13.01.2026

Harninkontinenz: App erweist sich als hilfreich für betroffene Frauen

Mindestens jede vierte Frau entwickelt in ihrem Leben eine Harninkontinenz. Eine deutsche Studie zeigt: Eine App-gestützte nicht-medikamentöse Behandlung – begleitend zur üblichen Behandlung – kann dabei helfen, binnen 12 Wochen die Beschwerden deutlich zu lindern.

Scherenschnitt als Symbolbild für Frau mit Blasenschwäche

Die Leitlinien zur Behandlung verschiedenere Formen von Harninkontinenz empfehlen als ersten Schritt nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden wie Beckenbodentraining. Diese kommen aber noch zu selten zum konsequenten Einsatz. Professor Dr. Axel Haferkamp von der Johannes-Gutenberg-Universität und sein Team untersuchten, ob eine spezielle App für Betroffene ergänzend zur Standardversorgung dabei helfen kann, die Symptome mit nicht-medikamentösenMethoden zu lindern. 

In Rahmen einer 12-wöchigen (randomisierten, kontrollierten) bundesweiten Studie nahmen 194 erwachsene Patientinnen teil, die an Harninkontinenz (Belastungs-, Drang- oder gemischte Inkontinenz) litten – und mindestens einen Inkontinenzvorfall pro Tag hatten. Rund eine Hälfte erhielt als Kontrollgruppe die Standardversorgung. Die andere Hälfte erhielt zusätzlich zur Standardversorgung eine App-basierte Therapie mittels der digitalen Gesundheitsanwendung „Kranus Mictera“. Die App-basierten Behandlungen umfassten hierbei Beckenbodentraining, Verhaltenstherapie mit Methoden zur Kontrolle des Harndrangs und Entspannungstechniken.

Die Wirkung der Behandlung (mit bzw. ohne App-Unterstützung) wurde anhand eines 3-Tage-Inkontinenztagebuchs gemessen und regelmäßig elektronisch übertragen. Den Studienärzten war hierbei nicht bekannt, welche Patientinnen die App nutzten.

Inkontinenzepisoden nehmen mit App-gestützter Versorgung deutlich ab

Die Patientinnen waren im Durchschnitt 50 Jahre alt. 121 (62 %) litten unter Belastungsinkontinenz, 43 (22 %) unter Dranginkontinenz und 30 (15 %) unter gemischter Inkontinenz. Innerhalb von 12 Wochen verringerte sich in der Interventionsgruppe die mittlere Anzahl der Inkontinenzepisoden von rund 4 auf 2 pro Tag (61 % Abnahme). Im selben Zeitraum verringerte sich die mittlere Zahl der täglichen Inkontinenzepisoden in der Kontrollgruppe nur wenig (1,7 % Abnahme). 

Schlussfolgerung

Diese Studie zeigt, dass eine App-gestützte Versorgung die Harninkontinenz deutlich verbessern kann. So halbierte sich bei den App-Nutzerinnen die Anzahl der täglichen Inkontinenzepisoden binnen 12 Wochen deutlich.

Quelle: Haferkamp A et al. App-based therapy for female patients with urinary incontinence in Germany (DINKS): a single-blind, randomised, controlled trial. The Lancet Digital Health, Volume 7, Issue 12, 100935

Autor/Autoren: äin-red