21.09.2017

Wissenschaft: Neue Angriffspunkte bei der Bekämpfung des Cytomegalovirus

Beim Cytomegalovirus handelt es sich um einen Krankheitserreger, der unter anderem während der Schwangerschaft ein ernsthaftes Problem darstellen kann, denn eine Übertragung auf das Neugeborene ist möglich.

Das Cytomegalovirus ist ein Herpesvirus, das bei gesunden Menschen nur relativ geringe Beschwerden wie Fieber, Lymphknotenschwellung oder Kopfweh verursacht. Für Personen mit geschwächtem Immunsystem, etwa für Krebspatienten, ist es jedoch lebensbedrohlich. Auch für Schwangere ist eine Infektion ein ernstzunehmendes Problem: In ca. 15% der Fälle zeigen die infizierten Neugeborenen Krankheitssymptome, wovon 10-20% versterben und ein hoher Anteil unter Folgeschäden, darunter sehr häufig an Taubheit, leidet. Bislang gibt es weder eine Impfung gegen das Virus, noch ein zufriedenstellendes Medikament für den Einsatz bei Schwangeren. Dies wollen Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg ändern.

Mit dem Ziel, ein neues antivirales Medikament zu entwickeln, erprobt Prof. Dr. Manfred Marschall, Forschungsgruppenleiter am Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen, mit seinem Team ganz spezielle Angriffspunkte bei der Bekämpfung des Cytomegalovirus. „Infektionen mit humanen Herpesviren, wie dem Cytomegalovirus, ähneln in mehrerlei Hinsicht den molekularen Vorgängen bei Krebserkrankungen: In beiden Fällen werden Gewebezellen zur Teilung angeregt, es werden Signalabläufe in den Zellen hochreguliert und Proteine in ihrer Funktion fehlgeleitet", erklärt Prof. Dr. Marschall und fügt hinzu: „Um eine Methode zur Bekämpfung des Cytomegalovirus zu entwickeln, setzen wir daher auf die Funktionsweise bestimmter Krebsmedikamente."

Antivirale Wirkstoffe lassen sich in Krebsmedikamenten finden

Viele in der Krebstherapie eingesetzte Arzneimittel greifen in den Prozess der Zellvermehrung ein und versuchen einzelne Schritte dieses Mechanismus zu hemmen. Diese Grundlagen versucht man in der aktuellen Forschung dazu zu nutzen, um die negativen Auswirkungen des Cytomegalovirus auf menschlichen Zellen zu begrenzen. Mit Hilfe von gezielter Computersimulation versucht man Angriffspunkte für Medikamente zu entdecken. Auf Basis dieser Vorhersage lassen sich nun verschiedene Wirkstoffe auf deren Eignung als „Hemmer" analysieren beziehungsweise chemisch so weiterentwickelt, dass sie einen geeigneten „Hemmer" darstellen. Eine Gruppe von Wirkstoffen (sogenannte „Quinazolin-Moleküle" aus der Gruppe um das Krebsmedikament „Iressa"), die das Team bereits genau untersucht hat, ist so gut geeignet, dass sich daraus ein antivirales Medikament entwickeln ließe. Die Forscher hoffen nun, diese Medikamentenentwicklung weiter vorantreiben zu können.

Quelle und weitere Informationen: Wilhelm Sander-Stiftung auf idw

Autor/Autoren: äin-red