11.03.2015
Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland auf historischem Tiefstand
Erstmals seit der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland im Jahr 2014 unter 100.000 gesunken.
Erstmals seit der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland im Jahr 2014 unter 100.000 gesunken. Gegenüber dem Jahr 2013 bedeutet das einen erneuten Rückgang um 3%. Mit einer Quote von 55 Abbrüchen auf 10.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren liegt Deutschland gleichauf mit der Schweiz (53 Abbrüche auf 10.000 Frauen im Jahr 2013). Die Quote an Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern zwischen 15 und 18 Jahren ist ebenfalls erneut gesunken und liegt jetzt bei 27 auf 10.000 Mädchen, ein weltweiter Tiefststand. "Ursache für diese sehr erfreulichen Zahlen sind ein sehr guter Wissensstand bei Jugendlichen zu Sexualität und Verhütung und ein hervorragendes Verhütungsverhalten. Gestützt wird das Interesse der Jugendlichen an einer sicheren Verhütung durch die Mädchensprechstunden, die viele Frauenärztinnen und -ärzte seit langem anbieten", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Nach einer Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) verwenden nur noch 8% aller Mädchen und Jungen beim ersten Geschlechtsverkehr keine Verhütung. 40% der Mädchen sind bereits beim ersten Geschlechtsverkehr mit der Pille geschützt; beim zweiten Geschlechtsverkehr steigt diese Zahl auf 72% an. Etwa ein Drittel der Jugendlichen verwenden Pille plus Kondom: Die Botschaft, dass nur ein Kondom vor sexuell übertragbaren Erkrankungen schützt, ist bei vielen Jugendlichen angekommen.
Aber der Frauenarzt sieht auch ein Medikament als Ursache dafür an, dass die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche immer weiter sinkt, und stärker als in allen anderen europäischen Ländern: Seit dem Jahr 2010 steht in Deutschland das Arzneimittel Ulipristalacetat (UPA, Ellaone) für die Notfallverhütung zur Verfügung, das zu jedem Zeitpunkt der Einnahme zuverlässiger wirkt als das zuvor verwendete Levonorgestrel (LNG, Pidana). UPA gilt bei der Verordnung durch Frauenärztinnen bzw. Frauenärzte inzwischen als Standard. UPA wird gemeinsam mit LNG voraussichtlich zum 16. März 2015 aus der Rezeptpflicht entlassen. Mädchen bis 18 Jahre erhalten Arzneimittel zur Notfallverhütung weiterhin kostenlos, wenn sie ein ärztliches Rezept vorweisen können. Bei jungen Frauen zwischen 19 und 20 Jahren wird das Arzneimittel ebenfalls kostenfrei abgegeben, wenn ein Arztrezept vorliegt; hier fallen dann allerdings 5 Euro Rezeptgebühr an.
"Wir hoffen, dass die Apothekerinnen und Apotheker Mädchen und Frauen bei der Abgabe der Notfallverhütung sorgfältig beraten werden", so der Frauenarzt, "und dass sie auch darauf hinweisen werden, dass bei höherem Gewicht beide Arzneimittel an Zuverlässigkeit verlieren. In diesem Fall sollte so bald wie möglich eine Kupferspirale gelegt werden, die auch in der Notfallverhütung so sicher wirkt wie die Pille oder die Hormonspirale."
Quelle: Pressemitteilung BVF


