12.11.2021

Milchbildungs-Hormon macht träge

Frauen tun sich während der Schwangerschaft häufig schwer, ihr übliches Bewegungspensum aufrecht zu erhalten, und nehmen teils sehr stark zu. Eine Studie an schwangeren Mäusen deutet darauf hin, dass das Hormon Prolaktin werdende Mütter träge macht.

Hochschwangere Frau döst auf dem Sofa

Mit Beginn der Schwangerschaft sorgen hormonelle Veränderungen dafür, dass sich der weibliche Körper optimal seinen mütterlichen Aufgaben anpasst. Der Energiebedarf steigt dabei enorm. Schließlich müssen das Ungeborene ernährt, Fettreserven für die Milchproduktion angelegt und die Brustdrüsen für das Stillen vorbereitet werden. Dazu verhalten sich werdende Mütter deutlich energiesparender, sprich sie schrauben ihre körperliche Aktivität herab. Welche Hormone den Energiesparmodus bei Schwangeren aktivieren, das war bisher unbekannt.

Mäuse helfen dabei, den Energiesparmodus bei Schwangeren zu ergründen

Dr. Sharon Ladyman von der University of Otago, Neuseeland, und ihr Team erforschten mithilfe von Mäusen, ob das Milchbildungshormon Prolaktin Schwangere träge macht. Hierzu untersuchten sie das Verhalten normaler und genetisch veränderter Mäuse, die entweder geschwängert oder mit Prolaktin behandelt wurden.

Schwangerschaft und Prolaktin-Anstieg bremsen den Bewegungsdrang rapide

Nicht-schwangere Labormäuse legen 7 bis 13 Kilometer pro Tag im Laufrad zurück. Nach einem erfolgreichen Tête-à-Tête mit einem Mäuserich verloren frisch geschwängerten Mäuseweibchen ihren Bewegungsdrang. Erst halbierte sich die tägliche Kilometerleistung, um dann innerhalb der 17-tägigen Schwangerschaft auf 0,5 Kilometer zu sinken. Am Tag der „Entbindung“ wurden die Mäuse kurz aktiv. Danach fielen sie wieder zurück in den „Energiesparmodus“, und zwar bis ihr Nachwuchs abgestillt war. Anschließend kletterten die Mäuse mit neuem Schwung ins Laufrad und knüpften binnen Tagen an alte Höchstleistungen an.

Nicht-schwangere Mäuseweibchen verloren ebenfalls ihre Lust auf körperliche Aktivität, sobald man ihnen eine hohe Dosis Prolaktin spritzte. Mäuseriche zeigten sich dagegen von Prolaktin unbeeindruckt. Auch die Gegenproben mit genetisch veränderten Mäusen bestätigten die Hypothese der Forschenden: Prolaktin wirkt im weiblichen Gehirn und veranlasst schwangere und stillende Mäuse, ihre körperliche Aktivität stark einzuschränken.

Prolaktin-Anstieg könnte Trägheit bei Schwangeren und Stillenden erklären

Wenn es um Hormone geht, ticken Menschen und Mäuse ähnlich. Auch bei menschlichen Schwangeren steigt der Prolaktin-Spiegel deutlich an und hält sich bis zum Abstillen. Somit könnte Prolaktin womöglich ebenso bei Schwangeren und Stillenden für den schwindenden Bewegungsdrang verantwortlich sein.

Dies ist biologisch durchaus sinnvoll, um bei einem begrenzten Nahrungsangebot ausreichend Energie für Ungeborene und Säuglinge zu reservieren. Bei einem mehr als ausreichenden Nahrungsangebot begünstigt der hormonell gedrosselte Bewegungsdrang jedoch eine übermäßige Gewichtszunahme, die ein gesundheitliches Risiko für Mutter und Kind darstellen kann.

Quelle: Sharon R Ladyman et al, A reduction in voluntary physical activity in early pregnancy in mice is mediated by prolactin, eLife (2021). DOI: 10.7554/eLife.62260

Autor/Autoren: äin-red

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