09.12.2019

Verkürzt der Klimawandel die Dauer von Schwangerschaften?

Forscher haben errechnet, dass Hitze für frühere Geburten sorgt. Die Studie sagt jedoch nichts darüber aus, ob eine über Jahrzehnte langsam ansteigende Temperatur Einfluss auf die durchschnittliche Dauer von Schwangerschaften haben kann.

Hitze kann Schwangerschaften beeinflussen. In einer Analyse aus den USA wurde festgestellt, dass die Geburtenrate in Perioden erhöhter Temperaturen höher war als in Zeiten mit niedrigen Temperaturen. Der Effekt war bereits ab etwa 25°C sichtbar und stieg bei Tagestemperaturen von 32°C deutlicher an. Dabei stieg die Geburtenrate direkt in den Hitzeperioden an und sank schon 5 Tage danach wieder auf normale Werte ab. In Regionen, in denen es ohnehin sehr heiß ist – und die Schwangeren deshalb an Hitze besser adaptiert sind -, war der Effekt weniger ausgeprägt als in nördlicheren Regionen. Ein Aufenthalt in klimagekühlten Räumen konnte denn Effekt abmindern oder sogar vollständig ausgleichen. Die Studie hat Geburten von fast 100.000 Geburten in den ganzen USA ausgewertet und wurde im im Fachmagazin «Nature Climate Change» veröffentlicht.

Es sei davon auszugehen, dass im Zuge des Klimawandels zunehmend mehr Schwangerschaften betroffen sein werden, schließen die Wissenschaftler. „Die Gesundheit von Säuglingen wird vielfältig beeinflusst, aber eine frühere Entbindung ist eine wichtige Messgröße, die nachweislich stark mit der Gesundheit von Neugeborenen und den geistigen Ergebnissen im späteren Kindesalter zusammenhängt“, schreiben sie. Frühere Studien hätten bereits einen Zusammenhang zwischen Hitze und kürzeren Schwangerschaften nachgewiesen, doch sei der Effekt nicht genau beziffert worden, erläutert das Team um Alan Barreca von der University of California in Los Angeles (Kalifornien, USA) und Jessamyn Schaller vom Claremont McKenna College in Claremont (Kalifornien, USA).

Experten in Deutschland sehen hingegen keine problematische Entwicklung

Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, geht nicht davon aus, dass sich die Dauer der Schwangerschaften durch den Klimawandel allgemein verkürzen wird. Die Menschen passten sich an dauerhaft höhere Temperaturen an, sagte der in Hannover niedergelassene Frauenarzt. Der Einfluss von Wärme auf das Ende der Schwangerschaft sei schon lange bekannt: „Ist der errechnete Geburtstermin bereits überschritten, nutzen manche Schwangere auch die heiße Badewanne, um den Wehenbeginn und den Geburtseintritt zu beschleunigen.“
Die Studie sagt nichts darüber aus, ob eine über Jahrzehnte langsam ansteigende Temperatur einen Einfluss auf die durchschnittliche Dauer von Schwangerschaften haben kann. Der Effekt ist eher zu verneinen, da die Menschen sich auch an eine dauerhaft höhere Temperatur adaptieren.

Für Michael Abou-Dakn von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in Berlin sind die Ergebnisse der umfangreichen Studie nicht erstaunlich. Der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie am Berliner St. Joseph Krankenhaus betonte, dass Hitze Schwangere sehr belaste. Dennoch erwartet auch er nicht, dass der Klimawandel Schwangerschaften dauerhaft negativ beeinflusst: «Der Mensch ist sehr anpassungsfähig.»

Studie: http://dpaq.de/AEZ61; Fachartikelnummer DOI: 10.1038/s41558-019-0632-4

Quelle: Material von dpa (äin-red)

Autor/Autoren: äin-red

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