Chlamydien-Infektion in der Gynäkologie

Urogenitale Infektionen mit Chlamydia trachomatis gehören weltweit zu den häufigsten durch sexuellen Kontakt übertragenen Krankheiten (STD - sexually transmitted diseases). Infizieren können sich Frauen und Männer.

Chlamydien können Entzündungen der Harnröhre (Urethritis), des Gebärmutterhalses (Zervizitis), der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) und der Eileiterschleimhaut (Salpingitis) verursachen. Mögliche weitere Komplikationen bestehen in einer Entzündung des Bauchfells der Leberkapsel (Perihepatitis) sowie auch einer Eileiterschwangerschaft oder dem Verschluss des Eileiters mit der Folge von Unfruchtbarkeit. Die Beschwerden sind oft sehr unspezifisch oder unscheinbar, so dass viele Frauen eine Infektion nicht bemerken (ca. 80%) und diese chronisch werden kann. Als Langzeitfolgen einer unbehandelten Chlamydien-Infektion können beispielsweise Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften oder Entzündungen der Organe des kleinen Beckens (Pelvic inflammatory disease, PID) auftreten.

Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis kann gravierende reproduktionsmedizinische Folgen haben. Der Zusammenhang von unbehandelten symptomatischen als auch symptomfreien Chlamydien-infektionen des Urogenitaltrakts mit schwerwiegenden gesundheitlichen und reproduktionsmedizinischen Problemen bis hin zur Unfruchtbarkeit ist eindeutig. In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 100.000 junge Frauen aufgrund einer Infektion durch Chlamydia trachomatis unfreiwillig unfruchtbar (steril). Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen der gesetzlichen Schwangerenvorsorge eine Testung auf Chlamydia trachomatis im ersten Drittel der Schwangerschaft empfohlen.

Infektionen bleiben häufig asymptomatisch und werden von Frauen in etwa 80 % der Fälle nicht bemerkt. Typisch ist daher der chronisch-schleichende Verlauf. Gleichzeitig sind die Träger von Chlamydia trachomatis unwissentlich eine ständige Gefahr für ihre Sexualpartner!
Die Spanne vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Auftreten erster Beschwerden dauert 5 bis 21 Tage. Bei Genitalinfektionen kann diese Inkubationszeit aber auch bis zu 6 Wochen dauern.
Erste Anzeichen sind ein gelblich-klebriger Ausfluss und Juckreiz sowie Brennen beim Wasserlassen. Weitere Krankheitszeichen sind leichte Blutungen beim Geschlechtsverkehr oder blutiger Ausfluss, Zwischenblutungen, Unterbauchschmerzen und Fieber.

Gebärmutterhalsentzündung & Harnröhrenentzündung

Meist beginnt eine Chlamydieninfektion mit einer Entzündung der Schleimhaut und der tieferen Schichten des Gebärmutterhalses (Zervititis). Der Großteil dieser Erkrankungen geht mit nur geringen klinischen Krankheitszeichen einher, weswegen die Infektion u. U. über Monate oder sogar Jahre unentdeckt vorliegen kann.

Ein Teil dieser Infektionen wird von einer Entzündung der Harnröhre (Urethritis) begleitet, die ebenfalls häufig mit nur geringen oder unspezifischen Beschwerden einhergehen, wie häufigem Harndrang oder einer erschwerten Blasenentleerung.

Entzündliche Beckenerkrankung

Die Chlamydien-Infektion kann in seltenen Fällen  in die Bauchhöhle aufsteigen und sich auf Eileiter und Eierstöcke ausbreiten (Adnexitis). In der Folge kann es zu einer Entzündung der Organe des gesamten kleinen Beckens (PID = Pelvic inflammatory disease) kommen. Die Eileiter können verkleben, so dass die Eizellen sie nicht mehr passieren können. Dies kann zu Unfruchtbarkeit oder einer so genannten ektopischen Schwangerschaft führen, bei der sich eine befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter, z. B. im Eileiter oder der Bauchhöhle einnistet.

Bei weiterem Fortschreiten der Chamydien-Infektion kann auch in sehr seltenen Fällen eine Entzündung des Bauchfellüberzugs unter Einbeziehung der Leberkapsel (Perihepatitis) auftreten. Zwischen der Leberkapsel und dem Bauchfell können sich Verwachsungsstränge bilden. Es können rechtsseitige Oberbauchschmerzen auftreten und es kann zu einer mäßigen bis starken Ansammlung freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Aszites) kommen (Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom).

Chlamydien-Infektion in der Geburtshilfe

Chlamydien-Infektionen stellen ein nicht unerhebliches Risiko für die Schwangere und den Schwangerschaftsverlauf dar. Es erscheint gesichert, dass das Risiko für Früh- und Fehlgeburten erhöht ist - auch weil ein Zusammenhang mit vorzeitigem Blasensprung besteht. Unter der Geburt wird eine Chlamydien-Infektion des Gebärmutterhalses (Zervix) auf ca. 2/3 der Neugeborenen übertragen. Die Übertragungsrate ist bei vaginaler Geburt am höchsten, kann aber auch im Rahmen einer Kaiserschnitt-Entbindung auftreten.

Chlamydien-Infektion bei Neugeborenen

Bei einer cervikalen Chlamydien-Infektion der Mutter kann es bei einer vaginalen Geburt bei Neugeborenen zu Infektionen der Augen (Einschlusskonjunktivitis), Ohren (Otitis media) oder auch dem Nasen-Rachenraum kommen.

Besonders problematisch und gefährlich sind darüber hinaus Lungenentzündungen, die so genannte atypische Pneumonie, die in 11 - 18 Prozent der Fälle bei Neugeborenen auftreten kann.
Auf das Neugeborene übertragene Chlamydien-Infektionen manifestieren sich meist am 5.-14. Tag nach der Geburt in Form einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis, Risiko 20-50%) bzw. zwischen dem ersten und dritten Lebensmonat in Form einer Lungenentzündung (Pneumonie, Risiko 5-30%) bzw. atypischen Pneumonie.

Somit liegt der Verdacht auf eine Chlamydien-verursachte Lungenentzündung immer dann nahe, wenn die klassischen und chronologischen Untersuchungen für eine atypische Pneumonie sprechen und bei der Mutter eine Chlamydien-Infektion in der Schwangerschaft diagnostiziert bzw. behandelt wurde oder eine einschlägige Untersuchung unterblieb!

Weitere Krankheitsbilder

Bindehaut-Entzündung

Möglich für beide Geschlechter ist eine Infektion der Augenbindehaut in ungenügend gechlortem Wasser von Schwimmbädern, da Chlamydia trachomatis dort überleben kann. Kennzeichen sind schleimig-eitrige Absonderungen, Entzündungen am Augen-Lid und eine Schwellung der Lymphknoten am Ohr.

Reaktive Arthritis - Reiter-Syndrom

Eine sehr seltene Komplikation, die vor allem bei Männern auftritt - grundsätzlich aber bei beiden Geschlechtern möglich ist, ist eine Gelenkentzündung (reaktive Arthritis), die sich bei ungefähr 3% der Infizierten entwickelt. Nach einer Harnleiter-Entzündung treten im Abstand von einigen Tagen bis Wochen Entzündungen der Gelenke der unteren Körperhälfte auf. Betroffen sind vor allem das Knie-, aber auch Sprung- und Zehengelenke. Dazu kommen können im Krankheitsverlauf Entzündungen der Wirbelsäule, des Kreuzbeins und der Augen-Bindehaut. Bei mehr als der Hälfte der Fälle tritt das als Reitersyndrom bezeichnete Beschwerdebild aus drei Symptomen auf:

Dazu können auf den Genitalien, der Mundschleimhaut und den Fußsohlen Hautausschläge ähnlich der Schuppenflechte auftreten. Weitere Komplikationen in diesem Zusammenhang sind: Nagelveränderungen, Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis), des Rippenfells (Pleuritis) und der Hauptschlagader (Aortitis).

Quellen:

Autor/Autoren: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Ioannis Mylonas, Dr. Doris Scharrel

Letzte Bearbeitung: 31.08.2018

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