10.03.2014
Steigende Versicherungsprämien gefährden die gesamte Geburtshilfe
Für Frauenärztinnen und -ärzte, die belegärztlich Geburten betreuen, sind die Prämien für die berufliche Haftpflichtversicherung kaum noch bezahlbar. Sie betragen heute bis zu mehr als 40.000 Euro pro Jahr!
Für Frauenärztinnen und -ärzte, die belegärztlich Geburten betreuen, sind die Prämien für die berufliche Haftpflichtversicherung kaum noch bezahlbar. Sie betragen heute bis zu mehr als 40.000 Euro pro Jahr und führen dazu, dass immer häufiger Frauenärzte ihre belegärztliche, geburtsmedizinische Tätigkeit einstellen müssen. Ebenso wie für freiberufliche Hebammen, die Geburten zum Beispiel als Beleghebammen in Kliniken betreuen, wird es auch für Frauenärztinnen und -ärzte in der Geburtsmedizin immer schwieriger, überhaupt noch Versicherer zu finden.
Ähnliches gilt auch für die geburtsmedizinischen Abteilungen in den Kliniken: Angesichts der hohen Versicherungsprämien auch für Kliniken, angesichts der sehr knappen Vergütung für die Betreuung von Geburten im Vergleich zu dem Aufwand, eine ständig voll besetzte Abteilung für Geburtsmedizin bereit zu halten, ist eine wohnortnahe Versorgung in vielen Regionen Deutschlands nicht mehr gesichert. „Erschwerend kommt der demographische Wandel hinzu", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Wir haben heute fast 15% weniger Geburten als im Jahr 2000. Vor allem kleinere Kliniken geraten dadurch immer häufiger unter eine kritische Grenze, unter der es sich auch aus ärztlichen Gründen empfehlen kann, die Geburtsmedizin zu schließen."
Angestellte Hebammen sind immer durch das Krankenhaus versichert, und die Versicherungsprämien für freiberufliche Hebammen, die keine Geburtshilfe leisten, liegen im Bereich von 300 bis 500 Euro. Die kritische Situation im Versicherungswesen betrifft deshalb vorrangig Hebammen, die selbständig in der Geburtshilfe tätig sind, sei es bei außerklinischen Geburten oder als Beleghebammen im Krankenhaus. Nach Angaben der „Gesellschaft für Qualität der außerklinischen Geburtshilfe" betreuen nur etwa 600 Hebammen außerklinische Geburten, etwa 2.500 arbeiten als Beleghebammen und betreuen als Selbständige ihre Schwangeren auch in der Klinik bei der Geburt.
Während der Berufsverband der Frauenärzte und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe außerklinische Geburten, die nicht in unmittelbarer Nähe zur Klinik stattfinden, wegen des Risikos für Mutter und Kind und wegen der schlechten Statistiken im In- und Ausland ablehnen, ist die Arbeit von Beleghebammen positiv einzuschätzen.
Nicht die Schäden nehmen zu, sondern die Zahlungen im Versicherungsfall
Nicht etwa eine Zunahme von Behandlungsfehlern ist die Ursache für die explodierenden Versicherungsprämien für Frauenärzt/innen und Geburtskliniken ebenso wie für Hebammen, sondern der extreme Anstieg der Summen, die in Gerichtsprozessen als Zahlungen für geschädigte Kinder und Eltern festgesetzt werden. Sie sind nur zum Teil durch die immer besseren Möglichkeiten der kostspieligen (Intensiv-)Medizin und Langzeitbetreuung gerechtfertigt, die bei solchen Schädigungen sinnvollerweise angewandt werden. In vielen Fällen gehen aber gerade bei Schädigungen, die im Umfeld einer Geburt aufgetreten sind, die Versicherungssummen weit über diese Beträge hinaus. Versicherer müssen diese Schadenssummen auf die gesamte Gruppe derjenigen Versicherten umlegen, die sich gegen das jeweilige Risiko versichern, und dabei auch künftige Entwicklungen im Blick haben. „Wegen der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung bedarf es hier der staatlichen Übernahme der Versicherungskosten, ebenso aber eines grundsätzlichen Umdenkens bei Kostenträgern, Anwälten und Gerichten, die die Schadenssummen forcieren", so Albring.
Der Berufsverband der Frauenärzte weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Hebammen einen unverzichtbaren Beitrag in der Geburtshilfe und bei der Wochenbettbetreuung leisten. Dass Schwangeren in Deutschland per Gesetz vor wenigen Jahren eine freie Wahl des Geburtsorts zugesichert wurde, kann jedoch nicht bedeuten, dass das Bundesministerium für Gesundheit an jedem Ort Deutschlands alle Möglichkeiten für eine sichere außerklinische oder auch klinische Geburtsmedizin zur Verfügung stellen müsste. Da außerklinische Geburtshilfe ausschließlich in direkter Umgebung einer Klinik stattfinden sollte, schränken Klinikschließungen deshalb auch die Möglichkeiten für außerklinische Entbindungen immer weiter ein. „Wir müssen leider erkennen, dass in der heutigen Situation eine wohnortnahe Versorgung in der Geburtshilfe vielfach nicht mehr möglich ist", so der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.
Quelle: © BVF 2014


