30.10.2025

Hautkontakt mit der Mutter direkt nach der Geburt wirkt positiv auf Neugeborene

Wird ein gesundes Neugeborenes innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt auf die unbedeckte Brust seiner Mutter gelegt, verschafft ihm dieser direkte Hautkontakt wahrscheinlich einen besseren Start ins Leben: So lässt sich das Ergebnis eines jetzt aktualisierten Cochrane Reviews zusammenfassen. Denn wahrscheinlich sorgt diese einfache Praxis dafür, dass mehr Säuglinge voll gestillt werden und gute Vitalwerte haben.

Hautkontakt: Neugeborenes liegt auf Mutter

Das Review (Übersichtsarbeit) basiert auf den Erkenntnissen von insgesamt 69 Studien mit 7.290 Mutter-Kind-Paaren. Demzufolge wurden etwa 82 Prozent der Säuglinge, die direkten Hautkontakt zu ihrer Mutter hatten, mindestens die ersten sechs Wochen lang voll gestillt – und in einigen Studien sogar bis zu einem halben Jahr. Zum Vergleich: Von den Säuglingen ohne Hautkontakt nach der Geburt waren es nur 59 Prozent.

Gesundes Kind dank frühem Hautkontakt und längerem Stillen

Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten bringt Müttern und Kindern viele gesundheitliche Vorteile. Zudem wirkt der Hautkontakt nach der Geburt wahrscheinlich stabilisierend auf mehrere wichtige Werte, die etwas über den Gesundheitszustand des Neugeborenen aussagen – nämlich auf Körpertemperatur, Blutzucker, Atmung und Herzfrequenz.

„Früher wurden Babys unmittelbar nach der Geburt für Routineverfahren wie körperliche Untersuchung, Wiegen und Baden von ihren Müttern getrennt. Das verhindert einen unmittelbaren Haut-zu-Haut-Kontakt“, sagt Elizabeth Moore, Erstautorin des Cochrane Reviews und emeritierte außerordentliche Professorin an der „School of Nursing“ der Vanderbilt Universität in Nashville (USA). „Selbst in Ländern mit sehr guter Versorgung ist diese kostenlose und leicht umsetzbare Maßnahme keine gängige Praxis.“

Was die Aussagekraft angeht: Warum können die Cochrane-Autorinnen und -Autoren eigentlich nur sagen, dass der direkte Hautkontakt „wahrscheinlich“ positiv wirkt – und nicht, dass er „sicher“ positiv wirkt? Das hat etwas mit der Qualität der Studien zu tun, die sie für ihre Übersichtsarbeit ausgewertet haben: Sie genügten nämlich nicht immer den strengsten wissenschaftlichen Standards. So wussten die Mütter natürlich, ob ihnen ihr Kind direkt nach der Geburt auf die Brust gelegt wurde oder nicht – und das könnte ihr Stillverhalten beeinflusst haben. Dies ist unvermeidbar, wurde aber als eine von mehreren methodischen Schwächen bewertet. Weshalb die Ergebnisse nicht als „sicher“, sondern eben nur als „wahrscheinlich“ gelten.

Trotz der Vorbehalte ziehen die Autoren des aktuellen Reviews ein klares Fazit: Die Evidenz zugunsten des unmittelbaren Haut-zu-Haut-Kontakts ist aus ihrer Sicht so deutlich, dass sie davon abraten, weitere randomisierte Studien durchzuführen. Denn bei diesen dürften Mütter und Neugeborenen in der Kontrollgruppe nämlich nach der Geburt keinen Hautkontakt haben. Und den Hautkontakt empfiehlt mittlerweile selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Standard.

Bessere Überlebenschance bei niedrigem Geburtsgewicht

Den Haut-zu-Haut-Kontakt vorzuenthalten, wäre heute als unethisch anzusehen, da es ausreichende Evidenz (Beweise) gibt, dass der direkte Kontakt die Gesundheit und das Überleben von Neugeborenen verbessert“, sagt Karin Cadwell, Senior-Autorin sowie Geschäftsführerin und leitende Dozentin des „Healthy Children Project’s Center for Breastfeeding“ in den USA. „Während die für unseren Review geeigneten Studien nicht das Überleben betrachteten, haben Forschungsarbeiten in ressourcenarmen Umgebungen gezeigt, dass dieser direkte Kontakt bei Neugeborenen mit geringem Geburtsgewicht über Leben und Tod entscheiden kann. Eine große Studie in Krankenhäusern in Indien und mehreren afrikanischen Ländern wurde frühzeitig gestoppt, als vorläufige Daten zeigten, dass Haut-zu-Haut-Kontakt das Überleben signifikant verbessert.“

Quelle: Cochrane Deutschlandhttps://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD003519.pub5

Autor/Autoren: äin-red