08.03.2021

Schmerzen, keine Regel, starke Blutung – wann Mädchen zur Ärztin gehen sollten

In der Pubertät sollte bei jungen Mädchen dann eine ärztliche Abklärung erfolgen, wenn starke, lang dauernde Regelblutungen oder ein Ausbleiben der Regel auftreten oder die Menstruation von heftigen Regelschmerzen begleitet wird.

Auch wenn Verhütung noch kein Thema ist, ist für junge Mädchen ein Termin in der frauenärztlichen Praxis eine gute Idee. Die häufigsten Gründe sind starke, lang dauernde Regelblutungen, oder ein Ausbleiben der Regel, oder auch heftige Regelschmerzen. Auf dem FOKO, dem größten jährlichen frauenärztlichen Fortbildungskongress, der im Jahr 2021 komplett digital stattfindet, berichteten ÄrztInnen aus Universitätskliniken und der Praxis von ihren Erfahrungen und Konzepten.
Ungefähr jedes zehnte Mädchen hat so starke Schmerzen vor und während der Regelblutung, dass es in der Schule nicht mehr voll konzentriert ist. Während es den meisten Mädchen völlig ausreicht, in den ersten Tagen der Menstruation mit einer Wärmflasche zu ent-spannen, um ansonsten in der Schule und auch im Sport voll belastbar zu sein, helfen bei einigen Ruhe, Wärme und sogar Schmerzmittel kaum. Ihre einzige Hoffnung ist, dass die Qual nach einigen Tagen vorüber ist, aber jedes Mal bleibt die Furcht, dass die Tortur in wenigen Wochen wieder von neuem beginnt. Manchmal beginnen die regelmäßigen, krampfähnlichen Schmerzen im Unterbauch schon, bevor die Regelblutung überhaupt eingesetzt hat.

Starke Schmerzen sind nicht normal

„Manche Mädchen hören von ihren Müttern oder Lehrerinnen, dass Schmerzen normal seien und dass sie nur mehr Selbstdisziplin zeigen müssten. Manchmal wird auch der Zusammenhang zwischen den Schmerzen und der Menstruationsblutung nicht erkannt, zum Beispiel dann, wenn die Schmerzen auch in den Rücken ausstrahlen oder sie schon vor der Blutung beginnen. Das alles kann dazu führen, dass die Mädchen jahrelang unnötig leiden und ohne ärztliche Hilfe bleiben“, erläuterte Prof. Dr. med. Patricia Oppelt von der Universitäts-Frauenklinik Erlangen.

„Schwere Menstruationsschmerzen, die auch das Alltagsleben einschränken, sollen unbedingt frauenärztlich abgeklärt werden. Denn es kann auch eine Erkrankung dahinterstecken, die von allein nicht abheilen kann und die behandelt werden muss. Und so gut wie immer gibt es Mittel, selbst starke Schmerzen erfolgreich zu bekämpfen, es muss nicht sofort zu einem Hormonpräparat gegriffen werden. So kann durch eine Optimierung der Schmerzmitteleinnahme, manchmal auch durch ein pflanzliches Mittel versucht werden die Schmerzen zu lindern. Es ist für die Mädchen eine unglaubliche Erleichterung, wenn sie ihre Menstruation nicht mehr als unentrinnbare Qual erleben müssen.“
Auch wenn die Blutungen länger als sieben Tage anhalten oder die Abstände zwischen den Blutungen sehr kurz sind, sollten junge Mädchen unbedingt in die frauenärztliche Sprechstunde kommen: „Wir sehen manchmal Mädchen, die durch die dauerhaften Blutungen schon eine Blutarmut haben“, so Prof. Oppelt. „Ein deutliches Symptom sind Blässe, häufiges Schwindelgefühl, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und eine nachlassende Leistungsfähigkeit beim Sport. Langanhaltende Blutungen sollten unbedingt behandelt werden. Oft reicht es dafür aus, ein geeignetes Mittel nur über kurze Zeit zu verwenden, um den schädlichen Kreislauf zu durchbrechen.“

Veränderungen an Eierstöcken und Gebärmutter frühzeitig entdecken

Doch auch das umgekehrte Problem ist nicht selten: Sehr lange Abstände zwischen den Regelblutungen oder auch das völlige Fehlen der Blutung, das meist ein Zeichen dafür ist, dass kein Eisprung stattfindet: Wenn ein Mädchen das letzte unter den Mitschülerinnen ist, das noch keine Blutung bekommen hat, ist eine frauenärztliche Beratung oft hilfreich. Das Ausbleiben der Regel kann mehrere Gründe haben: Vielleicht ist einfach der biologische Rhythmus noch nicht so weit.

„Manchmal liegen aber auch Erkrankungen und Veränderungen an der Gebärmutter und den Eierstöcken vor, die einen normalen Zyklus und eine Menstruation verhindern“, erläutert Prof. Dr. med. Sara Brucker von der Universitäts-Frauenklinik Tübingen. „Zu uns werden auch Mädchen von weit her überwiesen, bei denen solche Veränderungen festgestellt wurden, die auch angeboren sein können. Manchmal machen sie es sogar unmöglich, Kinder zu bekommen, wenn keine Korrektur stattfindet. Diese Mädchen sollten sich, am besten zusammen mit ihren Müttern, in der Spezialsprechstunde vor-stellen.“ Die Professorin hat eine gute Nachricht: „In sehr vielen Fällen können angeborene Veränderungen mit Hilfe von Operationen korrigiert werden, manchmal muss später noch die Kinderwunschmedizin unterstützen; dann wird der Wunsch, ein Kind zu bekommen, Realität.“ An der Universitäts-Frauenklinik Tübingen wurde sogar bei vier Frauen, die von Geburt an gar keine Gebärmutter hatten, die Gebärmutter einer nahen Verwandten transplantiert, und drei der Frauen haben inzwischen ein gesundes Kind bekommen.

Quelle: Highlights vom Fortbildungskongress 2021 der BVF Akademie des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. © FOKO 2021

Autor/Autoren: äin-red

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