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Eileiterschwangerschaft: Therapie

Mit modernen Untersuchungsmethoden werden Eileiterschwangerschaften heute immer früher erkannt. Nur noch selten kommt es zu einem akuten Notfall. Dennoch muss bei der Entdeckung einer Fehleinnistung umgehend die Behandlung eingeleitet werden. Das Vorgehen richtet sich nach den verschiedenen Untersuchungsergebnissen: Ort der Fehleinnistung, Stadium der Schwangerschaft, Konzentration des Schwangerschaftshormons HCG, körperliche und psychische Situation der Patientin. Auch muss der Wunsch der betroffenen Patientin in Bezug auf die weitere Familienplanung berücksichtigt werden.
Grundsätzlich gibt es drei Vorgehensmöglichkeiten:

  1. Operative Entfernung des Schwangerschaftsgewebes oder des kompletten betroffenen Eileiters
  2. Medikamentöses Abtöten des Schwangerschaftsgewebes/Embryos
  3. Abwartendes Verhalten und Beobachten, ob die Schwangerschaft auf natürlichem Wege abgeht

Operation

Die Operation, das mechanische Entfernen einer Fehleinnistung, zählt heutzutage zu den Standardverfahren im Falle einer Eileiterschwangerschaft. In fast allen Fällen erfolgt die Operation endoskopisch mit der so genannten Laparoskopie (Bauchspiegelung) - unabhängig davon, ob der Erhalt oder die komplette Entfernung des betroffenen Eileiters durchgeführt wird. Dabei werden über einen kleinen Einschnitt in der Bauchdecke stabförmige chirurgische Instrumente in die Körperhöhle geschoben. Dieser mikrochirurgische Eingriff hat nicht nur kosmetische Vorteile, sondern verkürzt die Operationszeit und die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Weiterhin ist der Blutverlust minimal und die Genesung verläuft insgesamt schneller.
Bei instabilem Kreislauf und ausgedehnten Verwachsungen ist jedoch die operative Öffnung der Bauchhöhle (Laparotomie = Bauchschnitt) vorteilhafter. Diese kann von vorneherein geplant sein oder bei Komplikationen während oder nach einem mikrochirurgischen Eingriff nötig werden. Im akuten Notfall eines Eileiterrisses ist eine Laparotomie nicht zu umgehen.
Bei der Operation einer Eileiterschwangerschaft wird entweder nur das Schwangerschaftsgewebe über eine Eröffnung des Eileiters (Salpingotomie) oder aber der ganze betroffene Eileiter entfernt (Salpingektomie). Da etwa die Hälfte aller betroffenen Patientinnen zum Zeitpunkt des Eingriffs noch kinderlos ist, hat der Erhalt des Eileiters absoluten Vorrang. Die vollständige Entfernung des Eileiters ist notwendig, wenn die Tube unwiederbringlich geschädigt ist oder Komplikationen auftreten. Auch bei abgeschlossener Familienplanung ist eine Salpingektomie anzuraten.
Wie bei jeder Operation können auch bei der operativen Entfernung einer Eileiterschwangerschaft Komplikationen auftreten. So bleiben in einigen Fällen minimale Reste des Schwangerschaftsgewebes zurück (Trophoblastpersistenz) und wachsen weiter. Infolge dieser wachsenden Schwangerschaftsreste kann es im Extremfall auch noch nachträglich zum Zerreißen des Eileiters kommen. Eine Verlaufskontrolle des Schwangerschaftshormons HCG ist daher unbedingt erforderlich. Erst wenn kein HCG mehr im Blut nachzuweisen ist, war die vollständige Entfernung des Schwangerschaftsgewebes erfolgreich.

Medikamentöse Therapie

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung einer Eileiterschwangerschaft besteht in einer medikamentösen Therapie. Sie wird bisher zwar nicht so häufig angewendet wie die Operation, weist aber in den meisten Fällen sehr gute Erfolgsquoten auf. Oft wird diese Art der Behandlung nach einer Operation eingesetzt, wenn beispielsweise weiterhin wachsendes Schwangerschaftsgewebe zurückgeblieben ist.
Das Zellgift Methotrexat (MTX) wird bei der medikamentösen Therapie am häufigsten verwendet. Es wirkt auf das Wachstum und die Vermehrung der den Embryo umgebenden Zellen. Diese gehen zu Grunde, was auch zum Absterben des embryonalen Gewebes führt. Der Körper baut in der Folge das abgestorbene Material ab. Methotrexat wird entweder intravenös oder intramuskulär verabreicht. Weiterhin besteht die Möglichkeit, das Medikament direkt in das Schwangerschaftsgewebe zu spritzen. Die Wahl der Methode hängt prinzipiell vom Zustand der Patientin ab. Grundsätzlich kann eine MTX-Behandlung nur dann durchgeführt werden, wenn die Eileiterschwangerschaft vor dem Auftreten von Beschwerden entdeckt wurde, der Embryo zusammen mit dem umgebenden Gewebe kleiner als vier Zentimeter ist und die Konzentration des Schwangerschaftshormons HCG unterhalb eines bestimmten Schwellenwerts liegt.
Bei der medikamentösen Therapie mit MTX wird der Eileiter nicht, wie bei der Operation, verletzt. Das hat den Vorteil, dass keine Vernarbungen entstehen, die eine weitere Eileiterschwangerschaft begünstigen können. Die Erfahrung zeigt, dass sich nach einer MTX-Behandlung bei der Mehrheit der Frauen, die schwanger werden möchte, eine normale Gebärmutter-Schwangerschaft einstellt. Nur bei etwa 7% der medikamentös behandelten Frauen kommt es erneut zu einer Eileiterschwangerschaft.
MTX ist ein Zellgift, das auch in der Chemotherapie zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt wird. Nebenwirkungen, wie sie bei einer Chemotherapie auftreten, sind jedoch aufgrund der niedrigen Dosierung und dem kurzen Zeitraum der Behandlung sehr selten, aber nicht auszuschließen. Allgemeine Befürchtungen, dass die Therapie mit MTX das Risiko von Fehlbildungen, Aborten und bösartigen Tumoren bei Folgeschwangerschaften erhöht, konnten durch eine Vielzahl von Untersuchungen widerlegt werden. Dennoch wird aus Sicherheitsgründen empfohlen, ein halbes bis zu einem ganzen Jahr nach einer medikamentösen Behandlung verstreichen zu lassen, bevor ein erneuter Schwangerschaftsversuch unternommen wird. In dieser Zeit muss eine sichere Methode der Verhütung gewählt werden.

Beobachtung

Das abwartende Vorgehen und Beobachten, ob sich die Schwangerschaft zurückbildet, ist als Möglichkeit der Therapie sehr selten. Dies beruht darauf, dass die Patientinnen eine Eileiterschwangerschaft oft erst bemerken, wenn sofortiger Handlungsbedarf besteht. Doch nur bei einer sehr frühen Schwangerschaft ist abwartendes Vorgehen möglich. Hauptkriterien sind Beschwerdefreiheit und eine niedrige bzw. abfallende HCG-Konzentration im Blutserum.
Bei diesem Vorgehen muss der Fortgang der Eileiterschwangerschaft regelmäßig überprüft werden. Außerdem trägt die Schwangere ein großes Maß an Eigenverantwortung. Die mögliche Gefahr, dass ein operativer Eingriff dennoch erforderlich werden kann, muss klar vermittelt werden. Daher muss bei diesem Vorgehen für den Notfall eine schnelle stationäre Aufnahme und Operation gewährleistet sein.

Autor/Autoren: äin-red

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