14.10.2016
Zyklus-Apps: Eine unsichere Verhütungsmethode
Hormonexperten empfehlen bewährte Methoden zur Verhütung einer Empfängnis, bis Apps in Studien geprüft sind.
Zyklus-Apps für das Smartphone können jungen Frauen helfen, ihre fruchtbaren Tage zu ermitteln, um eine Schwangerschaft zu planen. Zur sicheren Verhütung sind sie jedoch ungeeignet, wie die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in einer Pressemitteilung schreibt. Frauen, die eine Schwangerschaft verhindern möchten, sollten besser auf bewährte Methoden zurückgreifen, wie beispielsweise Kondome , die Verhütungspille oder eine Spirale .
Klassische Zyklus-Computer sind bereits seit den 80er Jahren auf dem Markt. Diese werden jedoch zunehmend von so genannten Fertility-Apps wie «Period Tracker» oder «Ladytimer» verdrängt. Sie sollen die fruchtbaren Tage der Smartphone-Nutzerin ermitteln. Nach Einschätzung von Professor Matthias Weber, Leiter des Schwerpunkts Endokrinologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Mediensprecher der DGE ist jedoch völlig unklar, ob die Apps tatsächlich halten, was sie versprechen. Die Hersteller würden meistens nicht einmal angeben, welche Algorithmen sie zur Bestimmung verwenden. Prof. Weber betont, dass klinische Studien benötigt würden, um zu zeigen, ob die Frauen durch die Anwendung der Apps ihr persönliches Ziel erreichen. Bei Frauen, die einen Kinderwunsch hegen, könnten die Apps durchaus verwendet werden. Möchte ein Mädchen oder eine Frau aber eine Schwangerschaft verhindern, sollte sie laut Weber besser nicht ausschließlich auf eine Zyklus-App zurückgreifen, da die Sicherheit ist nicht ausreichend gewährleistet ist.
PD Dr. Vanadin Seifert-Klauss von der Frauenklinik der Technischen Universität München Hormon-Computer, rät Frauen, die andere Verhütungsmittel vermeiden wollen, zur symptothermalen Methode der NFP (Natürliche Familienplanung). Diese Methode wurde von der Deutschen Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin seit den 1980er Jahren entwickelt. Diese besteht aus einer Kombination von Temperaturmessung, Zervikalschleimuntersuchung und Kalendermethode. «Frauen, die einen Kurs besucht haben, erzielten einen Pearl-Index von 0,4, der der Zuverlässigkeit der Antibabypille nahe kommt», berichtet Seifert-Klauss. Inzwischen gebe es auch Apps, die auf den NFP-Regeln basieren, zum Beispiel OvuView, myNFP, Lady Cycle und Lily App. Ob sie allerdings einen Kurs ersetzen können, ist unklar. Auch diese Apps müssten sich laut DGE klinischen Prüfungen stellen.
Quelle: Pressemitteilung Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)


