09.07.2013
Frauenärzte warnen vor Freigabe der Pille danach
Bester Indikator zur Beurteilung der Güte des deutschen Systems der Notfallverhütung ist die niedrige Rate der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gegenüber anderen europäischen Ländern.
Der BVF bedauert die populistische Entscheidung des Bundesrates zur ‚Pille danach‘. Sie stellt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Nachteil der Mädchen und Frauen auf den Kopf. Einige Begründungen der Entscheidung sind darüber hinaus schlichtweg falsch. Schon bei der Anhörung des Gesundheitsausschusses des Bundestages wurde von Wissenschaftlern eindeutig dargelegt, dass die Levonorgestrel haltige ‚Pille danach‘ am ersten Tag danach nur ein Drittel und am zweiten und dritten Tag danach nur die Hälfte der Schwangerschaften verhindern kann. Die Ulipristalacetat haltige ‚Pille danach‘ ist somit dreifach bzw. zweifach wirksamer, und kann überdies bis zu fünf Tage danach angewandt werden.
Außerdem wurde dem Gesundheitsausschuss eindeutig bewiesen, dass in Ländern, wo die ‚Pille danach‘ ohne ärztliche Beratung freigegeben wurde, wie z.B. Frankreich und England, die Rate der Schwangerschaftsabbrüche eindeutiger Beweis für die Qualität und Güte des deutschen Systems. Folgerichtig entschied der Bundestag sich gegen eine Freigabe. Auch in diesem Punkt irrt dagegen der Bundesrat in der Begründung seiner Entscheidung. Eine freie Abgabe von Levonorgestrel wird auch in Deutschland zu mehr ungewollten Schwangerschaften führen, und die jahrelangen Bemühungen der FrauenärztInnen in Praxen und Schulen, und z.B. der BZgA konterkarieren.
Die Entscheidung des Bundesrates geht somit mindestens einen Schritt zurück in die Vergangenheit. Niemand kann den Beweis führen, dass eine Freigabe von Levonorgestrel die Rate der Schwangerschaftsabbrüche weiter senken kann, im Gegenteil. Alle Studien und Äußerungen zu Levonorgestrel stammen aus der Vorzeit, vor dem neuen Medikament Ulipristalacetat.
Die ärztliche Beratung im Notfall hilft nicht nur bei der Entscheidung, ob eine Notfallverhütung überhaupt notwendig ist, denn das ist sie in der Mehrheit der „Notfälle“ gar nicht, sondern zeigt den Mädchen und Frauen immer auch die Wege zur dauerhaften und sicheren Verhütung auf. Anders als alle anderen Länder hat Deutschland auch ein Alleinstellungsmerkmal mit dem Netz von über 10.000 niedergelassenen FrauenärztInnen, und einen ärztlichen Bereitschaftsdienst rund um die Uhr, der deutschlandweit auch über die Telefonnummer 116117 erreichbar ist.
Pressemitteilung BVF


