03.03.2014

Kompetent für sich selbst – Komplementärmedizin in der Frauenheilkunde

Natürliche und traditionelle Heilweisen haben in der Frauengesundheit schon immer ihren festen Platz, bisher allerdings vor allem in der Selbstbehandlung, was sich nun ändern soll.

Natürliche und traditionelle Heilweisen haben in der Frauengesundheit schon immer ihren festen Platz, bisher allerdings vor allem in der Selbstbehandlung. Ayurveda, pflanzliche Mittel, Yoga und andere werden von Frauen gern und häufig angewendet, wenn die ärztliche Behandlung ihrer Krankheiten und Beschwerden enttäuschend war. Die Folge ist, dass beide Konzepte - Schulmedizin durch Ärztinnen und Ärzte und nicht-schulmedizinische Konzepte in der Selbsthandlung - oft parallel und ohne Berührungspunkte nebeneinander her angewendet werden. „Das ist nicht sinnvoll", betont der Frauenarzt Dipl.-Med. Ulrich Freitag, Wismar. Der Frauenarzt führt seit mehreren Jahren Kurse durch, um seine Kolleginnen und Kollegen in derartigen Verfahren zu schulen. Sie stellen keine Alternative zur Schulmedizin dar, sondern sollen diese Konzepte ergänzen, weshalb sie nicht „Alternativmedizin" sondern „Komplementärmedizin" genannt werden.

Auch auf dem FOKO 2014 in Düsseldorf, dem Fortbildungskongress der Frauenärztlichen BundesAkademie, gibt es einen solchen Kurs. „Natürlich müssen Tumoren, Infektionen, hormonelle Störungen, Schmerzkrankheiten mit allen sinnvollen Mitteln der Schulmedizin behandelt werden, daran besteht gar kein Zweifel", betont der Frauenarzt. „Aber gerade bei länger anhaltenden Krankheiten und Beschwerden fragen unsere Patientinnen immer wieder, was sie zusätzlich noch selbst für sich tun können. Hier ist es ungeheuer hilfreich, wenn wir Frauenärzte gut qualifiziert sind und zusätzliche Unterstützung aus der pflanzlichen Arzneikunde oder aus den traditionellen asiatischen Heilweisen anbieten können, zu denen z. B. Ayurveda und Akupunktur gehören. Deshalb arbeiten wir eng mit der AG für Naturheilkunde, Akupunktur, Umwelt- und Komplementärmedizin in der Frauenheilkunde (NATUM) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zusammen, die bereits seit 20 Jahren Fortbildung zu diesem Thema anbietet."

Als wichtiges Beispiel nennt der Frauenarzt Krebserkrankungen: Neben den Behandlungen, die von den Krankenkassen bezahlt werden, gibt es eine Reihe weiterer unterstützender Maßnahmen, die für die einzelne Patientin sinnvoll sein können. So muss nach einem Selen- oder Vitamin-D-Mangel gesucht und beides gegebenenfalls ersetzt werden; Stimmungsschwankungen und depressive Phasen können mit Johanniskraut abgemildert werden; Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Übelkeit und Müdigkeit können unter Umständen mit Akupunktur behandelt werden. Auch wenn sich eine Patientin für die Anwendung von Mistelpräparaten interessiert, so ist es sinnvoll, dies in das bestehende schulmedizinische Konzept einzubetten. Meditative Techniken wie Yoga oder Tiefenentspannung, Kunsttherapie, eine bewusst gesunde Lebensführung unterstützen die krebskranke Frau darin, den Umgang mit der Krankheit und ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen, kompetent für sich selbst zu werden. „Die Patientinnen fragen oft, was sie selbst für sich tun können. Es ist hilfreich, wenn wir als Frauenärztinnen und Frauenärzte ihnen ein Konzept anbieten können, das mit der schulmedizinischen Behandlung abgestimmt ist und harmoniert sowie auch den Patientinnen ein aktiven Platz in der Therapie zuweist", so Freitag. „Wenn eine Patientin sich enttäuscht von ihren Ärzten abwendet und Hilfe in der Alternativmedizin sucht, dann ist der Schritt zum Abbruch der notwendigen schulmedizinischen Nachbetreuung oft nicht weit. Das verschlechtert die Gesamtsituation und auch das Überleben."

© FOKO 2014

Autor/Autoren: äin-red