06.06.2024

Fragen und Antworten rund um den Kaiserschnitt

Expertinnen und Experten aus der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG e.V. (AGG) beantworten die häufigsten Fragen zum Kaiserschnitt. Sie sprechen dabei unter anderem über aktuelle Kaiserschnittraten sowie Vor- und Nachteile der OP.

Mutter mit Neugeborenem nach Kaiserschnitt

Die Kaiserschnittrate ist in den bundesdeutschen Geburtskliniken in den vergangenen Jahren gestiegen. Expertinnen und Experten der AGG haben folgende häufig gestellte Fragen rund um den Kaiserschnitt gesammelt und beantwortet:

Wie hoch ist die Kaiserschnittrate in Deutschland?

In Deutschland wird mittlerweile ca. jedes 3. Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht.

Was sollte vor einem Kaiserschnitt beachtet werden?

Unabhängig von einer globalen Sectiorate sollte jede Indikation zur Sectio individuell abgewogen werden. Schwangeren Frauen sollen evidenzbasierte Informationen und Unterstützung angeboten werden, die sie befähigen, eine informierte Wahl hinsichtlich der Geburt zu treffen. Ziel muss es sein, den werdenden Müttern eine physiologische, selbstbestimmte und interventionsarme Geburt zu ermöglichen, in geburtshilflichen Strukturen, die in jederzeit möglichen unvorhersehbaren Risikosituationen eine maximale Sicherheit von Mutter und Kind gewährleisten.

Welche Indikationen zum Kaiserschnitt gibt es?

Man unterscheidet bei den Indikationen zur Sectio zwischen absoluten und relativen Indikationen. Absolute Indikationen sind z.B. eine Querlage, das Vorliegen des Mutterkuchens vor dem inneren Muttermund (Plazenta prävia) oder ein Riss der Gebärmutter. Auch eine Schwangerschaftsvergiftung und eine unzureichende Funktion der Plazenta stellen oft eine unvermeidbare Sectioindikation dar. Diese absoluten Indikationen machen ca. 10 % aller Sectiones aus und sind zwingend notwendig, um das Leben von Mutter und/oder Kind zu retten. 90 % aller Sectiones erfolgen aus einer relativen Indikation. Diese erfolgen aufgrund einer Abwägung der Geburtsrisiken für Mutter und Kind. Häufige Indikationen sind z.B. auffällige kindliche Herztöne, ein fehlender Geburtsfortschritt, aber auch ein Zustand nach Kaiserschnitt in der letzten Schwangerschaft. Eine relative Indikation bedeutet aber keinesfalls, dass ein solcher Eingriff nicht medizinisch indiziert ist.

Warum werden mehr Kaiserschnitte durchgeführt?

Das Risikoprofil werdender Mütter hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert, wodurch die Anzahl von Risikoschwangerschaften zugenommen hat. Beispielhaft hierfür sind, dass das Alter einer Frau bei der Geburt des ersten Kindes mittlerweile bei fast 32 Jahren liegt, über 40% der Schwangeren übergewichtig oder adipös sind und chronische Erkrankungen von Schwangeren zunehmen.

Was sind Vorteile eines Kaiserschnitts?

Das operative Risiko eines Kaiserschnittes ist gering. Nachgeburtliche Blutungskomplikationen sowie Inkontinenz- und Beckenbodenprobleme sind seltener nach Kaiserschnittgeburten als nach vaginalen Geburten.

Was sind Nachteile eines Kaiserschnitts?

Nach einem Kaiserschnitt besteht zum einen eine höhere Schmerzbelastung und damit auch Immobilität nach der Geburt. Der Stillbeginn nach einem Kaiserschnitt ist häufig erschwert, außerdem kann die unmittelbare Kontaktaufnahme zum Kind (Bonding) beeinträchtigt sein. Nach Kaiserschnitten besteht ein höheres Risiko von Unfruchtbarkeit, Störungen der Plazentahaftung in Folgeschwangerschaften sowie von Rissen der Gebärmutter.

Welche Nachteile birgt ein Kaiserschnitt für die Neugeborenen?

Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, haben eine erhöhte Rate an Anpassungsstörungen, u.a. ein höheres Risiko für Atemerkrankungen, Autismus sowie Adipositas im weiteren Leben.

Wie hoch ist das Risiko der Komplikationen im Vergleich zu einer vaginalen Geburt?

Es ist zu betonen, dass das relative Risiko dieser Komplikationen im Vergleich zur normalen Geburt zwar erhöht, das absolute Risiko jedoch gering ist. Insgesamt treten diese oben angeführten Komplikationen daher sehr selten auf.

Kaiserschnittraten und geburtshilfliche Strukturen in Deutschland

In Ihrem FAQ Sectio caesarea beantwortet die AGG auch folgende tiefergehende Fragen, die Sie in der Pressemitteilung online nachlesen können:

Quelle: Pressemitteilung der AGG e.V. vom 06.06.2024

Autor/Autoren: äin-red

Herausgeber:

Logo: Berufsverband der Frauenärzte e.V.

In Zusammenarbeit mit:

Logo: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

 

 

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