09.01.2019

Lichen sclerosus – eine chronische Hauterkrankung im Genitalbereich

Bei der Lichen sclerosus handelt es sich um die häufigste nicht entzündliche Hauterkrankung der Vulva.

Der Lichen sclerosus (LS) ist eine chronisch entzündliche, gutartige Hauterkrankung, die nicht durch Infektionen oder allergische Prozesse hervorgerufen wird. Sie tritt überwiegend in der Anogenitalregion auf und betrifft meist Frauen. Es handelt sich dabei um die häufigste entzündliche Hauterkrankung der Vulva, die nicht durch Allergien oder Infektionen hervorgerufen wird. Leider wird die Erkrankung oft über einen langen Zeitraum fehlgedeutet. Unbehandelt kann ein Fortschreiten der Entzündung zu Vernarbungen, Verklebungen sowie Schrumpfung von Hautarealen führen. Auch ist das Risiko für bösartige Veränderungen erhöht. Es ist wichtig, dass Lichen sclerosus früh erkannt und behandelt wird, da die eingetretenen Hautveränderungen nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Der Erkrankungsname leitet sich von Flechten ab, die auf der Rinde von Bäumen wachsen, da die Lichen sclerosus im fortgeschrittenen Krankheitsstadium durch weißlich, derbe, leicht erhabene Flecken gekennzeichnet ist. Die genaue Ursache der Erkrankung ist bislang nicht bekannt. Es besteht der Verdacht, dass eine Autoimmunerkrankung zugrunde liegt, da es Hinweise auf eine überschießende Immunreaktion im Gewebe gibt.

Betroffen sind überwiegend weibliche Personen – die Erkrankung kann sich aber auch bei Männern entwickeln. Ein Lichen sclerosus kann in jedem Lebensalter auftreten. Nach Schätzungen liegen die Erkrankungszahlen zwischen 0,1 Prozent bei Mädchen vor der Pubertät und 3 Prozent bei Frauen im Alter über 80 Jahren. Bei Betroffenen treten mitunter weitere entzündliche Erkrankungen auf, wie u.a. Psoriasis, entzündliche Darmerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen. Die Hautveränderungen sind meist auf die Anogenitalregion beschränkt. Selten sind auch andere Körperstellen betroffen, wie beispielsweise die Achselhöhlen oder die Innenseite der Handgelenke.

Juckreiz und Brennen sind typische Symptome

Der Lichen sclerosus geht häufig mit einem längerfristigen Juckreiz einher und kann auch ein Brennen verursachen. Im Frühstadium tritt die Erkrankung oft als braunrotes Ekzem in Erscheinung. Auch können weißlich, glänzende Hautareale auftreten. Problematisch sind Verletzungen der Hautoberfläche, die durch Kratzen oder auftretende Risse verursacht werden und zu quälenden Wundschmerzen führen können. Im späten Stadium kann es zur Narbenbildung oder Hautschrumpfung kommen, die in ausgeprägten Fällen zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie auch beim Absetzen von Harn- oder Kot führen können. Nicht abheilende Hautveränderungen mit einer unregelmäßigen Oberfläche und Knötchenbildung sollten sorgfältig beobachtet und abgeklärt werden, da ein Risiko für eine bösartige Veränderung besteht.

Verwechselungsgefahr mit Pilzinfektionen

Weil auch viele andere Erkrankungen mit hartnäckigem Juckreiz einhergehen, kann der Lichen sclerosus mit anderen Krankheitsbildern verwechselt werden. Häufig besteht zunächst ein Verdacht auf Pilzinfektionen. Doch auch Psoriasis, allergische Reaktionen sowie unter anderem Ekzeme gehen mit ähnlichen Symptomen einher. Das kann dazu führen, dass Betroffen oft lange auf die richtige Diagnose warten.

Die Erkrankung sollte am besten von einem erfahrenen Dermatologen, Gynäkologen bzw. Proktologen beurteilt und behandelt werden. Sie vermögen meist anhand der Symptome die Diagnose bzw. zumindest eine Verdachtsdiagnose zu stellen. Eine gesicherte Diagnose ist nur durch eine Biopsie möglich, wobei man hier bei Kindern sehr zurückhaltend vorgeht.

Gute Behandlungserfolge bei richtiger Therapie

Der Lichen sclerosus kann mit kortikoid-haltigen Salben behandelt werden, welche insbesondere im Genitalbereich den störenden Juckreiz lindern und die Entzündungen abklingen lassen können. Werden diese regelmäßig auf den betroffenen Stellen angewendet, verschwinden beim Großteil der Betroffenen die Beschwerden. Durch eine frühe und konsequente Therapie können langwierige und komplikationsreiche Erkrankungsverläufe vermieden werden.

Führt das Auftragen der Kortison-Cremes nicht zum Erfolg, kann der behandelnde Mediziner das Kortison auch direkt in die Haut der betroffenen Gebiete spritzen. Versuchsweise können auch Salben angewendet werden, die das Immunsystem ein Stück weit unterdrücken. Starke Hautveränderungen können einen operativen Eingriff notwendig machen.

Bei einem Teil der Betroffenen sind die therapeutischen Maßnahmen nicht ausreichend wirksam, was chronische, langsam voranschreitende Erkrankungsverläufe zur Folge haben kann. Langfristige Erkrankungsverläufe können einen erheblichen Leidensdruck bei Betroffen erzeugen, das Sexualleben beeinträchtigen und eine enorme psychische Belastung darstellen. In einigen Fällen hat sich eine Psychotherapie zur Verarbeitung der Erkrankung als effektiv erwiesen. Auch der Austausch mit gleichfalls betroffen Menschen kann ein guter Weg zur Krankheitsbewältigung sein.

Eine Informationsplattform und Anlaufstelle bietet der ursprünglich in der Schweiz ansässige Verein Lichen sclerosus (www.lichensclerosus.ch), der inzwischen europaweit aktiv ist.

Grundsätzlich handelt es sich beim Lichen sclerosus um eine gutartige Erkrankung. Betroffene haben jedoch ein erhöhtes Risiko, einen Hautkrebs zu entwickeln. Daher sind regelmäßige medizinische Kontrollen wichtig, um mögliche bösartige Hautveränderungen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen.

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Autor/Autoren: äin-red

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