06.11.2025

Schwangerschaftsdiabetes: Gesunder Lebensstil senkt erhöhtes Herzrisiko

Frauen mit vorangegangenem Schwangerschaftsdiabetes tragen im Alter ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine US-Studie zeigt nun, dass ein konsequent gesunder Lebensstil dieses erhöhte Erkrankungsrisiko auf Normalmaß verringern kann.

Frau mittleren Alters sitzt lächelnd am Küchentisch und isst Salat

Im Rahmen der Nurses‘ Health Study II werden seit 1989 die möglichen Ursachen und der Einfluss des Lebensstils auf die Entstehung chronischer Krankheiten bei Frauen erforscht. Der Harvard-Wissenschaftler Dr. Cuilin Zhang und sein Team untersuchten in ihrer Studie, inwieweit der Lebensstil das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen mit vorangegangenem Schwangerschaftsdiabetes verändert.

Gesundheit der Frauen über Jahrzehnte beobachtet

Das Forscherteam analysierte die Gesundheitsdaten von insgesamt 4.355 Frauen, bei denen zwischen 1989 und 2001 ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde. Alle Frauen waren vor ihrer Studienteilnahme frei von Typ-2-Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

In den Jahren nach der Diagnose wurden alle 2–4 Jahre fünf Lebensstilfaktoren festgehalten: BMI (Body-Mass-Index = Gewicht im Verhältnis zum Quadrat der Körpergröße), Qualität der Ernährung nach dem AHEI (Alternative Healthy Eating Index-2010-Score), sportliche Aktivität in Minuten pro Woche, Tabakkonsum und Alkoholkonsum. Am Ende verglichen die Forschenden, wie häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt etc.)  bei Frauen mit beziehungsweise ohne konsequent gesunden Lebensstil auftraten.

Zu den „optimalen“ veränderbaren Risikofaktoren zählten ein BMI < 25, eine gesunde Ernährung (AHEI-Punkte oberste 40 %), ≥150 Minuten/Woche moderate oder ≥75 Minuten/Woche intensive körperliche Aktivität, Nichtrauchen, mäßiger Alkoholkonsum (5,0–14,9 g/Tag entspricht 0,2 bis 0,5 Liter Bier/Tag).

Gesund leben lohnt sich

Zum Zeitpunkt der Auswertung lag die Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes bei der Hälfte der Teilnehmerinnen rund 28 Jahre zurück. Hierbei fand sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen einem gesunden Lebensstil und einem langfristig sinkenden Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Insgesamt 188 der 4.355 Teilnehmerinnen hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Verglichen mit Teilnehmerinnen, bei denen keiner der fünf Risikofaktoren im „optimalen“ Bereich lag, traten:

Schlussfolgerung

Frauen mit vorangegangenem Schwangerschaftsdiabetes können ihr erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen fast vollständig verringern, wenn sie konsequent gesund leben: d.h. ein gesundes Gewicht halten, nicht rauchen, sich täglich sportlich betätigen, sich vollwertig ernähren und nach der Stillzeit wenig Alkohol konsumieren. 

Anmerkung der Redaktion zur AHEI-Diät und zu „mäßigem“ Alkoholkonsum

Die AHEI-Diät wurde von der Harvard T.H. Chan School of Public Health entwickelt und zielt darauf ab, das Risiko für die Entstehung chronischer Krankheiten zu verringern. AHEI setzt den Schwerpunkt auf eine pflanzenbasierte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und gesunden Fetten, während rotes Fleisch und insbesondere stark verarbeitete Lebensmittel (z.B. Wurstwaren, Chips, Fertiggerichte), zuckergesüßte Getränke und Transfette minimiert werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, grundsätzlich auf Alkohol zu verzichten. Täglicher Alkoholkonsum birgt grundsätzlich das Risiko eine Abhängigkeit zu entwickeln und selbst geringe Mengen Alkohol können das persönliche Krebsrisiko steigern. Als „risikoarm“ gelten weniger als 27 g Alkohol pro Woche, dies entspricht 1–2 kleine Gläser Wein (Alkoholgehalt 12 % Vol.) oder 660 mL Bier (5 % Vol.). Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Frauen gänzlich auf Alkohol verzichten.[2]

Quelle: 
[1] Qian F et al. Long‐Term Adherence to Modifiable Factors and Incident Cardiovascular Disease Among Women With a History of Gestational Diabetes: A Prospective Cohort Study. Journal of the American Heart Association (2025). DOI: 10.1161/JAHA.124.038936
[2] Richter M, Tauer J, Conrad J, Heil E, Kroke A, Virmani K, Watzl B on behalf of the German Nutrition Society (DGE): Alcohol consumption in Germany, health and social consequences and derivation of recommendations for action – Position statement of the German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau 2024; 71(10)

Autor/Autoren: äin-red