Bakterielle Vaginose: Therapie / Behandlung

Bei der Therapie der bakteriellen Vagionse kommt es zusätzlich sehr auf die individuelle immunologische Abwehr der Patientin bzw. deren Vagina an.

Allein der Nachweis von Gardnerella vaginalis oder anaeroben Bakterien in der Scheide macht noch keine Behandlung der Patientin erforderlich, zumal es mindestens 4 verschiedene Stämme davon gibt, von denen nur einer signifikant häufig bei einer bakteriellen Vaginose (BV) beteiligt ist und nur zwei das für die BV typische Enzym Sialidase bilden. Eine Therapie sollte dann durchgeführt werden, wenn Symptome vorliegen und die Diagnose gesichert ist. Außerdem sollte auch ohne subjektiven Beschwerden vor gynäkologischen Eingriffen (z. B. IUD – Einlage) therapiert werden.

Die Behandlung erfolgt üblicher Weise über orale (Tabletten) oder intravaginale (Zäpfchen) durch Gabe von Antibiotika, wie Metronidazol, Clindamyzin oder mit dem Antiseptikum Dequaliniumchlorid. Clindamyzin ist zusätzlich als Vaginalcreme erhältlich. Es ist nicht gesichert, welche Therapie eindeutig die beste ist, da die Angriffspunkte der Medikamente unterschiedlich sind und bei den diversen bakteriellen Zusammensetzungen bei BV auch diverse Bakterienarten nicht angegriffen werden. Außerdem gibt es derzeit noch kein Medikament, mit dem die polybakteriellen Biofilme komplett aufgelöst werden können. Es kommt also zusätzlich sehr auf die individuelle immunologische Abwehr der Patientin bzw. deren Vagina an.

Die Dauer und Intensität der Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung, der Regenerationsfähigkeit der Vaginalflora sowie etwaiger Begleitumstände. Deshalb ist zumindest bei häufigen Rezidiven eine langfristige (Wochen- bis Monate) intravaginale Verabreichung von Laktobazilluspräparaten, oder zusätzlicher ansäuernder Mittel zur Unterstützung der Laktobazillen sinnvoll. 

Auf der Stärkung des Immunsystems unter Bildung von Antikörpern beruht eine intramuskuläre Injektion mit nicht H202-bildenden Laktobazillen.

Um häufige Arztbesuche zu vermeiden, versuchen sich viele Patientinnen mit Naturprodukten wie Joghurt, Teebaumöl, Essig- oder Zitronenwasser selbst zu helfen.

In der Schwangerschaft ist eine orale oder intravaginale Gabe von Metronidazol, Clindamycin oder Dequaliniumchlorid möglich. Eine Therapie wird Schwangeren aufgrund der Risiken für die Frühgeburtlichkeit auch dann empfohlen, wenn keine Symptome auftreten. Eine BV kann zwar in jeder Phase einer Schwangerschaft therapiert werden, jedoch ist eine statistisch erfolgreiche Reduktion von Frühgeburtlichkeit durch eine vaginale Dysbiose/BV nur dann erfolgreich, wenn sie vor der 16. bis 20. SSW erfolgt ist.

In einer Metaanalyse hat sich dabei nur oral gegebenes Clindamycin als erfolgreich erwiesen. In einer Publikation von 2017 zeigte sich aber ein erhöhtes Abortrisiko nach oraler Gabe von Metronidazol (Risiko 1,70) oder Clindamycinauch (Risiko 1,27). Bei Dequaliniumchlorid sind solche Risiken nicht bekannt.

Quellen


Autor/Autoren: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof. Werner Mendling

Letzte Bearbeitung: 04.05.2018

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