02.05.2013

Verhütung durch Spirale: Studie entkäftet Vorurteile

Vor allem bei Frauen, die noch kein Kind bekommen haben, wird in Deutschland bisher von der Spirale abgeraten. Eine neue Untersuchungen entkräftet einen Teil der Bedenken gegen diese Verhütungsform.

Jede vierte Frau in Schweden und Finnland, die verhütet, verwendet eine Spirale. In Deutschland sind es nur 5%. Das ist das Ergebnis einer internationalen Untersuchung, die vor kurzem in einer deutschsprachigen frauenärztlichen Fachzeitschrift vorgestellt wurde. Vor allem bei Frauen, die noch kein Kind bekommen haben, wird in Deutschland bisher von der Spirale (Intra-Uterine Device = IUD) abgeraten. In erster Linie werden Infektionen der Gebärmutter und der Eileiter gefürchtet durch Keime, die am Rückholfaden entlang wandern könnten. Zum anderen wurde bisher auch angenommen, dass bei Frauen, die noch keine Kinder bekommen haben, das Einlegen des IUD schmerzhaft sein könnte. Im internationalen Vergleich mit anderen Ländern, in denen IUDs auch bei jungen Frauen häufig verwendet werden, zeigt sich, dass diese Befürchtungen zum großen Teil entkräftet werden können: Die Schutzbarriere am Eingang der Gebärmutter wird durch die Hormone in der Spirale möglicherweise sogar gestärkt, und die Infektionsrate bei IUD-Anwenderinnen ist nicht höher als bei Frauen, die mit anderen Methoden verhüten. Das Einlegen des IUD kann bei Frauen, die noch kein Kind geboren haben, allerdings tatsächlich etwas schmerzhafter sein. Die Beschwerden bessern sich aber anschließend meistens schnell.

„Die Spirale ist auch für junge Frauen eine probate Verhütungsmethode", so Prof. Dr. med. Kai J. Bühling, Hamburg, der an zwei internationalen Studien zu diesem Thema als Prüfarzt teilgenommen hat. „In den 70er- und 80er Jahren wurden unter den damaligen Spiralen häufig Infektionen gesehen, die dann auch zur Unfruchtbarkeit geführt haben. Diese früheren Modelle werden längst nicht mehr verwendet."

In der internationalen Untersuchung stellte sich auch heraus, dass nur in Deutschland die Beratung zur Verhütung, das Einsetzen der Spirale und auch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen praktisch ausschließlich durch Frauenärztinnen und Frauenärzte durchgeführt werden, betont Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. In vielen anderen Ländern werden diese Aufgaben durch Gemeindeschwestern, Allgemeinärzte oder Hebammen übernommen, weil es dort bei weitem nicht genügend Frauenärztinnen und -ärzte gibt. Der internationale Vergleich legt allerdings nahe, dass die Beratung durch das paramedizinische Personal nicht die Qualität einer fachärztlichen Beratung erreicht.

Literaturgrundlage:

Bühling, KJ. Einsatz intrauteriner Kontrazeptiva in Deutschland. FRAUENARZT 54 (2012), 3, 248-250

Black K, P Lotke, K Buhling B, Nikki. A review of barriers and myths preventing the more widespread use of intrauterine contraception in nulliparous women. The European Journal of Contraception and Reproductive Health Care, 2012; Early Online: 1-11

Quelle: BVF

Autor/Autoren: äin-red