14.01.2014
Frauenärzte befürchten eine Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen
Mit Unverständnis reagiert der BVF auf die heutige Empfehlung des Sachverständigenausschuss des BfArM, die Rezeptpflicht für Levonorgestrel zur Notfallverhütung aufzuheben.
Mit Unverständnis reagiert der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) auf die heutige Empfehlung des Sachverständigenausschuss des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die Rezeptpflicht für Levonorgestrel zur Notfallverhütung aufzuheben. „Wir fürchten eine Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen und vor allem von Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes. „Wir fürchten die erhöhten Ausgaben, die auf die Frauen durch die Arzneimittelkosten und eventuell auch durch Beratungshonorare in der Apotheke zukommen, wir fürchten, dass diese Präparate vielfach ohne Grund eingenommen werden, wir fürchten deshalb eine Zunahme von Nebenwirkungen und nicht zuletzt auch von Thrombosen bei gefährdeten Mädchen und Frauen."
Zu einer Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen könnte es kommen, weil Levonorgestrel das am wenigsten wirkungsvolle Mittel ist, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern: LNG verhindert in den ersten 24 Stunden nach dem ungeschützten Sex ein Drittel der möglichen Schwangerschaften, und in den Tagen danach noch viel weniger. Das Risiko, trotz LNG schwanger zu werden, ist damit mehr als doppelt so hoch wie unter dem europaweit verschreibungspflichtigen modernen Arzneimittel Ulipristalacetat.
In den europäischen Ländern, in denen Levonorgestrel bisher rezeptfrei erhältlich ist, hat jedenfalls die Zahl der ungewollten Schwangerschaften seit der Rezeptfreiheit nicht abgenommen. Im Gegenteil: die Rate ist in Großbritannien, Frankreich und Schweden fast dreimal so hoch wie in Deutschland.
Levonorgestrel wirkt zudem nur bis zu einem Körpergewicht von 75 Kilogramm. Mädchen und Frauen, die mehr Gewicht auf die Waage bringen, werden durch das Medikament gar nicht vor einer Schwangerschaft geschützt. Ihnen hilft nur Ulipristal; bei einem Körpergewicht über 95 Kilogramm wirkt aber auch dieses Medikament nicht mehr, und es müsste dann eine Kupfer-Spirale gelegt werden, um eine Schwangerschaft zu verhindern.
„Für eine sichere sexuelle Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen wäre die Freigabe von Levonorgestrel zur Notfallverhütung jedenfalls kein geeigneter Weg", so Dr. Albring.
© BVF 2014


