13.02.2020

Bei sexuell übertragbaren Krankheiten ist Vorsicht geboten

Sex soll Spaß machen und nicht mit Angst verbunden sein. Wissen und ein richtiger Umgang mit der Gefahr sexuell übertragbaren Erkrankungen schafft Sicherheit und verringert das Risiko von unschönen gesundheitlichen Folgen.

Schon über Sex sprechen viele nicht gerne - und über sexuell übertragbare Krankheiten schon gar nicht. Wer gibt schon gerne zu, dass er sich bei einem One-Night-Stand angesteckt hat? Doch die Mikroorganismen können zur Ehrlichkeit zwingen - denn viele der Krankheiten, auch STI (für Englisch «Sexually Transmitted Infections») genannt, sind alles andere als harmlos. Die wichtigste Regel dabei: Kondome schützen - zwar nicht in jedem Fall und vor jeder Infektion, aber doch besser als andere Methoden. Darüber hinaus kann es aber nicht schaden, die wichtigsten Risiken und Anzeichen für STI wenigstens zu kennen.

Bei Chlamydien ist Mitbehandlung des Partners notwendig

Die weltweit häufigste sexuell übertragbare Infektion wird durch Chlamydien verursacht. Eine Infektion mit Chlamydien löst häufig keine oder nur sehr leichte Symptome aus. Viele Menschen merken daher gar nicht, dass sie sich angesteckt haben, und geben die Infektion weiter, ohne es zu wissen.

Bei ungewöhnlichem Ausfluss aus Scheide, Penis oder Po, bei Zwischenblutungen, Brennen oder Schmerz beim Wasserlassen, bei Schmerzen beim Sex oder Juckreiz an Scheide, Penis oder Po sollte man sich untersuchen lassen. Ein bis drei Wochen nach der Ansteckung treten meistens diese Symptome auf. Auch wenn Symptome von alleine abklingen, ist eine Untersuchung sinnvoll, da sich Chlamydien im Körper unbemerkt weiterverbreiten können.

„Für den Erwerb von Chlamydien-Infektionen haben junge Frauen ein besonders großes Risiko“, erklärt Viviane Bremer aus der Abteilung für Infektionsepidemiologie des Robert-Koch-Instituts. Unbehandelt kann die Infektion sogar zur Unfruchtbarkeit führen, wenn sich die Eileiter entzünden und verkleben.
In der Regel wird eine Chlamydien-Infektion mit Antibiotika behandelt - Betroffene gehen zum Arzt und vermeiden Sexualkontakt, bis die Symptome verschwunden sind. Wichtig jedoch: Der Partner, bei dem man sich angesteckt hat, sollte sich unbedingt mit behandeln lassen. Ansonsten droht der Ping-Pong-Effekt, also eine Rückinfektion beim ersten Sex nach der Behandlung.

Impfung schützt vor Krebsgefahr durch HPV

„Junge Frauen haben außerdem ein hohes Risiko, sich mit Humanen Papillomviren (HPV) zu infizieren“, sagt Viviane Bremer. Diese Warzenviren-Infektion ist die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs, heilt aber in den meisten Fällen von alleine aus. Nur in seltenen Fällen kann sich der Krebs entwickeln - tückischerweise oft Jahre oder gar Jahrzehnte nach der Infektion.

Deutlich senken lässt sich das Risiko durch die HPV-Impfung. Diese empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) inzwischen nicht nur für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren, sondern auch für Jungen im gleichen Alter, da es bei Männern zunehmend HPV assoziierte Krebserkrankungen wie Peniskarzinom, Analkarzinom und Karzinome im Mundbereich gibt.

Gonorrhoe und Syphilis werden mit Antibiotika behandelt

Neben der Chlamydien-Infektion und HPV sind die Gonorrhoe und Syphilis häufige bakterielle Erkrankungen. Syphilis ist besonders heimtückisch, weil die anfänglichen Genitalgeschwüre nach circa vier Wochen abheilen, der Patient aber keineswegs gesund ist. Generell kommen bei solchen Infektionen Antibiotika zum Einsatz.

Kein Mittel gegen Viren

In anderen Fällen ist eine Behandlung dagegen deutlich schwieriger - oder unmöglich. Virale Geschlechtskrankheiten sind Aids, Lippenherpes und Genitalherpes. Gerade während eines akuten Schubs, der sich durch schmerzhafte Bläschen auszeichnet, können die Herpes-Viren übertragen werden, wobei Lippenherpes auch auf Scheide, Penis oder Po übertragen werden kann und umgekehrt Genitalherpes auch auf den Mund- und Rachenbereich. Herpes hat in der Regel keine schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Die Viren aber bleiben das ganze Leben lang im Körper und können erneut die Bildung von Bläschen auslösen, etwa bei Stress oder Schwächung des Abwehrsystem. Außerdem steigt während eines akuten Schubs das Risiko, sich bei ungeschütztem Sex mit HIV anzustecken.

Auch bei der HIV-Infektion ist in naher Zukunft nicht an eine Heilung zu denken, Ziel ist vielmehr die weltweite Bekämpfung der Aids-Erkrankung. „Die 90-90-90-Strategie besagt, dass bis zum Jahr 2020 90 Prozent aller Menschen mit HIV ihren Status kennen sollen, mindestens 90 Prozent davon Zugang zu Medikamenten haben sollen und mindestens 90 Prozent davon erfolgreich behandelt werden“, erklärt Prof. Jürgen Rockstroh, Leiter der Ambulanz für Infektiologie und Immunologie des Universitätsklinikums in Bonn.

«Erfolgreich behandelt» heißt in diesem Fall aber nicht, komplett virusfrei zu sein, sondern eine möglichst geringe HIV-Last im Blut zu haben. Wichtig ist das vor allem für Risikopatienten: „Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sind eine stark von HIV und anderen sexuell übertragenen Infektionen betroffene Bevölkerungsgruppe“, sagt Viviane Bremer.

Vor allem für diese Menschen gibt es die HIV-Vorsorge PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe), die neuerdings zumindest teilweise Kassenleistung ist. «Seit dem 1. September 2019 übernehmen Krankenkassen die Kosten für vorbeugende Arzneimittel und die dazu gehörenden Untersuchungen», sagt Armin Schafberger, Arzt und Medizinreferent der Deutschen Aidshilfe. „Diese Prä-Expositions- Prophylaxe steht für Menschen zur Verfügung, die ein hohes Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren.“ Im Zweifel nehmen die Betroffenen dann eine Tablette am Tag.

Für Fragen rund um das Thema Sex und Krankheiten ist natürlich der Arzt der richtige Ansprechpartner - auch wenn das Gespräch vielleicht schwer fällt!

Weitere Informationen: Sexuell übertragbare Krankheiten & Safer Sex

https://www.liebesleben.de/fuer-alle/sexuell-uebertragbare-infektionen/chlamydien/

Quelle: Material von dpa

Autor/Autoren: äin-red

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