23.03.2015
Übergewicht der Mutter schadet dem Baby
Jede sechste Schwangere in Deutschland leidet heute bereits zu Beginn ihrer Schwangerschaft an einem erheblichen Übergewicht mit einem BMI von 30 kg/m2 und darüber.
Daraus entstehen nicht nur schwerwiegende Probleme für die Mutter, für den Schwangerschaftsverlauf und die Geburt; mehr und mehr steht auch das Kind im Fokus des Interesses, denn das Übergewicht der Mutter bedeutet Risiken für das Kind, auch in seinem späteren Leben. Dies betonte Prof. Dr. med. Louwen von der Universitäts-Frauenklinik Frankfurt anlässlich des Frauenärztlichen Fortbildungskongresses FOKO 2015 in Düsseldorf. Während man bisher bei starkem Übergewicht der Mutter nur von einem erhöhten Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes mit seinen typischen Komplikationen - Bluthochdruck und Harnwegsinfektionen, vorzeitige Wehen und eine Neigung zu einer zu frühen Geburt - ausging, wird heute deutlich, dass vielmehr ein bislang unerkannter Typ-2-Diabetes die Schwangerschaft in diesen Fällen verkomplizieren kann. Das Risiko, später selbst übergewichtig zu werden und zu bleiben und an Diabetes zu erkranken, ist bei diesen Kindern deutlich erhöht.
Die frühzeitige Erkennung eines Typ-2-Diabetes durch einen so genannten oralen Glukosetoleranztest (oGGT) schon im ersten Trimenon ermöglicht die eine zielgerichtete Behandlung; üblicherweise wird dieser Test erst in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Die zielgerichtete Behandlung eines Typ-2-Diabetes unterscheidet sich von der Therapie eines Schwangerschaftsdiabetes, da viele Frauen zu Beginn eines Typ-2-Diabetes eher einen Hyperinsulinismus haben und daher Insulin nicht Therapie der ersten Wahl ist.
Geeignete Therapiestrategien in der Schwangerschaft sind Gegenstand aktueller Forschung; hierzu gehört auch der Einsatz von oralen Antidiabetika. "Ob dadurch die Risiken der Kinder reduziert werden, frühzeitig selbst an Typ-2-Diabetes und Adipositas zu erkranken, ist Gegenstand aktueller Untersuchungen", betonte Prof. Louwen. „Bei mütterlich starkem Übergewicht haben wir in der Schwangerschaft zwei Patienten, die unserer vollen Aufmerksamkeit bedürfen, die Mutter und das Kind. Die bisherigen Strategien zur Früherkennung des Schwangerschaftsdiabetes haben sich bei diesen Frauen als nicht ausreichend erwiesen. "
Louwen empfiehlt deshalb, dass Frauen mit Kinderwunsch am besten schon vor der Schwangerschaft auf eine Normalisierung ihres Körpergewichts hinarbeiten und Sport in ihren Alltag einbauen, um das Risiko für einen Typ-2-Diabetes zu senken. Die betreuenden Frauenärztinnen und Frauenärzte sollten darauf hinarbeiten, hier durch eine intensive Beratung eine Umstellung des Verhaltens in Richtung auf gesunde Ernährung und mehr Bewegung und Sport im Alltag zu erwirken. Eine kompetente Ernährungsberatung wird sicherlich zukünftig zur Spektrum der Behandlung von Frauenärzten gehören. „Das tut nicht nur der Frau selbst gut", so Louwen, „sondern hilft, eine gesunde und problemlose Schwangerschaft zu erleben und das Baby gesund in sein Leben starten zu lassen."
Quelle: Pressemitteilung Frauenärztliche Bundesakademie FBA; © FOKO 2015


