16.06.2014
Universitätsmedizin betrifft alle
Die bedrohliche finanzielle Situation in den Kliniken betrifft nicht nur die Notfallversorgung und die Versorgung von Patienten mit schweren Erkrankungen.
Die bedrohliche finanzielle Situation in den Universitätskliniken betrifft nicht nur die Notfallversorgung und die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit seltenen, schweren Erkrankungen. Dies hatte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil am 12.06.2014 im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz erläutert. In den Universitätskliniken werden Studentinnen und Studenten in den klinischen Semestern ausgebildet und zahlreiche Assistenzärztinnen und –ärzte in allen Fächern mit einem breit gefächerten Tätigkeitenkatalog auf ihre Facharztprüfung vorbereitet und in zusätzlichen jahrelangen Weiterbildungsgängen für spezielle Herausforderungen der Krankenversorgung qualifiziert; hier wird die Forschung betrieben, die die Grundlage für medizinischen Fortschritt darstellt. All diese Tätigkeiten werden in der Finanzierung der Hochschulmedizin seit langem nicht mehr angemessen berücksichtigt. Wie in Kliniken der Grundversorgung werden auch in den Universitäten seit vielen Jahren Stellenpläne bis an die Schmerzgrenze zusammengestrichen; die Zeit für eine sorgfältige Ausbildung des studentischen und ärztlichen Nachwuchses ist viel zu knapp bemessen, und Forschung und die dazu gehörenden Publikationen und meist unhonorierten Vortragsreisen sind in vielen Fällen nur möglich, indem Familie und Freizeit, Erholung und Schlaf dauerhaft geopfert werden. Auch alle Konzepte zu einer familienfreundlichen Gestaltung der Arbeitsplätze haben an dieser Situation im Grundsatz kaum etwas ändern können, weil in einer rein ökonomisch orientierten Sichtweise einer Klinik Forschung und Lehre nur Kosten verursachen und keine Gewinne erzeugen – es sei denn, die Forschung wird durch Drittmittel aus der Industrie finanziert, was durchaus auch politisch gewollt und gern gesehen ist, aber die Gefahr birgt, dass die Unabhängigkeit der Forschung und der Forschenden dabei verloren geht.
„Wir brauchen eine gesicherte Zukunft für die Universitätsmedizin“, fordert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Denn sie ist die Grundlage für die ärztliche Versorgung und die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten in Deutschland. Wir werden unsere zunehmenden Nachwuchsprobleme in der Frauenheilkunde, aber auch in allen anderen medizinischen Fächern nur lösen können, wenn wir uns weiterhin auf eine starke Lehre und eine unabhängige universitäre Forschung verlassen können.“ © BVF 2014


