12.05.2011
Maserninfektion in Schwangerschaft erhöht Risiko für Komplikationen
Wer Kontakt zu Säuglingen hat, sollte unbedingt gegen Masern geimpft sein, denn die Kleinen können noch nicht geimpft werden.
Michaela Knaak erkrankte als
Säugling (2006) an Masern und
leidet heute an der unheilbaren
Masern Gehirnentzündung SSPEBei Masernausbrüchen haben schwangere Frauen möglicherweise ein erhöhtes Risiko, im Verlauf der Schwangerschaft Komplikationen zu erleiden. Grundsätzlich wird schwangeren Frauen empfohlen, sich von Menschen mit ansteckenden Krankheiten oder Symptomen wie hohem Fieber fernzuhalten. Da seit Anfang des Jahres besonders in Bayern, aber auch in anderen Teilen Deutschlands die Masern grassieren, sollten werdende Mütter besonders darauf achten, erkrankte Personen zu meiden - insbesondere, wenn sie keinen ausreichenden Impfschutz haben. „Erkenntnisse aus einigen Studien zu Masernausbrüchen deuten darauf hin, dass Schwangere, die sich infizieren, ein etwa dreifach erhöhtes Risiko dafür haben, eine Lungenentzündung zu entwickeln. Ebenso besteht die Gefahr von vorzeitigen Wehen, Frühgeburten und Fehlgeburten - vermutlich weil die Plazenta durch die Erkrankung beeinträchtigt wird", erklärt Prof. Klaus Friese, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in München. Tritt eine Maserninfektion am Ende des letzten Schwangerschaftsdrittels auf, kann das Neugeborene in den ersten Lebenstagen Erkrankungssymptome aufweisen. Wenn sich der Säugling selbst im ersten Lebensjahr mit Masern infiziert, ist es besonders gefährlich. Das Risiko an einer chronischen Masern-Gehirnentzündung - der sogenannten subakute sklerotisierende Panenzephalitis (SSPE) - zu erkranken, ist in diesem Lebensalter deutlich erhöht. „Wer Kontakt zu Säuglingen hat, sollte unbedingt gegen Masern geimpft sein. Die Kleinen können noch nicht geimpft werden und sind daher auf den Herdenschutz der sie umgebenden Personen angewiesen", erläutert der Direktor der Universitätsfrauenklinik der LMU München und der Universitätsfrauenklinik im Klinikum Großhadern. Laut Gesundheitsamt München sind bisher fünf Masernerkrankungen bei Säuglingen gemeldet worden - auch schwangere Frauen sind an Masern erkrankt.
Vielen Frauen im fruchtbaren Lebensalter fehlt der Impfschutz
Die Masern können sich derzeit vor allem bei der Bevölkerung im Alter zwischen 20 und 40 Jahren ausbreiten, da hier große Impflücken vorhanden sind. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin empfiehlt allen Personen, die nach 1970 geboren sind und das 18. Lebensjahr erreicht haben, eine Impfung gegen Masern, wenn sie bisher nicht geimpft sind oder der Impfstatus unklar ist. Auch wer nur einmal geimpft wurde, sollte nach Auffassung des RKI die zweite Masern-Impfung unbedingt nachholen. „Frauen, die sich Kinder wünschen, sollten mindestens drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft den Impfstatus überprüfen lassen. Fehlende Impfungen können dadurch rechtzeitig vor einer Schwangerschaft nachgeholt werden. In diesem Fall sind dann auch die Säuglinge bis zu einem Alter von etwa sechs Monaten zu einem gewissen Grad durch die Antikörper der Mutter geschützt", ergänzt der Professor. „Während einer Schwangerschaft kann beispielsweise gegen Influenza oder auch Tetanus geimpft werden. Eine Impfung gegen Masern oder auch Mumps ist in der Schwangerschaft nicht möglich, da es sich um Lebendimpfstoffe handelt".
Insbesondere vor dem Hintergrund erhöhter Komplikationsraten der Erkrankung im zunehmenden Lebensalter (z.B. Lungenentzündung, Mittelohrentzündung) und auch bei Säuglingen, die noch nicht geimpft werden können, ist die Impfung im jungen Erwachsenenalter wichtig.


