26.01.2017
In Europa trinkt jede vierte Frau während der Schwangerschaft
Obwohl die Risiken von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft schon lange bekannt sind, erleiden nicht wenige ungeborene Kinder Schädigungen durch das Genussgift im Mutterleib.
Zahlreiche Untersuchungen haben in den vergangenen Jahren den Konsum von Alkohol bei Schwangeren und dessen Folgen untersucht. Eine aktuelle Meta-Analyse vom Centre for Addiction and Mental Health in Toronto fasst nun die Ergebnisse dieser Veröffentlichungen zusammen (Lancet Global Health 2017; doi: 10.1016/S2214-109X(17)30021-9). Demnach trinkt weltweit fast jede zehnte Frau Alkohol während ihrer Schwangerschaft (9,8 Prozent). Die 5 Länder mit dem höchsten Anteil an alkoholkonsumierenden Schwangeren sind Irland (60,4 Prozent), Weißrussland, Dänemark, Großbritannien und Russland (36,5 Prozent) - sie zählen allesamt zur WHO-Region Europa. Hingegen wird auf der arabischen Halbinsel am seltensten Alkohol von schwangeren Frauen getrunken. Auch in Südostasien und dem östlichen Mittelmeerraum wir weitaus weniger Alkohol während diesem sensiblen Zeitraum konsumiert (bis 1,8 Prozent).
Lebenslange Folgen und Behinderung für das Kind möglich
Mütterlicher Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann für die betroffenen Kinder lebenslange Folgen haben und ein weites Spektrum von Störungen verursachen. Das Ausmaß der Behinderungen und Einschränkungen lässt sich in vielen Fällen oft nur schwer und spät im Verlauf der Entwicklung erfassen. Alkohol passiert die Plazentaschranke uneingeschränkt. Nach jedem alkoholischen Getränk steigt der Alkoholspiegel im Nabelschnurblut auf die gleiche Konzentration wie im Blut der Mutter. Das Gehirn, als größtes und empfindlichstes Organ des Embryos und Fetus, ist durch die Alkoholexposition am stärksten betroffen. Krankhafte Veränderungen sind hier sehr viel häufiger als die z.T. sichtbaren Auffälligkeiten - wie beispielsweise Gesichtsfehlbildungen, Kleinwuchs und Untergewicht - und können auch isoliert von diesen auftreten. Diese Kinder können in vielen Bereichen beeinträchtigt sein, wie der Wahrnehmung, Konzentration, Motorik und Sprache sowie auch im Lernen bzw. der Intelligenz.
Die Studienautoren schätzen, dass eines von 67 Kindern durch den mütterlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft diagnostisch erfassbare Schädigungen erleidet, die auch fetales Alkoholsyndrom genannt werden. Das „Fetale Alkoholsyndrom (FAS)" gilt als Vollbild der Erkrankung und geht unter anderem mit typischen Gesichtsauffälligkeiten einher. Wesentlich häufiger dürften Schädigungen sein, die als fetale Alkoholspektrumstörungen bezeichnet werden und weniger auffällig sind.
Quelle: aerzteblatt.de , Lancet Global Health
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