09.06.2026

Ungeborenes gähnt mit

Gähnen wirkt äußerst ansteckend – auch auf Ungeborene. Eine italienisch-amerikanische Studie konnte zeigen, dass Feten in der 28.–32. Schwangerschaftswoche häufig mit Gähnen reagieren, wenn die werdende Mutter gähnt.

Schwangere gähnt halbsitzend im Bett

Jüngere neurobiologische Studien deuten darauf hin, dass Schwangere sich deutlich leichter mit Gähnen anstecken lassen als kinderlose Frauen. Dr. Giulia D'Adamo von der Universität von Parma und ihr Team untersuchten nun, inwieweit sich das mütterliche Gähnen auch auf den Fetus im Mutterleib überträgt.

3D-Ultraschall zeigt gähnenden Fetus

Für die Studie rekrutierte das Team 38 Schwangere, die sich in der 28. bis 32. Schwangerschaftswoche befanden. Die werdenden Mütter bekamen einen Videoclip vorgespielt, der stark zum Gähnen reizt. Während dessen wurde der Fetus mit 3D-Ultraschall beobachtet. Um das fetale Gähnen als solches korrekt zu identifizieren, wurde es auch mit dem mütterlichen Mundbewegungen und deren zeitlichen Verlauf mit Hilfe einer KI verglichen.

Nach dem Abspielen des Gähn-Videoclips dauerte es im Mittel 85 Sekunden, bis eine Schwangere gähnte. Nach durchschnittlich weiteren 90 Sekunden gähnte der Fetus.

In 50 % der Versuche gähnten sowohl die werdende Mutter als auch der Fetus. Bei 14 % der Versuche gähnte nur die Schwangere. Bei 3% der Versuche gähnte nur der Fetus. Und bei 33 % der Versuche gähnten weder Mutter noch das Ungeborene.

Schlussfolgerung

Die Schwangeren erwiesen sich als sehr anfällig für Gähnen. Darüber hinaus gähnten die Ungeborenen nach einer Verzögerung sehr häufig mit. Dies ist die erste Studie, die einen direkten Zusammenhang zwischen mütterlichem und fetalem Gähnen zeigt. Unklar ist, wie sich der Gähnreflex von der Mutter auf den Fetus überträgt. Um diese Erkenntnisse zu bestätigen, sind weitere Untersuchungen nötig: mit mehr Schwangeren und über einen weiteren Schwangerschaftszeitraum hinaus. 

Quelle: D'Adamo G et al. Prenatal behavioral contagion through maternal yawning and fetal resonance. Current Biology (2026). DOI: 10.1016/j.cub.2026.04.025

Autor/Autoren: äin-red