18.10.2011

Elternfreuden trotz HIV-Infektion

Die Behandlung mit antiretroviraler Kombinationstherapie und eine interdisziplinäre Betreuung der Schwangeren senken das Risiko einer Übertragung auf das Neugeborene beträchtlich.

Eine HIV-Infektion ist weiterhin unheilbar, moderne Medikamente können die Vermehrung des Virus im Körper jedoch verhindern. Das Virus schädigt den Körper dann kaum noch. Selbst die Lebenserwartung von HIV-Infizierten liegt bei einer solchen Behandlung mittlerweile genauso hoch wie bei einem gesunden Menschen. Vor einer Schwangerschaft schrecken dennoch viele betroffene Paare und Frauen zurück - sie fürchten eine Übertragung der Infektion auf ihr Kind. Das Risiko einer Weitergabe des Virus ist jedoch verschwindend gering - bei einer entsprechenden Betreuung. Wie auch infizierte Mütter mithilfe von neuen Konzepten in der Schwangerenbetreuung ein gesundes Kind zur Welt bringen können, beschreibt ein soeben erschienener Artikel in der Springer Medizin Zeitschrift Der Gynäkologe.

Moderne antiretrovirale Therapien ermöglichen eine Absenkung des Ansteckungsrisikos von der Mutter auf ihr Kind auf unter ein Prozent. Dafür ist jedoch eine interdisziplinäre Betreuung der HIV-positiven Schwangeren erforderlich - die Autorin plädiert für die Begleitung in einem HIV-erfahrenen Zentrum durch einen HIV-Behandler, Gynäkologen und Pädiater. Entscheidend ist die Senkung der Viruslast. Spätestens im letzten Drittel der Schwangerschaft sollte darum, unabhängig von der Therapienotwendigkeit bei der Mutter, die kombinierte antiretrovirale Therapie (cART) einsetzen. Gegenüber der Gabe von Azidothymdin (AZT), dem bisher einzigen offiziell zugelassenen Medikament zum Einsatz in der Schwangerschaft, senkt die cART die Viruslast und somit das Übertragungsrisiko noch einmal erheblich. Außerdem sind für Mutter und Kind weniger Nebenwirkungen zu befürchten.

Die Kombinationstherapie ermöglicht der HIV-kranken Schwangeren auch die Entscheidung für eine natürliche Geburt. Der Kaiserschnitt ist nicht mehr das erste Mittel der Wahl - wie entbunden wird, kann nach denselben Kriterien wie bei einer rundum gesunden Schwangeren entschieden werden. Nur davon, ihr Kind zu stillen, sollten infizierte Mütter absehen - es würde das Kind weiterhin einer Infektionsgefahr und möglicherweise giftigen Substanzen aus der medikamentösen Therapie aussetzen. Die Autorin rät darum zum Stillverzicht, solange eine angemessene Säuglingsnahrung verfügbar ist.

Der Beitrag HIV-Infektion in der Schwangerschaft. Neue Konzepte von Dr. Andrea Gingelmaier, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinik München, München, erscheint am 19. August 2011 in der Ausgabe 8/2011 von Der Gynäkologe

Quelle: Pressemitteilung SpringerMedizin

Autor/Autoren: äin-red