08.09.2016

Gonorrhö ist hoch ansteckend und macht unfruchtbar

Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sich die Infektion in der Gebärmutter, in den Eileitern und der Bauchhöhle ausbreiten und zu Blutungsunregelmäßigkeiten und Unfruchtbarkeit führen.

Die Symptome, die eine Infektion mit Gonokokken bei Frauen verursacht, sind meist nicht dramatisch: Verstärker gelber Ausfluss, leichte Rötung und etwas Juckreiz und Symptome wie eine leichte Blasenentzündung sind oft alles, was die Frau davon merkt, dass sich in ihrer Harnröhre, ihre Vagina und ihrem Muttermund Gonokokken, die Auslöser der Gonorrhö, angesiedelt haben. Wird die Erkrankung nicht behandelt, so können sich die Keime aber in die Gebärmutter, in die Eileiter und letztlich in die Bauchhöhle ausbreiten, was zu Blutungsunregelmäßigkeiten und Unfruchtbarkeit führen sowie dauerhaften Schmerzen im Unterbauch wegen der Verwachsungen auslösen kann. Der Ausfluss riecht anfangs noch normal und entwickelt erst im Lauf der Zeit einen unangenehmen Geruch. "Jede Frau, die solche Symptome an sich feststellt, sollte so früh wie möglich zu ihrer Frauenärztin oder zu ihrem Frauenarzt gehen, um einen Test durchführen zu lassen", betont Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. "Dasselbe gilt auch für Frauen ohne Symptome, deren Partner Anzeichen für eine Gonokokken-Infektion aufweisen wie heftigen Ausfluss aus der Harnröhre und Brennen beim Wasserlassen." Wenn eine Infektion festgestellt wurde, müssen alle Sexualpartner der letzten drei Monate informiert und ebenfalls untersuchen werden, auch wenn bei ihnen noch keine Krankheitszeichen aufgetreten sind. Wenn Keime nachgewiesen werden, muss in jedem Fall eine Behandlung durchgeführt werden, auch dann, wenn die Infektion keinerlei Krankheitszeichen hervorgerufen hat. Auch schwangere Frauen werden bei einer Infektion mit Antibiotika behandelt, denn durch eine Entzündung kann eine Frühgeburt ausgelöst werden. Ohne Behandlung entwickelt das Neugeborene häufig eine schwere Augenentzündung, die zu Blindheit führt.

Erstaunliche Überlebenstaktiken der Erreger

"Die Gonorrhö ist hoch ansteckend, obwohl Gonokokken in trockener, zu kühler oder zu warmer Umgebung schnell absterben", erläutert Christian Albring. "Aber sie haben einige erstaunliche Überlebenstaktiken. Sie lassen sich erst von Abwehrzellen auffressen, überstehen das aber, lassen sich dann wieder von diesen Zellen ausspucken und wickeln sich dabei in Material aus der Zellmembran der Fresszelle ein. Dadurch werden sie vom Körper nicht mehr als fremd erkannt, tricksen so die Abwehr aus und können sich oft ohne deutliche Krankheitszeichen erheblich im Körper ausbreiten. Außerdem entwickeln sie immer neue Werkzeuge, um Antibiotika auszuschalten und sind dabei schneller als die Forscher, die fieberhaft an der Entwicklung neuer Antibiotika arbeiten." Die Folge: Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet neuerdings, dass es bald Keime geben könnte, die mit keinem Antibiotikum mehr bekämpft werden können.

In Deutschland gibt es derzeit noch einige Antibiotika vor allem aus der Gruppe der modernen Cephalosporine und Makrolide, mit denen man - oft in Kombination - eine Behandlung auch ohne Antibiogramm durchführen kann. Chinolone, die noch vor 10 Jahren als Standardtherapie angesehen wurden, werden von der WHO heute als weitgehend wirkungslos eingestuft. Das Gleiche gilt für Penicilline: Die Bauanleitung für das Werkzeug, um dieses Antibiotikum zu zerstören, tragen inzwischen die meisten Gonokokken in ihrem Genmaterial. Doch die Weltgesundheitsorganisation und auch das Robert-Koch-Institut schlagen Alarm: Selbst die derzeit empfohlenen, modernen Cephalosporine können immer häufiger nichts mehr gegen die Infektion ausrichten, und inzwischen wurde sogar über Keime berichtet, gegen die auch eine Kombination mehrerer potenter Antibiotika nichts mehr ausrichten konnte.

"Die einzige Möglichkeit, sich vor solchen widerstandsfähigen Keimen zu schützen, ist Safer Sex vor allem bei Partnerwechsel und beim Sex mit Partnern, die ihrerseits häufige Partnerwechsel vornehmen, natürlich auch bei rektalem und oralem Sex", erläutert Christian Albring. "Außerdem sollte jede Frau beim Verdacht auf eine sexuell übertragene Infektion unbedingt in die Praxis kommen. Je früher die Diagnose gestellt wird, je eher eine geeignete Therapie durchgeführt wird, umso geringer sind die Folgeschäden."

Quellen:

Robert-Koch-Institut. Erster Nachweis einer Gonorrhö mit einem high-level Azithromycin-resistenten Erreger in Deutschland. Epidemiologisches Bulletin 21, 31.05.2016. www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2016/Ausgaben/21_16.pdf

Robert-Koch-Institut: Gonorrhö - RKI-Ratgeber für Ärzte. www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Gonorrhoe.html

World Health Organization. WHO Guidelines for the Treatment of Neisseria gonorrhoeae. Genf 2016. apps.who.int/iris/bitstream/10665/246114/1/9789241549691-eng.pdf

Pressemitteilung Berufsverband der Frauenärzte BVF

Autor/Autoren: äin-red