26.02.2025
Erste Schwangerschaft verändert das Gehirn der werdenden Mutter sichtbar
Seit wenigen Jahren ist bekannt, dass die Großhirnrinde werdender Mütter in der ersten Schwangerschaft regelrecht umgebaut wird. Eine spanische Studie zeigt nun erstmals, wie sich das weibliche Gehirn während der Schwangerschaft bis 6 Monate nach der Entbindung verändert – und wie diese Veränderungen mit Schwangerschaftshormonen und der Bindung zum Baby zusammenhängen.
Camila Servin-Barthet von der Universitat Autònoma de Barcelona und Dr. Magdalena Martínez-untersuchten mit Ihrem Team die Hirnveränderungen von werdenden Müttern. Hierfür nutzten sie Magnetresonanztomografie (MRT), Hormonanalysen und psychologische Fragebögen zur Mutter-Ungeborenes- bzw. Mutter-Kind-Bindung. Als Kontrollgruppen dienten kinderlose Frauen und Ziehmütter, deren weibliche Partner geplant schwanger wurden. Die Ziehmütter sollten dabei helfen, biologische Effekte des Mutterwerdens besser zu identifizieren.
Messungen vor und während der ersten Schwangerschaft und sechs Monate nach der Entbindung
Von anfangs 433 Teilnehmerinnen konnte das Forscherteam 127 Frauen mit erster Schwangerschaft, 20 Ziehmütter und 32 Kinderlose auswerten. Die MRT-Aufnahmen vor der Empfängnis, im Verlauf der Schwangerschaft und nach der Geburt zeigten bei den biologischen Müttern signifikante Veränderungen im Gehirn:
- Bis zur 34. Schwangerschaftswoche verringerte sich die graue Substanz im Gehirn um fast 5 %.
- In 94 % der grauen Substanz ließen sich Volumenveränderungen messen.
- Von der 34. Schwangerschaftswoche bis zum 6. Monat nach der Geburt nahm die graue Substanz wieder zu.
- Ein Großteil des „Umbaus“ betraf den Hirnbereich, der das Sozialverhalten steuert.
Parallel zu den MRT-Aufnahmen gaben die Teilnehmerinnen auch Urinproben für Hormonanalysen ab:
- Anstieg und Abfall der Schwangerschaftshormone korrelierte deutlich mit Veränderungen in der grauen Substanz.
Die Auswertung der Fragebögen zur Mutter-Ungeborenes-Bindung (MAAS) in der Schwangerschaft und Mutter-Kind-Bindung (MPAS) nach der Geburt zeigten:
- Biologische Mütter bauten die stärkste Bindung zum Kind auf.
- Die stärkste Mutter-Kind-Bindung konnte bei den biologischen Müttern gemessen werden, deren graue Substanz sich nach der 34. Schwangerschaftswoche besonders schnell wieder aufbaute.
Schlussfolgerungen
Die erste Schwangerschaft ist ein einzigartiges natürliches Ereignis im Erwachsenenleben, indem starke Veränderungen im Gehirn stattfinden. Der U-förmige Verlauf im Volumen der grauen Hirnsubstanz ist in erster Linie mit Schwangerschaftsfaktoren verbunden und korreliert mit Schwankungen des Östrogenspiegels im Laufe der Schwangerschaft und frühen Mutterschaft. Die Veränderungen betreffen dabei insbesondere die Hirnregion, die das Sozialverhalten steuert.
Das Mutterwerden ohne Schwangerschaft wirkt sich dagegen nicht messbar auf das Gehirn aus – zumindest nicht im beobachteten Zeitraum. Die Mutter-Kind-Bindung bei Ziehmüttern wurde in dieser Studie jedoch nicht analysiert.
Quelle: Servin-Barthet, C., Martínez-García, M., Paternina-Die, M. et al. Pregnancy entails a U-shaped trajectory in human brain structure linked to hormones and maternal attachment. Nat Commun 16, 730 (2025). https://doi.org/10.1038/s41467-025-55830-0


