13.08.2021
Arzneimittel vor und in der Schwangerschaft – möglichst ohne Risiken für das Baby
Medikamente, die das ungeborene Baby schädigen könnten, sollten wenn irgend möglich schon vor einer Schwangerschaft umgestellt oder gegebenenfalls abgesetzt werden.
„Meistens handelt es sich um Arzneimittel, die wegen einer schweren, chronischen Erkrankung dauerhaft – z.B. Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit, aber auch Krebs oder eine Epilepsie – nötig sind“, erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. „Bei Kinderwunsch sollten die Frauen schon vorab mit dem verordnenden Arzt klären, ob die Medikamente auch während einer Schwangerschaft eingenommen werden können. Natürlich wird der bei der Erstfeststellung einer Schwangerschaft dokumentiert, welche Arzneimittel von der Frau eingenommen werden. Frauenärzte sind dabei jedoch auf die exakte Auflistung durch den verordnenden Haus- oder Facharzt und die Diagnose angewiesen, die dann in den Mutterpass eingetragen wird. Fehlt diese oder vergisst die Schwangere eine Medikamenteneinnahme zu erwähnen, kann es zu der beschriebenen bedenklichen Fortführung der Medikation kommen.“
Die BARMER Krankenversicherung hatte im Jahr 2018 mehr als 66.000 Frauen befragt, die in diesem Jahr ein Kind bekommen hatten. Thema war die Frage, welche Arzneimittel vor und während der Schwangerschaft eingenommen wurden, und ob die Verordnungen in der Schwangerschaft verändert wurden. Die Ergebnisse wurden am 12.08.2021 auf einer Pressekonferenz vorgestellt [1]. Sie zeigen, dass etwa 1 Prozent der Frauen auch während der Schwangerschaft Arzneimittel einnahmen, die für das ungeborene Baby ein gewisses Risiko darstellen, wie etwa Arzneimittel gegen schwerste Akne-Formen, bei Epilepsien, bei Krebs- oder Immun-Erkrankungen und ähnliches. 0,03 Prozent aller Schwangeren erhielten wegen ihrer Erkrankungen auch während der Schwangerschaft Arzneimittel weiter, durch die etwa eines von zehn ungeborenen Babys geschädigt wird.
„Wenn Frauen solche Arzneimittel bekommen, dann ist ein sehr zuverlässiger Schutz vor Schwangerschaften dringend notwendig“, erläutert Dr. med. Klaus Doubek, Vizepräsident des Verbandes. „Beispielsweise senden Dermatologen Mädchen und Frauen vor einer solchen Akne-Behandlung zur Beratung und Durchführung einer sicheren Kontrazeption zum Frauenarzt. Manchmal versagt eine Verhütung aber, und es treten ungeplante Schwangerschaften ein. Deshalb ist es notwendig, dass Frauenärzte auf Medikationspläne zurückgreifen könnten, zum Beispiel künftig auch im Rahmen der elektronischen Patientenakte ePA. Bei Unklarheiten ist der Kontakt zu den Ärzten, die diese Medikamente aus gutem Grund angesetzt haben, direkt möglich, um Alternativen zu besprechen.“
Jede fünfte Frau gab in der Befragung der BARMER an, dass sie aus Angst um das Baby Arzneimittel abgesetzt hat, häufig ohne mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten darüber zu sprechen. „Das ist falsch, weil dadurch ein Rückfall bei der behandelten, oftmals schweren Erkrankung droht“, so Albring. „Die Schwangere und ihr Baby sind dadurch sogar gefährdet. Besser ist es, Befürchtungen miteinander zu sprechen, und gegebenenfalls eine Medikation im Interesse einer gesunden Schwangerschaft umzustellen.“
Quelle: Berufsverband der Frauenärzte e.V. © BVF
Weiterführende Informationen:
[1] BARMER-Arzneimittelreport 2021 – Riskante Medikamente gefährden Ungeborene


