06.05.2026

Hochverarbeitete Lebensmittel können Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Wer reichlich hochverarbeitete Lebensmittel isst, erhöht nicht nur sein Risiko für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, sondern kann auch die eigene Fruchtbarkeit mindern. Darauf weisen zwei aktuelle Studien aus den Niederlanden und Kanada hin.

Frau nimmt lieber einen Apfel und Salat anstatt Donuts

Dr. Celine Lin vom University Medical Center in Rotterdam und ihr Team untersuchten in ihrer Studie, wie sich der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel auf die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern mit Kinderwunsch und auf die Embryonalentwicklung auswirkt.[1]  Hierfür rekrutierten das Forscherteam 861 Frauen und 651 Männer mit Kinderwunsch, erfassten deren Ernährungsgewohnheiten und beobachteten diese einige Jahre. Anschließend suchte das Team nach Zusammenhängen zwischen dem Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel an der Ernährung und dem Fortpflanzungserfolg bzw. der Embryonalentwicklung.

Das niederländische Forscherteam fand folgende Zusammenhänge:

  1. Die Frauen nahmen im Schnitt 22 % ihrer Energie in Form von hochverarbeiteten Lebensmitteln (z.B. Fertiggerichte, Wurstwaren, Süßigkeiten, Softdrinks, Schmelzkäse) auf; die Männer 25 %.
  2. Je mehr hochverarbeitete Lebensmittel ein Mann zu sich nahm, desto länger dauerte es, ein Kind zu zeugen. Subfertilität genannt, wenn der Fortpflanzungserfolg über 12 Monate auf sich warten lässt.
  3. Bei Frauen mit überdurchschnittlich hohem Konsum an hochverarbeiteten Lebensmitteln vor/während der Schwangerschaft, konnten die Forschenden beobachten, dass der Embryo in den ersten elf Wochen deutlich langsamer wuchs.

Eine signifikant verminderte Fruchtbarkeit konnten das niederländische Forscherteam bei den weiblichen Teilnehmerinnen jedoch nicht feststellen.

Dr. Angelica Bariv von der McMaster University in Ontario und ihr Team konzentrierten sich in ihrer Studie auf den Zusammenhang von Ernährung und Fruchtbarkeit bei US-Amerikanerinnen im gebärfähigen Alter. [2]  Hierfür analysierten sie die Daten von 2.582 Frauen, die 2013 bis 2018 an der NHANES-Studie (National Health and Nutrition Examination Survey) teilgenommen hatten. Bei der Auswertung der Ernährung schaute das Team nicht nur auf den Anteil der hochverarbeiteten Lebensmittel, sondern inwieweit die Ernährung an eine Mediterrane Diät heranreichte.

Hier machte das kanadische Forscherteam folgende Beobachtungen:

  1. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch (mindestens 12 Monate am Stück versucht) ernährten sich mit einem hohen Anteil (über 30 %) an hochverarbeiteten Lebensmitteln und einem geringeren Anteil an mediterraner Kost. Darüber hinaus waren die betroffenen Frauen im Schnitt älter und häufiger übergewichtig.
  2. Frauen, deren Kinderwunsch sich erfüllt hat, aßen vor und während der Schwangerschaft weniger hochverarbeitete Lebensmittel (ca. 27 %) und nahmen mehr mediterrane Kost zu sich.

Schlussfolgerung

Eine gesunde Ernährung mit einem geringen Anteil an hochverarbeiteten Lebensmitteln kann dazu beitragen, die Fruchtbarkeit zu erhalten und einen bestehenden Kinderwunsch zu erfüllen. Dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Zudem profitiert auch der Embryo von einer gesunden Ernährung der werdenden Mutter.

Quellen:
[1]  Lin CHX, Gaillard R, Mulders, Jaddoe VWV, Schipper MC. Periconceptional ultra-processed food consumption in women and men, fertility, and early embryonic development. Human Reproduction, 2026; deag023,https://doi.org/10.1093/humrep/deag023
[2] Baric A, Flannagan L, Martinez-Steele E, Bauer A, Christoforou A. Ultra-processed food intake and Mediterranean diet adherence in relation to fertility status in U.S. women: Findings from NHANES 2013–2018. Nutrition and Health. 2026;0(0). doi:10.1177/02601060261433154

Autor/Autoren: äin-red