bösartige Tumore, so genannte Sarkome entwickeln können. Neuere genetische Untersuchungen machen es unwahrscheinlich, dass diese Tumore aus vorbestehenden gutartigen Tumoren hervorgehen. Vielmehr scheinen sie unabhängig von möglicherweise vorhandenen Myomen zu entstehen. Sarkome treten etwa in knapp 3 von 1000 Fällen auf. Es ist jedoch nicht möglich, ein gutartiges Myom ohne chirurgischen Eingriff von einem Sarkom zu unterscheiden.

Ein Sarkom unterscheidet sich von einem Myom vor allem dadurch, dass es auf umliegende Gewebe übersiedelt (Infiltration) oder über das Lymphsystem oder den Blutkreislauf in entferntere Gewebe gelangt (Metastasenbildung). Durch sein starkes Wachstum beeinflusst ein Sarkom die Funktion gesunder Organe. Die Aussicht auf eine Heilung hängt stark vom Stadium der Diagnose der Erkrankung ab.

Quelle: Kaufmann M. et al., Die Gynäkologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2006; 2. Auflage, pp. 356-357
S3-Leitlinie: Indikation und Methodik der Hysterektomie bei benignen Erkrankungen, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. April 2015


Quellen: Zimmermann, A. et a. Prevalence, symptoms and management of uterine fibroids: An international internet-based survey of 21,746 women. BMC Women's Health 2012; Volume 12; 6
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Fürst S. et al., Uterus myomatosus- Überlegungen zur medikamentösen Therapie, gyne 01/2014
Nelson A. L. et al., Severe anemia from heavy menstrual bleeding requires heightened attention. Am J Obstet Gynecol 2015
Ahrendt H.J. et al. Management bei symptomatischen Uterus-Myomen. Der Privatarzt Gynäkologie 5/2014
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Rabe T et al. Myomsprechstunde: Kinderwunsch Neue diagnostische und therapeutische Optionen bei Patientinnen mit Myomen. Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2017; 14 (4): 158-170

Autor/Autoren: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Peyman Hadji

Letzte Bearbeitung: 03.05.2018

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