01.06.2024

Viele Frauen scheuen sich, bei Beckenboden-Problemen ärztliche Hilfe zu suchen

Die Folgen von Beckenboden-Problemen sind intim, erfüllen Patientinnen mit Scham und beeinträchtigen deren Lebensqualität. Eine schottische Studie klärt auf, warum viele Betroffene zögern, sich ärztliche Hilfe zu suchen, und zeigt Lösungen auf.

Scherenschnitt als Symbolbild für Frau mit Blasenschwäche

Symptome wie Harnverlust, Stuhlinkontinenz oder Scheidenvorfall (Vaginalprolaps) sind die häufigsten Probleme bei Frauen mit Beckenbodenschwäche. Aber auch weniger intime Symptome wie chronische Unterleibsschmerzen und starke Regelschmerzen (Dysmenorrhö) erzeugen einen hohen Leidensdruck.

Dr. Clare Jouanny und ihr Team von der University of Stirling untersuchten, welche Ansichten und Erfahrungen Frauen mit – häufig tabuisierten – Unterleibssymptomen bei der Suche nach ärztlicher Hilfe haben. Hierzu wertete das Team 86 Studien mit über 20.000 Frauen aus Australien, Europa und den USA aus.

Stigma, mangelndes Problembewusstsein und sich nicht ernst genommen fühlen

In über der Hälfte der Studien war Angst vor Stigmatisierung in Verbindung mit Scham der am häufigsten genannte Grund, warum Frauen mit Unterleibssymptomen erst nach mehrjährigem Leiden ärztliche Hilfe aufsuchten.

An zweiter Stelle stand ein mangelndes Problembewusstsein, wenn die Betroffenen ihre Beschwerden anfangs als normal und alterstypisch hinnahmen.

Am dritthäufigsten fühlten sich die Frauen auf ärztlicher Seite mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen, was die Suche nach der notwendigen medizinischen Hilfe verlängerte.

Hindernisse für eine medizinische Behandlung überwinden

Obwohl die betroffenen Frauen einen offenen Zugang zu gynäkologischer Versorgung hatten, verzögerte sich bei vielen die medizinische Hilfe aus einem oder mehreren der oben genannten Gründe. In der Folge litten die Studienteilnehmerinnen auch an deutlichen Einschränkungen in ihrem Sozialleben und psychischem Wohlbefinden.

Das schottische Forscherteam sieht daher Aufklärungsbedarf auf allen Seiten. Insbesondere müssen Unterleibssymptome gesellschaftlich entstigmatisiert werden und sollten nicht verharmlost werden. Zumal es Dank vielfältiger und unterschiedlicher Behandlungsmethoden in sehr vielen Fällen eine Heilung gibt – oder zumindest eine deutliche Besserung des Leidens möglich ist.

Anmerkung der Redaktion

Für alle oben genannten Beschwerden finden betroffene Frauen in Deutschland in gynäkologischen Praxen die notwendige medizinische Hilfe und Beratung. In komplizierten Fällen sind ihre Frauenärztin oder ihr Frauenarzt zudem Vermittler zu spezialisierten Praxen und Kliniken.

Quelle: Jouanny C, Abhyankar P, Maxwell M. A mixed methods systematic literature review of barriers and facilitators to help-seeking among women with stigmatised pelvic health symptoms. BMC Womens Health. 2024 Apr 3;24(1):217. doi: 10.1186/s12905-024-03063-6. PMID: 38570870; PMCID: PMC10993589.

Autor/Autoren: äin-red

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