17.07.2017
Flugbegleiterinnen haben ein höheres Risiko für Fehlgeburten
Ein Arbeitsplatz im Flugzeug ist mit diversen gesundheitlichen Belastungen verbunden. Offenbar gehen sie bei Frauen auch mit einer verstärkten Neigung zu Fehlgeburten einher.
Das Bordpersonal von Flugzeugen ist und war am Arbeitsplatz unterschiedlichen Risiken für die Gesundheit ausgesetzt. Dazu zählen eine stärkere Exposition gegenüber kosmischer Strahlung, Passivrauch - bevor sich in den 90er Jahren das Rauchverbot etabliert hat - sowie Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Eine kleine Studie hatte nun zum Ziel zu klären, inwieweit sich solche gesundheitlichen Belastungen auf die reproduktive Gesundheit bzw. auf die Rate an Fehlgeburten auswirken.
Hierfür stellten Wissenschaftler die Daten von 145 Flugbegleiterinnen, die vor dem Rauchverbot auf nationalen und internationalen Flügen gearbeitet hatten, Daten der Allgemeinbevölkerung gegenüber. Letztere stammten vom Center for Disease Control and Prevention (CDC), einer Behörde des amerikanischen Gesundheitsministeriums. Von den Flugbegleiterinnen erlitt gut ein Viertel (26 Prozent) eine Fehlgeburt - überwiegend im ersten Schwangerschaftsdrittel. In der Normalbevölkerung lag die Rate an Fehlgeburten bei nur 17,1 Prozent. Auch andere Studien konnten bereits zeigen, dass Flugbegleiterinnen ein größeres Risiko für Fehlgeburten haben.
War die Passivrauchbelastung die zentrale Ursache?
Die Studienautoren von der Universität Zürich gingen auch ganz gezielt der Frage nach, ob der Zigarettenrauch entscheidend für die erhöhte Rate an Fehlgeburten war. Dazu betrachteten sie die Daten von Flugbeleiterinnen, die selbst nie geraucht hatten aber Passivrauch ausgesetzt waren (im Flugzeug einer 14-mal größeren Menge an Zigarettenrauch als die Normalbevölkerung). Zwischen den beiden Gruppen, Flugbegleiterinnen mit und ohne Fehlgeburt, gab es keinen Unterschied in der Anzahl der Jahre, in denen sie dem Passivrauch ausgesetzt waren. Im Durchschnitt waren es 21 Jahre.
Die Studienautoren sehen daher die weiterhin bestehende kosmische Strahlung und die gesundheitlichen Belastungen des gestörten Tag-Nacht-Rhythmus als mögliche Ursachen, die das erhöhte Fehlgeburtsrisiko erklären könnten. Die Flugbegleiterinnen waren durchschnittlich 70 bis 80 Stunden im Monat der Strahlung ausgesetzt.
Literatur: Heidecker et al.: The High Prevalence and Clinical/Socio-demographic Correlates of Miscarriages among Flight Attendants, American Journal of Medicine, 2017 online 22. May; doi: 10.1016/j.amjmed.2017.05.032
Quelle: springermedizin.de (Nachricht vom 05.07.2017 )


